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Partner angezündet: Spanier muss vier Jahre in Haft
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Ein Luzerner wurde 2015 mit Leichtbenzin bespritzt und stand kurz darauf in Flammen. (Symbolbild: Emanuel Ammon/AURA)

Urteil des Kriminalgerichts Luzern Partner angezündet: Spanier muss vier Jahre in Haft

3 min Lesezeit 22.08.2019, 16:38 Uhr

Das Kriminalgericht Luzern verurteilt einen 49-jährigen Spanier zu vier Jahren Haft. Der Mann hatte nach einem Streit vor knapp vier Jahren seinen eingetragenen Partner mit Leichtbenzin bespritzt und angezündet.

Diese Nacht im Dezember 2015 wird der Luzerner wohl sein ganzes Leben mit sich tragen, nicht nur in Form der Narben an seinen Händen. Der Rentner stand nach einem Streit mit seinem eingetragenen Partner plötzlich in Flammen. Er beschuldigt den Spanier, ihn absichtlich mit Leichtbenzin übergossen und angezündet zu haben.

Das Luzerner Kriminalgericht stuft dies als glaubhaft ein. Es verurteilt den 49-Jährigen wegen versuchter eventualvorsätzlicher Tötung zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren, wie es an der mündlichen Urteilseröffnung am Donnerstagnachmittag bekannt gab.

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Schwere Verbrennungen

An der Gerichtsverhandlung Mitte August bestritt der Spanier die Tat. Er habe seinen Partner nicht absichtlich bespritzt, sondern die Flasche sei ihm aus der Hand gerutscht. Wie es dazu kam, dass der Luzerner kurz darauf in Flammen stand, konnte er nicht erklären, das habe er nicht mitbekommen (zentralplus berichtete).

Das Opfer erlitt durch die Tat schwere Verbrennungen an Händen, Brust und Kopf – an 19 Prozent seiner Körperoberfläche. Der Mann lag mehrere Tage im Koma und musste künstlich beatmet werden. Gemäss Gericht schwebte er in Lebensgefahr.

Inzwischen haben die beiden Männer ihre 2011 eingetragene Partnerschaft aufgelöst. Vor Gericht wurde ihre Beziehung als kontrolliert beschrieben. Der Rentner hat laut Privatklägerschaft den Lebensunterhalt seines aus Kuba stammenden Partners finanziert, der keiner bezahlten Arbeit nachging, sondern sich um Haushalt und Garten kümmerte.

Das Kriminalgericht blieb mit seinem Entscheid nur leicht unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die eine Strafe von 4,5 Jahren gefordert hatte. Zudem verpflichtet es den Spanier, seinem Ex-Partner eine Genugtuung von 35’000 Franken zu bezahlen. Weiter muss er die Kosten des Verfahrens sowie des Anwalts des Privatklägers tragen. Darüber hinaus könnten Schadenersatzforderungen der Krankenkasse auf ihn zukommen.

Spurenbild deutet auf Absicht

Der Verteidiger seinerseits hatte an der Verhandlung einen Freispruch gefordert, da es an Beweisen fehle und bis heute ungeklärt sei, was in jener Nacht tatsächlich geschah. Er behauptete gar, es könnte sich auch um einen Suizidversuch des Opfers gehandelt haben.

Gemäss dem Kriminalgericht gibt es jedoch keine plausiblen Gründe für diese Theorie. Die Situation sei so spontan entstanden, dass das Opfer einen Selbstmord nicht hätte planen können. Zudem hätte er dann kaum die Nachbarin angerufen, um ihn zu retten. Auch einen Unfall hält das Gericht für unwahrscheinlich, weil ein naheliegender Auslöser des Feuers fehle. Die Kerzen im Raum zum Beispiel seien zu weit weg gestanden.

Damit bleibt als wahrscheinlichstes Szenario die absichtlich begangene Tat. Das Spurenbild zeige, dass auf dem Holztisch eine grössere Menge an brennbarer Flüssigkeit ausgetreten sei – nicht aber auf dem Fussboden, den Stühlen oder der Polstergruppe. Laut einem Gutachten brannte das Opfer zudem vor allem von der Brust aufwärts und an den Händen. Dieses «Verteilmuster» spricht laut Gericht gegen die These, dass das Feuer nur durch leichte Spritzer verursacht worden sei.

Widersprüchliche Aussagen

Der Verurteilte hat sich laut Gericht zudem in Widersprüche verstrickt und mehrere Versionen des Geschehenen präsentiert. Demgegenüber seien die Aussagen des Opfers im Kern gleichbleibend und mit dem Spurenbild vereinbar. Strafmildernd wirkt sich jedoch aus, dass der Verurteilte nach der Tat seinen Partner – mit blossen Händen – löschte. Weiter reduziert sich die Strafe aufgrund der langen Verfahrensdauer.

Das Kriminalgericht führt die Tat auf die «Anspannung und Frustration» des Spaniers zurück. Er habe ein gewisses taktisches Vorgehen an den Tag gelegt, das für seinen Ex-Partner besonders qualvoll und schmerzhaft sei. «Die Folgen werden ihn noch lebenslang begleiten», hielt das Gericht am Donnerstag fest. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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