Petri Heil! Luzerner Fischer trotzen dem tristen Februarwetter
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Patrick Burri und Pio Rossit: seit früh morgens auf, um die Seeforellen-Fischerei zu eröffnen. (Bild: ida)

Forelleneröffnung an der Reuss Petri Heil! Luzerner Fischer trotzen dem tristen Februarwetter

3 min Lesezeit 02.02.2018, 09:33 Uhr

Bei Regen, Wolken und eisigen Temperaturen versucht gut ein Dutzend Fischer am Donnerstagmorgen ihr Glück in der Reuss – während die meisten Luzerner froh sind, in die Wärme zu flüchten. Was treibt all die Angler in die Kälte?

Wir schreiben den ersten Februar: Der Himmel ist dunkel bewölkt, die Regentropfen scheinen nicht weniger zu werden – das Wetter ist trostlos. Doch davon lässt sich gut ein Dutzend Fischer nicht unterkriegen. Mit einer Seelenruhe halten sie trotz miserabler Wetterverhältnisse ihre Angelruten in den strömenden Fluss. Und warten, bis die erste Forelle anbeisst.

Alt und Jung trotzen dem Regen

«Es ist Tradition», klärt Marko Veljkovic aus Emmen auf. Alljährlich werde am 1. Februar die Forelleneröffnung an der Reuss abgehalten.

Der Forellenstart in Fliessgewässern im Kanton Luzern ist gesetzlich auf den 1. Februar festgelegt. Denn vom 1. Oktober bis zum 31. Januar sei eine Schonzeit für Forellen angeordnet, erklärt Armin Meyer, Fischerei-Verwalter der Korporation Luzern.

Warm eingepackt in Regenjacke und Mütze ködert Marko Veljkovic seit halb acht Uhr morgens die Fische – und hatte bereits den ersten an der Angel. Seit klein auf sei er bereits mit Vater und Onkel losgezogen, um fischen zu können, so Veljkovic, der im Verkauf einer Autogarage arbeitet. «Ich kann dabei gut abschalten. Ein bisschen relaxen», meint der 26-Jährige.

Die erste Forelle an der Angel und sichtlich stolz: der 26-jährige Marko Veljkovic aus Luzern.
Die erste Forelle an der Angel und sichtlich stolz: der 26-jährige Marko Veljkovic aus Luzern.

(Bild: ida)

Just ein paar Meter nebenan zuckt eine Angelroute wie unter Strom: Eine Forelle hat angebissen. Der Fischer lässt zuerst Leine und zieht die Forelle daraufhin an Land: ein Prachtsexemplar. Kurz und – hoffentlich effektiv – wird der Fisch an die Mauer geklopft, Pio Rossit eilt zu Hilfe, zieht einen Klöppel aus der Jackentasche und setzt dem Zucken des Fisches ein Ende.

Darf jeder fischen?

Um in einem Fliessgewässer fischen zu können, brauche es ein Patent, so Armin Meyer, Fischerei-Verwalter der Korporation Luzern. Zusätzlich benötigt man in der Schweiz zum Fischen für Laufzeiten von über einen Monat den schweizerischen Sachkundenachweis.

Fischer müssen sich stets an die Schonzeiten der Fische halten. Zudem müssen gefangene Forellen in der Luzerner Reuss mindestens 27 Zentimeter lang sein. Diejenigen vom Vierwaldstättersee müssen eine Länge von mindestens 35 Zentimeter aufweisen. Maximal dürfen in der Fischenze der Korporation von einem Angler fünf Forellen pro Tag an Land gezogen werden.

Der 58-jährige Pio Rossit aus Kriens und der 53-jährige Patrick Burri aus Rain fischen beide seit rund 40 Jahren – müde werden die beiden anscheinend nicht. «Das Fischen ist ein Kindheitstraum von mir», erklärt Burri. Auch heute verbringe er seine Zeit gerne mit dem Fischen, als persönlicher Ausgleich. Pio Rossit freut sich, wenn mittags alle Fischer Unterschlupf unter der Spreuerbrücke fänden und bei einer warmen Tasse Suppe die Hände aufwärmen können.

«Beruhigend ist es nicht wirklich»

Der Luzerner Matti Rast nahm die vergangenen Jahre extra frei, um bei der Forelleneröffnung sein Anglerglück zu wagen. Bis anhin war er allerdings noch nicht erfolgreich: «Die Forellen sind noch nicht so beissfreudig», meint der 23-Jährige mit einem Schulterzucken. Er hält seine Angelroute bewusst an die Stelle der Reuss, wo es besonders stark strömt: «Die Fische wollen zurück in den See, deshalb halten sich hier besonders viele auf.»

Was fasziniert ihn denn so an der Fischerei – insbesondere, wenn die Forellen nicht anbeissen wollen? «Beruhigend ist es nicht wirklich», meint Rast mit einem Lächeln. Doch er fische seit fast zwölf Jahren – es sei eine Leidenschaft. Das könne er nur schwer in Worte fassen. Na dann: «Petri Heil!»

Wenn die Fische nicht anbeissen, sei es nicht ganz so eine beruhigende Beschäftigung, gibt Matti Rast zu.
Wenn die Fische nicht anbeissen, sei es nicht ganz so eine beruhigende Beschäftigung, gibt Matti Rast zu.

(Bild: ida)

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