Philipp Etter – der ewige Bundesrat mal ganz anders
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Philipp Etter mit Familie (Bild: zvg)

Ausstellung über den ersten Zuger Bundesrat Philipp Etter – der ewige Bundesrat mal ganz anders

4 min Lesezeit 27.02.2020, 11:03 Uhr

Die Älteren unter uns mögen sich noch an ihn erinnern und Geschichtsinteressierte finden kaum einen Weg um ihn herum: Philipp Etter (1891–1977), der «etternelle» Bundesrat. Statt wie üblich mit finster dreinblickender Mine entdeckt man ihn jetzt im Staatsarchiv Zugs von seiner weicheren, privaten Seite. 

Wie kaum ein anderer prägte der in Menzingen geborene katholisch-konservative Bundesrat Philipp Etter die Schweizer Politlandschaft während der tumulthaften 30er- und 40er-Jahre. Er gilt als Vater der geistigen Landesverteidigung, initiierte die Gründung der Stiftung Pro Helvetia und setzte sich für die Anerkennung des Rätoromanischen als vierte Landessprache ein.

Er leitete 25 Jahre lang als Bundesrat das Eidgenössische Departement des Inneren, was ihm den Beinamen «der Etternelle» beitrug. Haften geblieben ist an ihm jedoch auch der Ruf eines katholisch-konservativen, autoritären Politikers. Auch wurden ihm in den Folgejahren mehrmals antisemitische und totalitäre Tendenzen zugeschrieben.

Trotz seiner Makel beschreibt ihn Ernst Guggisberg, Staatsarchivar und Leiter der Ausstellung im Staatsarchiv, als «Vermittler, der am Ende seiner Karriere von links bis rechts geschätzt wurde».

Hinter der kühl wirkenden Fassade

Ausstellung in Zug

«Der ewige Bundesrat» – Kabinettausstellung über das politische Leben von Philipp Etter (1891–1977): bis 23. April im Staatsarchiv Zug. Öffnungszeiten: Montag bis Donnerstag, 8.15–12 / 13.30–17 Uhr.

Führungen mit Etter-Experte Thomas Zaugg: Freitag, 6.3., 12 Uhr, Mittwoch, 11.3., 17 Uhr, Freitag, 20.3., 10 Uhr.

Über seine lange politische Karriere ist schon viel bekannt, doch erstmals befasst sich eine Ausstellung mit dem Mann hinter der oftmals kühl wirkenden Fassade. Lange Zeit befand sich der Privatnachlass, also persönliche Briefe, Memoiren und Fotos, im Besitz der Familie Etter. Erst ab 2013, als der Nachlass in eine Schenkung an das Staatsarchiv Zug umgewandelt wurde, konnte der Historiker Thomas Zaugg das Bild des Zuger Politikers vervollständigen.

Die Ausstellung im Zuger Staatsarchiv befasst sich mit dem Leben Philipp Etters – von seiner Zeit am Stiftsgymnasium Einsiedeln und seinem Dienst an der Schweizer Grenze bis hin zu seiner Zeit als Bundesrat und später Alt-Bundesrat. Die Ausstellung hält sich im kleinen Rahmen, zeigt jedoch anhand von Exerzitienheften, mit kleinen Blümchen beklebten Liebesbriefen, Zeitungs- und Satireausdrucken sowie privaten Fotos das Leben Philipp Etters.

Guggisberg beschreibt Etter als einen Mann mit «unglaublichem Drive». Etters Schriften nach seinem Abtritt würden ihn als durchdachten und durchaus selbstkritischen Menschen darstellen. Die hier in der Ausstellung gezeigten Schriften und Fotografien machen Etter als Mensch fassbar. «Der Besucher wird hier nicht nur durch das Leben Philipp Etters geführt, sondern auch durch ein Stück Schweizergeschichte.»

Besonders eindrücklich sind die erstmals der Öffentlichkeit zugänglich gemachten Fotos aus der Privatsammlung der Familie Etter. Der sonst immer ernst bis fast schon böse dreinblickende Etter wird auf den Fotografien von seiner sanfteren Seite gezeigt, sei es während der Ferien auf dem Bauernhof oder beim Rasieren.

Rückblick Leben Etter

Philipp Etter wurde als Sohn einer Krämerin und eines Küfermeister am 21. Dezember 1891 in Menzingen geboren. Als Kind und Jugendlicher besuchte er das Stiftgymnasium Einsiedeln. Schon früh rhetorisch geschult ging er nach dessen Abschluss in den katholischen Pressedienst (Presseapostolat).

Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs ging mit einem Einsatz im Grenzdienst einher. Während dieser Zeit schrieb er zahlreiche Briefe – zumeist Liebesbriefe, aber auch etliche von düsterer und fast schon prophetischer Natur – an seine zukünftige Ehefrau Marie Hegglin.

Seine Ausbildung in Einsiedeln ermöglichte ihm auch eine juristische Laufbahn. 1917 arbeitete er als Verhörrichter. Nebst seiner journalistischen und juristischen Tätigkeit gelang ihm auch gleich 1918 die Wahl in den Kantonsrat, fünf Jahre später arbeitete er schon als Regierungsrat. 1930, zwölf Jahre nach seinem Eintritt in die Zuger Kantonspolitik, gelang ihm die Wahl zum Zuger Ständerat, wo er vier Jahre lang erfolgreich politisierte.

1934 kam es zum Höhepunkt seiner politischen Karriere. Der katholisch-konservative Politiker wurde von der Bundesversammlung zum Bundesrat gewählt, wo er das Eidgenössische Departement des Innern übernahm, welches er bis zu seiner freiwilligen Demission 1959 innehielt.

In den Folgejahren bewies sich Etter als fleissiger Autor und verfasste unzählige Schriften, Abhandlungen und Memoiren. Philipp Etter verstarb 1977 in Bern und wurde auf dem Berner Bremgartenfriedhof bestattet. Die sterblichen Überreste des Ehepaars wurden 2008 exhumiert und nach Menzingen übergeführt und ruhen seither in einem Familiengrab.

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