Parkhaus im Berg: Luzern debattiert, Thun baut
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So wird die Ein-/Ausfahrt zum neuen Parkhaus im Schlossberg in Thun aussehen. Im Hintergrund zu sehen ist das unterhöhlte Schloss. (Bild: zVg)

Luzerner Politiker auf Baustellenbesuch Parkhaus im Berg: Luzern debattiert, Thun baut

7 min Lesezeit 24.08.2016, 05:06 Uhr

Wie haben die das geschafft? 2018 wird in Thun im Bereich der Altstadt ein unterirdisches Parkhaus unter einem denkmalgeschützten Bau eröffnet. Als Kompensation müssen 260 Parkplätze aufgehoben werden. Etwas Ähnliches plant man in Luzern mit dem Parkhaus Musegg. Doch hier ist der Widerstand sehr viel grösser. zentralplus kennt die Gründe.

Im Fussball hat derzeit der FC Luzern gegenüber dem FC Thun die Nase vorne. 3:0 siegte der FCL letzten Sonntag: Platz zwei für die Innerschweizer, Platz acht für die Berner Oberländer. Doch in einer anderen Kategorie sind uns die Thuner deutlich voraus: Während in Luzern seit Jahrzehnten um ein Parkhaus im Musegghügel gestritten wird, sind die Thuner seit letztem Jahr am Bauen.

45 Millionen in Thun, 150 in Luzern

2018 soll das Parkhaus im Schlossberg eröffnet werden. Es wird schweizweit das erste seiner Art. Die in den Berg gegrabene unterirdische Anlage wird auf acht Halbgeschossen Platz für 300 Auto-Parkplätze bieten. Investorin und Bauherrin ist die Parkhaus Thun AG, welche diverse andere Parkhäuser in Thun betreibt und an der die Stadt mit 57 Prozent beteiligt ist. Die Stadt zahlt der AG an die Gesamtkosten von 45 Millionen Franken sechs Millionen. Zu diesem Kredit haben Ende 2012 knapp 53 Prozent der Thuner Ja gesagt.

So sieht der Querschnitt des Parkhauses Schlossberg in Thun aus. Als zusätzliches Angebot bringt ein Lift Besucher nach oben zum Schloss.

So sieht der Querschnitt des Parkhauses Schlossberg in Thun aus. Als zusätzliches Angebot bringt ein Lift Besucher nach oben zum Schloss.

(Bild: zVg)

Zum Vergleich: Das rein privat finanzierte Luzerner Projekt soll rund 150 Millionen kosten und 660 Autos sowie 36 Reisecars beherbergen.

So könnte der Eingang zum Parkhaus Musegg aussehen.

So könnte der Eingang zum Parkhaus Musegg im Bereich St. Karli aussehen. Diese ältere Visualisierung wird aktuell jedoch überarbeitet, weil die Zufahrt dezenter ausgestaltet werden muss.

(Bild: zVg)

Viele Parallelen

Zwischen den beiden Projekten gibt es spannende Parallelen. So müssen etwa in Thun, wie auch in Luzern gefordert, als Kompensation viele Oberflächenparkplätze (260) im Zentrum abgebaut werden. Zudem wird in Thun direkt unter dem altehrwürdigen Schloss gebuddelt – in Luzern würde die denkmalgeschützte Museggmauer untertunnelt. Weiter befinden sich beide Projekte im Bereich der historischen Altstadt. Aber während in Luzern noch geplant wird und die Zeichen eher auf Sturm stehen – Grüne, SP und teilweise auch GLP wollen vom Parkhaus gar nichts wissen –, konnten in Thun alle Hindernisse überwunden werden.

Ein Querschnitt durch das geplante unterirdische Parkhaus Musegg.

Ein Querschnitt durch das geplante unterirdische Parkhaus Musegg.

(Bild: zvg)

Baustellenbesuch von Luzerner Politikern

Die vielen Parallelen sowie die erfolgreiche Umsetzung des Berner Projekts hat auch bei den Luzerner Initianten von der Parkhaus Musegg AG Eindruck geschunden. Sie haben deshalb letzten Donnerstag eine Baustellenbesichtigung mit viel Luzerner Politprominenz in Thun organisiert. Mit dabei waren unter anderem die Stadträte Adrian Borgula (Direktor Verkehr, Umwelt und Sicherheit, Grüne) und Baudirektorin Manuela Jost (GLP). Eingeladen waren auch je zwei Vertreter der sechs Fraktionen im Stadtparlament. Bemüht haben sich allerdings nur ein FDP- und zwei CVP-Vertreter.

So sieht es im Inneren des Schlossbergs in Thun aus. Ab 2018 sollen hier Autos parkieren.

So sieht es im Inneren des Schlossbergs in Thun aus. Ab 2018 sollen hier Autos parkieren.

(Bild: zVg)

Manuela Jost sagt zum Abstecher an den Thunersee: «Adrian Borgula und ich sind Mitglied der strategischen Projektsteuerung Musegg Parking. Auch aus dieser Funktion heraus erachtete ich es als wichtig, der Einladung zu folgen und ein ähnliches Projekt wie das Thuner Parkhaus Schlossberg vor Ort kennenzulernen.» Namentlich der Austausch über den politischen Prozess mit Stadtpräsident Raphael Lanz (SVP) sowie die Baustellenbegehung seien sehr informativ und interessant gewesen.

Baustart mit Bohrmaschine für das Parkhaus Schlossberg in Thun.

Baustart mit Bohrmaschine für das Parkhaus Schlossberg in Thun.

(Bild: zVg)

Für Rückschlüsse auf das Luzerner Projekt sei es aber zu früh. Denn das Vorprojekt wird erst diesen September dem Stadtrat übergeben. Danach geht’s zur Vorprüfung an den Kanton. Erst in der anschliessenden Debatte wird sich der Stadtrat dazu äussern.

Sind die Thuner klüger?

André Marti ist Projektleiter des Luzerner Parkhaus-Projekts. Für ihn war die Reise ins Berner Oberland ein Erfolg. «Wir können viel von den Thunern lernen. Etwa, was das Vorgehen, das Politische oder das Technische betrifft.» Ob die eher kritisch eingestellten Stadträte Borgula und Jost nun ein positiveres Bild des Luzerner Projekts haben? Marti hält sich bedeckt: «Ziel war, dass sich jeder selber ein Bild machen konnte. Dafür war der Baustellenbesuch sicher nützlich.»

«Die Thuner haben schnell erkannt, dass das Projekt eine Chance für die Innenstadt ist.»

André Marti, Projektleiter Parkhaus Musegg

Eins zu eins sind die beiden Projekt freilich nicht zu vergleichen. Allein die Ausgangslage ist unterschiedlich. «In Luzern brauchen wir nicht zwingend ein neues Parkhaus. Wir könnten aber damit den Schwanenplatz carfrei machen und durch die Aufhebung von Parkplätzen die Innenstadt markant aufwerten», sagt Marti. Die Rede ist von 300 bis 600 Parkplätzen. In Thun jedoch hat Konsens darüber geherrscht, dass ein weiteres Parkhaus benötigt wird. «Und die Thuner haben schnell erkannt, dass das Projekt eine Chance für die Innenstadt ist», sagt Marti.

Diesen Gesamtnutzen für die Stadt habe man in Luzern noch nicht erfasst. Doch genau daran werde man arbeiten können, sobald das Vorprojekt präsentationsreif sei. Dann wolle man sämtliche Parteien, Interessenvertreter und die Bevölkerung informieren und in den weiteren Prozess miteinbeziehen.

Thuner Stapi brauchte die Wende

Wie man das optimal macht, weiss Raphael Lanz (SVP). Der Thuner Stadtpräsident war eine der führenden Kräfte, die dem Thuner Parkhaus-Projekt zum Durchbruch verholfen haben. Lanz kennt die Geschichte des Parkhauses Schlossberg bestens. «Die Planung dazu war eine fast unendliche Geschichte», wirft er, der auch Präsident der Parkhaus Thun AG ist, einen Blick zurück. Während Jahrzehnten habe man geplant, debattiert, verhandelt. 2001 sei eine erste Vorlage beim Volk klar durchgefallen.

So wird es ab 2018 im Inneren des Schlossberges aussehen: Rund 300 Autos sollen Platz finden.

So wird es ab 2018 im Inneren des Schlossberges aussehen: Rund 300 Autos sollen Platz finden.

(Bild: zVg)

Konsens über Notwendigkeit

Dann schrieb sich Lanz das Thema 2010, im erfolgreich verlaufenen Wahlkampf ums Thuner Stadtpräsidium, aufs Schild. «Wir haben von Anfang an das Gespräch mit allen politischen Parteien und Interessenvertretern gesucht.» Von Vorteil sei gewesen, dass Konsens über die Notwendigkeit des Parkhauses geherrscht habe. «Damit konnten wir den Parkring um die Thuner Innenstadt vervollständigen.» Nur über den genauen Standort habe Unklarheit geherrscht. Schliesslich aber habe man sich auf den Schlossberg einigen können.

Das neue Parkhaus im Schlossberg (Parkhaus Ost) wird als viertes Parkhaus den Ring um die Thuner Altstadt abschliessen. Auf diese Weise kann von allen Seiten her von einem Parkhaus aus die verkehrsbefreite Innenstadt erreicht werden.

Das neue Parkhaus im Schlossberg (Parkhaus Ost) wird als viertes Parkhaus den Ring um die Thuner Altstadt abschliessen. Auf diese Weise kann von allen Seiten her von einem Parkhaus aus die verkehrsbefreite Innenstadt erreicht werden.

(Bild: zVg)

Entscheidend für das Ja des Thuner Stimmvolks war laut Lanz, dass der Mehrwert für die breite Bevölkerung aufgezeigt werden konnte: «Nur einem Parkhaus hätten die Thuner kaum zugestimmt. Uns gelang es aber, die Vorteile für alle zu vermitteln.»

Ein Vorteil etwa ist laut Lanz, dass das beliebte Schloss dank der neuen Verbindungen durchs Parkhaus viel besser erreichbar sein wird. Zudem sei in der Bevölkerung gut angekommen, dass dank der Aufhebung von rund 260 Parkplätzen die Innenstadt deutlich aufgewertet werden kann. «Deswegen sind bei uns nicht nur der gesamte Stadtrat, sondern auch die linken Parteien hinter dem Projekt gestanden.»

Thuner Gewerbe stützt Parkplatzstreichung

Und wie konnten die Gewerbler vom Projekt überzeugt werden? In Luzern geht schon ab einem aufgehobenen Parkplatz ein Aufschrei los. Ohne direkte Parkplätze vor dem Haus, so der Tenor, könne man als Gewerbler nicht überleben (hier ein Beispiel). Diese Befürchtungen gebe es in Thun auch, sagt SVP-Lanz. Der Gewerbeverband stehe aber hinter dem Projekt. «Viele schauen das sehr ideologisch an, ich sehe das pragmatisch», so Lanz. Er weist darauf hin, dass die exakte Umsetzung in Thun erst noch ansteht. Dabei gilt: «Bevor das neue Parkhaus nicht in Betrieb ist, wird kein einziger Parkplatz umgenutzt.» Zudem sei klar, dass der Zugang für Behinderte, Anwohner und Lieferanten nach wie vor gewährleistet sein müsse.

Blau umrandet ist die Thuner Innenstadt. In diesem Bereich werden alle Parkplätze aufgehoben, plus diverse rundum (grün).

Blau umrandet ist die Thuner Innenstadt. In diesem Bereich werden alle Parkplätze aufgehoben, plus diverse rundum (grün).

(Bild: zVg)

Man wolle nun aufzeigen, dass der Mehrwert für die Gewerbler mindestens so gross sei wie die Nachteile. «Das Parkhaus verbessert etwa die Erreichbarkeit der Altstadt. Denn heute hat es entlang der Hauptgasse nur ein paar Parkplätze. Neu werden es über 300 sein.» Das sei gut fürs Gewerbe, aber auch für die Liegenschaftseigentümer. Die könnten dank des Parkhauses ihren Mietern endlich genügend Parkplätze anbieten. Profitieren würden die Läden in der Innenstadt auch, weil ihnen durch die Parkplatzstreichung mehr Raum zur Verfügung stünde. Dieser könne etwa von Restaurants in Beschlag genommen werden.

Gesucht: Flexible Lösung

Beim künftigen Verkehrsregime setze man auf eine flexible Lösung: «Es muss auch nach der Parkplatzaufhebung möglich sein, in einem Geschäft in der Innenstadt mit dem Auto ein TV-Gerät abzuholen. Allerdings nicht zwingend am Samstagnachmittag, wenn eh schon alles voll ist.» Freiburg im Breisgau etwa kenne ein solch ausdifferenziertes Regime. «Das müsste auch bei uns möglich sein», sagt Lanz.

Den Beweis müssen die Thuner jedoch erst noch erbringen, die Verhandlungen haben noch nicht begonnen. Speziell in Luzern wird man zweifellos sehr interessiert an den Thunersee blicken und schauen, wie die Lösung schlussendlich aussieht und wie sie in der Bevölkerung ankommt.

Sicht auf die Luzerner Altstadt samt Museggtürmen. Der rote Pfeil zeigt an, wo in etwa die Einfahrt ins unterirdische Parkhaus wäre.

Sicht auf die Luzerner Altstadt samt Museggtürmen. Der rote Pfeil zeigt an, wo in etwa die Einfahrt ins unterirdische Parkhaus wäre.

(Bild: zVg)

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