Peng, Urknall, Traaaraaaaa – die Luzerner Fasnacht hat begonnen
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Vorboten von Ostern? Hasen an der Luzerner Fasnacht.

15'000 Leute zum Auftakt am Schmutzigen Donnerstag Peng, Urknall, Traaaraaaaa – die Luzerner Fasnacht hat begonnen

3 min Lesezeit 08.02.2018, 08:45 Uhr

Die Stadt Luzern gehört für eine Woche den Wilden und Verrückten. Mit dem Urknall hat am Schmutzigen Donnerstag die Luzerner Fasnacht begonnen. Rund 15’000 Frühaufsteher haben das Spektakel am See und am Kapellplatz mitverfolgt – und sowohl Schneeregen als auch Gedränge getrotzt.

Die Dunkelheit liegt noch über der Stadt, doch bereits um 4.30 Uhr ist zu spüren, dass unter der Oberfläche etwas rumort. Ja, die Fasnacht, sie lässt die Stadt ganz unmerklich kurz vor dem Urknall bereits leicht erzittern. Als ob sie es kaum mehr erwarten könnte. 

So geht es bestimmt auch den Dutzenden Fasnächtlern, die bereits in dieser Herrgottsfrühe mit einem der Extrazüge am Luzerner Bahnhof ankommen. Vom Entlebuch, dem Hinterland oder dem Seetal: Von überall strömen Verkleidete von den Perrons Richtung Stadt.

Manche kommen seit Jahren, nur jeweils in einem neuen Kostüm, andere sind zum ersten Mal an der Tagwache dabei und entsprechend aufgeregt. Ein Organismus aus bunten Perücken, wilden Stoffen und winterfesten Schuhen. Denn der Petrus meint’s zwar recht gut mit der Fasnacht – vom leichten Schneeregen lässt sich kaum einer beirren –, doch mit 0 Grad ist es doch einigermassen frostig.

Piraten kapern die Seebrücke

Dem Gedränge entweichen, so lautet erst mal die Devise. Denn im Bahnhof ist die Gefahr gross, von Piraten überrannt oder mit Holdrio überschüttet zu werden. Also ab auf die Seebrücke Richtung Schwanenplatz – die klassische Route zum Fasnachtsstart, die man sogar schlafwandelnd bewältigen kann. Tatsächlich wirkt so mancher noch nicht ganz wach. Von Vorteil, wer dies mit Maske oder Schminke vertuschen kann.

Der Urknall und die Ankunft der Fritschifamilie:

 

Rund um den See versammeln sich die Schaulustigen wie sonst nur die schwanenfütternden Touristen. Am Geländer auf der Seebrücke ist es unmöglich, einen Platz zu ergattern. Mit Glück erblickt man zwischen den Reihen den Nauen mit der Fritschifamilie an Bord. Wild blinkend düst er über den See. «4.59 Uhr!», ruft ein «Grend» und zählt den Countdown. Es wird ruhiger rund um den Schwanenplatz. Umso greller wirkt – peng – der Urknall. Über dem See zischt das Feuerwerk gen Himmel. Das Zeichen: Die fünfte Jahreszeit hat begonnen.

Die ersten Guuggenmusigen setzen zum Spiel an, die ersten Juchzer erklingen, die Fasnachtsgewaltigen besteigen den Steg und bahnen sich ihren Weg durch die Masse zum Fritschibrunnen. Der Schmutzige Donnerstag gehört jeweils der Zunft zu Safran. Rund 15’000 Menschen verfolgen das Spektakel, wie die Polizei gegenüber der Schweizerischen Depeschenagentur sagte. Das sind etwas weniger als im Vorjahr, als die milden Temperaturen für einen Grossaufmarsch sorgten (zentralplus berichtete).

Bühne frei für ein Selfie.

Bühne frei für ein Selfie.

(Bild: jal)

Kurz drauf geht auf dem Kapellplatz der Fötzeliräge über den Fasnächtlern nieder. Kiloweise zerschnittene Telefonbücher – über fünf Millionen Fötzeli – wirbeln durch die Luft, während sich am Boden die Menschen jeden Zentimeter Platz erkämpfen. Ein Gedränge und Kampf der Ellbogen, das manch einem zu viel ist.

Ein Teppich aus Konfetti und guter Laune

Doch das ist nichts Neues. Wer die Fasnacht mag, dem kann auch der Dichtestress wenig anhaben. Bereits zum zweiten Mal sorgt das überarbeitete Sicherheitskonzept für Ordnung in der Woche der Anarchie (zentralplus berichtete). Über den Rathaussteg gilt Einbahn, streng bewacht von einer Truppe Polizisten – ob es wohl echte sind?

Über der Stadt liegt ein Teppich aus Konfetti, Guuggenklängen und guter Laune. Die Giraffen, Minions und schottischen Freiheitskämpfer entern die Gassen der Altstadt. Hie und da gönnt man sich bereits ein Gipfeli oder einen Hot Dog zum Frühstück. Friedlich und euphorisch begrüssen die Luzerner ihre Fasnacht.

Während sich die ersten Berufstätigen ihren Weg zur Arbeit durch die Menge bahnen, wird ausgelassen gefeiert. Das anfängliche Zittern ist zu einem Beben angewachsen – das Luzern eine Woche in Bewegung halten wird.

Hinweis: Mehr zur Fasnacht lesen Sie in unserem Dossier und mehr Eindrücke von der Tagwache finden Sie in der Bildergalerie:

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