Peti Federer: «Es wird eine Luzerner Fasnacht geben»
  • Regionales Leben
Ein Fötzeliregen vor 10'000 Zuschauern ist 2021 eher unwahrscheinlich. (Bild: Emanuel Ammon/AURA)

Drei rüüdige Szenarien Peti Federer: «Es wird eine Luzerner Fasnacht geben»

3 min Lesezeit 3 Kommentare 30.07.2020, 17:00 Uhr

Grossveranstaltungen könnten möglicherweise bis im März 2021 verboten werden. Mit einer Fasnacht wie bisher rechnet man beim Luzerner Fasnachtskomitee nicht mehr so richtig. Die Plakette wird aber so oder so in Auftrag gegeben.

Noch ist unklar, wie streng das Verbot sein wird: Vollständiges Verbot, eine Bewilligungspflicht oder die Aufhebung aller Massnahmen per Ende August. Wie der «Tages-Anzeiger» heute berichtet, will der Bundesrat bis am 12. August entscheiden, was gilt.

Der Luzerner Gesundheitsdirektor Guido Graf sagt auf Anfrage, dass er grundsätzlich eine Lösung bevorzugen würde, die den Kantonen die Kompetenz gibt, Anlässe über 1000 Personen unter Auflagen zu bewilligen.

Dennoch: Für Grossanlässe wie die Luzerner Fasnacht wird die Planungsunsicherheit langsam akut. Ein Fötzeliregen mit 10’000 eng aneinandergepferchten Zuschauern wird immer unwahrscheinlicher. Wie gehen die Luzerner Fasnächtler damit um?

Das wollten wir von Peti Federer wissen. Mit dem Luzerner Fasnachtskomitee organisiert er etwa den Fasnachtsmarkt unter der Egg oder die letztes Jahr ins Leben gerufene Värsli-Brönzlete. Diese könnte im Jahr 2021 unverhofft Schule machen.

zentralplus: Peti Federer, Stand heute: Rechnen Sie damit, dass die Luzerner Fasnacht 2021 stattfindet?

Peti Federer: Ich rechne damit, dass es eine Luzerner Fasnacht gibt. Ob es die Fasnacht ist, die wir bisher kannten, weiss ich nicht.

Die drei Köpfe der «Värsli-Brönzlete»: Herbert Gut, Peti Federer und Kurt Sidler (von links nach rechts) im Restaurant «Lapin».

zentralplus: Fiebern Sie einem Entscheid des Bundesrates entgegen?

Federer: Die neuesten Entwicklungen und Spekulationen hauen uns nicht um. Die Plakette haben wir bereits in Auftrag gegeben. Das Commitment ist klar: Die Fasnacht findet statt. In welcher Form auch immer.

zentralplus: Unternehmer und Veranstalter arbeiten inzwischen mit verschiedenen Szenarien. Gibt es das auch für die Luzerner Fasnacht?

Federer: Wir rechnen mit drei Szenarien. Erstens: Die Fasnacht findet wie bisher statt. Zweitens: Uns wird irgendwann im Herbst der Stecker gezogen. Drittens: Die vollständig organisierte Fasnacht wird kurzfristig abgesagt.

Wenn wir unseren Grind nicht brauchen können oder dürfen, verwenden wir ihn halt im Jahr darauf.

zentralplus: In welchem Szenario befinden wir uns gerade?

Federer: Das erste Szenario halte ich leider für nicht sehr wahrscheinlich. Wir befinden uns eher in Szenario 2: Es ist immer noch möglich, dass uns bis im Spätherbst eine Hiobsbotschaft erreicht. Für diesen Fall sind kreative Lösungen gefragt.

zentralplus: Zum Beispiel?

Federer: Das sind bisher nur Ideen: Die Fasnacht könnte sich in die Beizen verschieben, wo Social Distancing möglich ist, und die Eintritte kontrolliert werden können. Vielleicht hatten wir da ja mit der Wiederbelebung der Värsli-Brönzlete eine Vorahnung. Weitere Möglichkeiten müssten wir auch mit den Vereinigten, den Kulturfasnächtlern und der Stadt diskutieren.

zentralplus: Wie sieht es mit der Gassenfasnacht in der Altstadt und auf der Rathaustreppe aus?

Federer: Dort ist die Einhaltung der Abstandsregeln schwierig. Vielleicht sind unter der Egg oder anderen Plätzen Zutrittskontrollen möglich. An eine uneingeschränkte Strassenfasnacht glaube ich aber nicht. Es zeigt sich auch bei den Clubs, dass die Selbstdisziplin nicht gross genug ist.

zentralplus: Auch für die Guggenmusigen dürfte das ein enttäuschender Gedanke sein. Sie spielen selbst bei den Chottlebotzern. Wie ist die Stimmung dort?

Federer: Da müssen wir neue Auftrittsmöglichkeiten in Betracht ziehen. Grundsätzlich geben wir aber alle Vollgas. Wir wollen keine halbbatzige Fasnacht. Die Prototypen für den Grind und die Kleider sind bereits in Bearbeitung.

zentralplus: Und wenn dann das Horrorszenario 3 doch noch eintritt?

Federer: Wenn wir unseren Grind nicht brauchen können oder dürfen, verwenden wir ihn halt im Jahr darauf.

zentralplus: Was ist Ihre Botschaft an alle Fasnächtler in dieser Zeit?

Federer: Wenn wir eine Fasnacht wollen, dann muss jetzt jeder die Empfehlungen einhalten. Wir können nur an die Vernunft appellieren: Wir müssen noch mehr Sorge tragen.

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3 Kommentare
  1. CScherrer, 31.07.2020, 08:19 Uhr

    Sollte es tatsächlich so sein, dass die Fasnacht stattfindet, dann wäre dies einer der grössten Witze überhaupt., Nur schon die „Grinden“ sind eine Brutstätte für Viren und Ähnlichem! Dazu die diversen Blasinstrumente und deren Blaswasser, dass ja ungehemmt herumspritzt und abgelassen wird. Nicht nur Draussen, auch Drinnen in der Beiz. Dann die Kinder, welche Konfetti vom Boden auflesen, um es dem vorbeiziehenden Guugger anzuwerfen. Der kriegt die Ladung unter den „Grind“ Mitten ins Gesicht. Es gibt nur zwei Szenarien: Entweder es gibt eine Fasnacht oder es gibt keine Fasnacht.
    Aber wie bei Allem: Es wird wohl wieder ein paar Ignoranten und Egoisten geben, die es trotzdem nicht unterlassen können.

    1. Yves, 31.07.2020, 09:37 Uhr

      Ohhhh da liebt aber jemand die Fasnacht! 😉

      Die Hoffnung stirbt zuletzt!!!!

      Liebe Grüsse von einem Fasnächtler

    2. de hampi von chappelplatz, 31.07.2020, 10:37 Uhr

      ich habe nichts gegen fasnacht. ich finde es aufgrund der aktuellen lage und im sinne der soidarität gegenpber risikogruppen richtig, wenn die fasnacht pausieren würde.

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