Parkplatzmangel und drohende Gebühren: Diskriminiert Luzern Töfffahrer?
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Könnte künftig kostenpflichtig werden: Ein Parkplatz für Motorräder in der Luzerner Innenstadt. (Bild: ios)

Dringlicher Vorstoss eingereicht Parkplatzmangel und drohende Gebühren: Diskriminiert Luzern Töfffahrer?

3 min Lesezeit 11 Kommentare 24.09.2020, 05:00 Uhr

Luzern soll ein Herz für Motorräder zeigen. Das fordert die Stadtluzerner CVP in einem dringlich eingereichten Vorstoss. Auf das Erheben von Parkplatzgebühren soll möglichst verzichtet werden – vielmehr soll es mehr Parkplätze für Töffs und Roller geben.

«Diskriminierung» ist ein reichlich aufgeladener Begriff. CVP-Grossstadtrat Andreas Felder benutzt ihn in Zusammenhang mit Parkplätzen für Motorräder. Konkret befürchtet er, dass Motorradfahrer beim Thema der Parkplatzbewirtschaftung künftig benachteiligt werden könnten.

Hintergrund ist die Tatsache, dass es Städten und Gemeinden ab 2021 erlaubt ist, für motorisierte Zweiräder Parkgebühren zu erheben. Dies, weil der Bundesrat den Geltungsbereich des Signals «Parkieren gegen Gebühr» auf alle Fahrzeuge ausgedehnt hat (zentralplus berichtete). Felder sieht den Handlungsbedarf jedoch eher bei der Infrastruktur als bei den Gebühren.

200 Parkplätze für 480 Motorräder

In einem klassischen «wehret-den-Anfängen-Postulat» mit dem Titel «Keine Diskriminierung von Motorrädern» fordert Felder den Stadtrat auf, die Vorzüge der Motorräder nicht zu ignorieren. So verweist Felder etwa auf den Fachbericht «Grundkonzept Parkierung», den die Stadt 2017 veröffentlichte.

Darin wird dem Motorrad etwa attestiert, ein «relativ flächeneffizientes Verkehrsmittel» zu sein. Entsprechend nehme dessen Bedeutung im städtischen Gebiet zu. Dies gelte insbesondere für solche mit Elektroantrieb.

«Der Mangel an Parkplätzen für Motorräder brannte mir schon länger unter den Nägeln.»

Andreas Felder, Grossstadtrat CVP

Im selben Bericht wurde auch festgestellt, dass sich Nachfrage und Angebot in Sachen Motoparkplätze überhaupt nicht decken. An rund 70 Standorten in der Innenstadt bestehen gegen 200 Motorradabstellplätze. Bei einer Erhebung wurden im selben Gebiet aber rund 480 abgestellte Motorräder gezählt.

«Der Mangel an Parkplätzen für Motorräder brannte mir schon länger unter den Nägeln. Die Möglichkeit, Gebühren zu erheben, war für mich der Anstoss, aktiv zu werden», sagt Andreas Felder auf Anfrage. Mit Blick auf möglicherweise anfallende Gebühren schreibt er in seinem Postulat: «Während es in der Innenstadt für Motorräder bereits seit mehreren Jahren zu wenig Parkplätze hat, sind diese in dezentralen Gebieten in genügendem Ausmass vorhanden.» Für Felder ist deshalb klar, dass eine Gebühr sich lediglich in stark benutztem Gebiet und bei besonders komfortablen Parkplätzen rechtfertigen lasse.

Keine Gebühren für Elektro-Motorräder

Konkret stell Felder deshalb drei Forderungen an den Stadtrat:

  • Das Parkplatzangebot für Motorräder in der Innenstadt ist auszubauen.
  • Die Gebühr für Motorräder ist auf stark ausgelastete und besonders komfortable Parkplätze in der Innenstadt zu beschränken.
  • Elektrisch betriebene Motorräder sind von der Gebührenpflicht zu befreien.

Gerade beim letzten Punkt vermisst Felder eine Gleichbehandlung mit anderen Verkehrsmitteln: «Tatsache ist, dass die Umrüstung der Motorräder auf Elektroantrieb in schnellen Schritten voranschreitet», sagt Felder. «Sie werden immer umweltfreundlicher und sollten als flächeneffizientes Verkehrsmittel entsprechend auch gefördert werden.»

Parkplatzkonzept soll demnächst erscheinen

Felder stellt seine Forderungen nicht ins Blaue hinein, sondern im Wissen, dass der Stadtrat derzeit ein Konzept zur Motoparkierung ausarbeitet. In diesem könnten auch mögliche Gebühren für Motorräder in Betracht gezogen werden, bestätigte Umwelt- und Mobilitätsdirektor Adrian Borgula (zentralplus berichtete).

Das entsprechende Konzept könnte dem Grossen Stadtrat noch im Herbst 2020 vorgelegt werden, wie der Bereichsleiter Mobilität gegenüber der «Luzerner Zeitung» bestätigte. Wann genau dies der Fall sein wird, steht noch nicht fest. Felders Postulat hingegen kommt, im Rahmen der nächsten Sitzung des Grossen Stadtrates, bereits an diesem Donnerstag aufs Tapet.

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11 Kommentare
  1. Alfred Freitag, 24.09.2020, 17:22 Uhr

    Die CVP wird mir immer sympathischer.

  2. CScherrer, 24.09.2020, 14:11 Uhr

    Alte Männer kaufen sich eine Harley, lassen sich tätowieren und donnern durch die Innenstädte. In Brunnen an der Promenade schlürfen sie das Café Crème und brettern an den Gaffern vorbei. Diese Möchtegerne-Sons-of-Anarchy-Poser braucht es in den Innenstädten nicht. Reicht es nach Leasing und Kosten für das Café Crème nicht mehr für Parkgebühren? Einfache Befindlichkeiten, nenn ich das.

    1. MvR, 24.09.2020, 19:11 Uhr

      Zuerst genau lesen und dann kommentieren. Hauptpunkt ist das es nicht genügend Parkplätze hat für Motorräder. Der Gebühren-Erlass in der Innenstadt soll ja nur für E-Motorräder gelten. Also nix mit gratis parkieren für Harley-Fahrer.

  3. Elias, 24.09.2020, 08:18 Uhr

    Mehr Parkplätze für S-Pedelecs und Elektromotorräder gerne. Dank dieser Fahrzeuge sind heute auch Personen die an Hanglagen oder weiter ausserhalb der Stadt wohnen nicht mehr auf benzinbetriebene Töffs angewiesen.

    Wieso genau man benzinbetriebenen Töffs die einen genauso grossen Verbrauch wie Autos haben und dazu viel lauter sind und oft stinken Privilegien gewähren will ist mir schleierhaft.

    Keine Ahnung wo Herr Felder wohnt oder wie er sich auf der Strasse bewegt. Wohl nicht nahe einer vielbefahrenen Strasse in der Innenstadt. Sonst wüsste er, dass die Lärmbelastung durch Motorradfahrer die Autoposer bei weitem in den Schatten stellt. Und wahrscheinlich ist er auch noch nie mit dem Fahrrad hinter einem Töffli auf hinterhergefahren. Die Dinger stinken, das ist nicht zu glauben. Dasselbe gilt für gewisse Roller und die besonders schön lauten und stinkenden Oldtimer.

    Dieses übergriffige Verhalten von Fahrern dieser Geräte jetzt auch noch belohnen zu wollen finde ich speziell. Sinvoller fände ich es diese Geräte möglichst aus der Stadt zu halten und die Nutzung von emissionsarmen Fahrzeugen zu fördern. Ob motorisiert oder nicht.

    1. Manjaro, 24.09.2020, 08:52 Uhr

      Wenn Sie sich in der Innenstadt durch Lärm belästigt fühlen, sollten sie ev. auf besser aufs Land ziehen. Sie wissen woher der Strom für die Elektrofahrzeuge kommt?

    2. eron, 24.09.2020, 09:13 Uhr

      @Manjaro
      Wieso? Weil es Personen aus der Agglo oder von weiter her für nötig halten mit krachenden Fahrzeug durch die Stadt zu donnern?

      Der Strom? Kommt in der Schweiz zu über der Hälfte aus der Wasserkraft und könnte theoretisch komplett erneuerbar produziert werden. Nur weil man in der Stadt wohnt heisst das nicht, dass man es toll findet wenn ein paar Egoisten unnötigerweise Lärm und Dreck verursachen.

      In der Stadt darf es gerne Mal lauter werden. An der Fasnacht, am 1. August, während des Luzernerfests, bei öffentlichen Konzerten, Kulturveranstaltungen oder privaten Parties. Da haben viele etwas davon. Der Lärm lässt sich nicht vermeiden.

      Bei Fahrzeugen ist das anders. Autos und Töffs müssen nicht laut sein. Sie müssen nicht stinken. Und müssen je nach dem auch keine Treibhausgase verursachen. Diejenigen die das mit ihren Fahrzeugen trotzdem tun handeln assozial und übergriffig. Dafür muss man kein Verständnis haben, auch nicht in der Stadt.

    3. Manjaro, 24.09.2020, 10:59 Uhr

      Mh, ich fahre auch als Standrandbewohner mit dem Auto in die Stadt, nur so am Rande.

      Genau, der Strom kommt aus der Steckdose 😉 und ist in jedem Fall nachhaltig. Das wissen wir doch.

      Ich bin durchaus allen modernen und vernünftigen Lösungen gegenüber aufgeschlossen. Wenn sie aber den „lauten“ Individualverkehr verbannen, leben sie bald in einem Armenhaus.

    4. eron, 24.09.2020, 11:35 Uhr

      Haha ja, die Töfflibuben, Motorrad- und Autoposer sind mit ihrem Benzinverbrauch und ihrer Kaufkraft natürlich ein gewichtiger Wirtschaftsfaktor für die Stadt. Mir zittern schon die Knie vor der drohenden Steuererhöhung.

      Und wenn Sie Ihr Geld lieber den Mullahs hinterherwerfen als den lokal produzierten Strom zu konsumieren (ich wiederehole mich: In der Mehrheit erneuerbar und diesmal sogar wirklich ein gewichtiger Wirtschaftsfaktor), dann ist das natürlich schade aber ihr gutes Recht.

      Jede(r) muss Mal mit dem Auto in die Stadt. Das passt schon.

    5. Manjaro, 24.09.2020, 12:54 Uhr

      Gut, an denen habe ich auch kein Interesse. Die Steuererhöhung kommt mittelfristig sowieso.
      Es gibt durchaus auch einfach normale Leute die auf das Auto angewiesen sind, aber die Blender wollen das des Öfteren nicht sehen.

      Aber man hört es bei Ihrem Schreiben heraus 😉 Bitzeli profitieren, wahrscheinlich nichts bis wenig dazu beitragen.

    6. MvR, 24.09.2020, 19:22 Uhr

      Alle 1 spurigen Verkehrsmittel (z.B. Fahhräder, Roller, Motorräder) benötigen weniger Verkehrsfläche als 2 spurige (z.B. PKW), helfen also die Verkehrsbelastung zu senken, damit die Staus zu reduzieren und das wiederum reduziert auch den Gesamt-Schadstoffausstoss. Ihre „extremistische“ Ansicht wer überhaupt noch Zutritt zur Stadt haben sollte ist ein zweischneidiges Schwert. Verbietet doch gleich allen nicht Elektro Verkehr in der Stadt. Dann könnt ihr eurer Kultur und Tourismus Stadt dann bald Tschüss sagen. Aber vielleicht ist ja das euer Ziel.

    7. eron, 24.09.2020, 21:06 Uhr

      @MvR
      Haha das glauben Sie ja selbst nicht. Roller und andere Motorräder fahren weder auf dem Velostreifen noch nebeneinander. Folglich nehmen die auf der Strasse genau so viel Platz ein wie Autos. Was für ein absurdes Argument.

      Es will ja auch niemand den Individualverkehr abschaffen. Es geht einfach darum den sinnvoll zu steuern und emissionsarmer zu gestalten. Der Platz in der Stadt ist nunmal begrenzt. Und die ganzen lächerlichen Poser die meinen mit Krach irgendwem zu imponieren mag hier halt wirklich einfach niemand.

      Lustig sind übrigens jeweils die Drohungen mit dem wirtschaftlichen Ruin und Verkehrschaos etc. Die Stadt schliesst trotz Verkehrsberuhigungen jedes Jahr mit Überschüssen ab. Und Jetzt verlagert MSD seine Arbeitsplätze von Kriens in die Stadt. So wird es weitergehen. Die klugen und innovativen Leute wollen einen angenehmen Lebensraum und keine Verkehrshölle.

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