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Papierli-Schweizer? «Beschäftigt mich nicht»
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Der Surseer Haris Seferovic freut sich über einen Treffer für Eintracht Frankfurt. (Bild: Eintracht Frankfurt)

Hartes Brot für Seferovic in der Bundesliga Papierli-Schweizer? «Beschäftigt mich nicht»

7 min Lesezeit 25.02.2016, 10:01 Uhr

Der Surseer Top-Stürmer Haris Seferovic scheint bei Eintracht Frankfurt sein Glück gefunden zu haben. Obwohl: momentan läuft es überhaupt nicht. Das Team ist im Abstiegskampf, Seferovic wurde auf die Ersatzbank verbannt. Sein Interview mit zentralplus drehte sich aber auch um seine Sicht auf den FCL, seine Rolle in der Schweizer Nati und den Ausgang in Sursee.

Gleich vier Luzerner Fussballer spielen derzeit in der ersten Bundesliga: Fabian Lustenberger und Valentin Stocker bei Hertha BSC Berlin, Pirmin Schwegler bei der TSG 1899 Hoffenheim und Haris Seferovic bei Eintracht Frankfurt. In der Winterpause wollte zentral+ die Gelegenheit beim Schopf packen und mit dem Torjäger und Nationalmannschaftsstürmer Haris Seferovic über seine sportliche Situation, Heimatgefühle, Fanliebe und Ausländer in der Nati sprechen.

Doch ganz so einfach gestaltete sich das nicht. Die Frankfurter befanden sich zur Vorbereitung auf die Rückrunde im Trainingslager in Abu Dhabi. Und da es der Eintracht in der Hinrunde nicht wirklich gut gelaufen war, richtete der 24-jährige Seferovic seinen Fokus lieber auf das Training statt auf Medientermine. Als die Bundesliga dann den Spielbetrieb wieder aufnahm, geriet der Stürmer in eine ungemütliche Situation – er wurde von seinem Trainer richtiggehend abgewatscht:

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Die sportlich schwierige Situation bedeutete für Seferovic noch mehr Stress. Denn die Abmahnung durch den Trainer hat ihre Wirkung nicht verfehlt. Er verbrachte viel Zeit im Kraftraum, «um aus der Scheiss-Situation herauszukommen», wie er auf Facebook postete:

Guten Abend Leute, ich wollte mich bei euch allen bedanken für die ganzen Nachrichten und die Glückwünsche. Es ist viel …

Posted by Haris Seferovic on Montag, 22. Februar 2016

 

Es dauerte zwar, doch inzwischen hat der Nati-Star auch die Zeit gefunden, um die Fragen von zentral+ zu beantworten. Kurz und knapp das Ganze – und nur schriftlich, aber Fussballer-Interviews sind halt manchmal so. Über seine aktuelle «sportlich nicht ganz einfache Situation» wollte er allerdings nichts sagen.

zentral+: Haris Seferovic, die Rückrunde mit Eintracht Frankfurt läuft. Sind Sie in Form?

Haris Seferovic: Ja, ich bin in Form.

zentral+: In der Vorrunde haben Sie «nur» drei Tore geschossen. Wie gehen Sie mit dieser «Ladehemmung» um?

Seferovic: Man kann damit zufrieden sein, aber es könnte auch immer besser sein.

«Ich beschäftige mich derzeit nicht mit der 2. Bundesliga.»

zentral+: Die Eintracht liegt auf Platz 15, zwei Punkte vom Relegationsplatz entfernt. Wie kommt die Mannschaft da unten raus?

Seferovic: Ganz einfach: mit möglichst vielen Punkten.

zentral+: Was machen Sie im Falle eines Abstiegs? Könnten Sie sich die zweite Liga vorstellen und ist Ihr Vertrag in der zweiten überhaupt gültig?

Seferovic: Der Vertrag ist gültig, aber ich beschäftige mich derzeit nicht mit der 2. Liga.

zentral+: Wie gefällt es Ihnen in Frankfurt?

Seferovic: Ich fühle mich sehr wohl hier. Frankfurt ist inzwischen wie mein zweites Zuhause geworden.

Auf Facebook bedankt sich Seferovic immer wieder für die grossartige Unterstützung durch die Fans:

Was ein brooooooooooodales Spiel Leute󾔗, danke für den Abriss im Stadion! Dafür spielt man Fußball, das ist einfach nur …

Posted by Haris Seferovic on Sonntag, 13. September 2015


zentral+: Was bedeutet für Sie Heimat?

Seferovic: Heimat ist dort, wo meine Familie herkommt und wo ich geboren wurde.

zentral+: Sind Sie oft in Sursee und Luzern?

Seferovic: Ja, ich versuche es, wenn wir frei haben und wenn ich zur Nati eingeladen bin.

zentral+: «Haris Seferovic: Der Mann aus Sursee». Sind Sie stolz auf diese Bezeichnung oder nervt Sie das?

Seferovic: Es nervt mich nicht und ich bin eher stolz darauf.

«Ich werde erkannt und auch angesprochen. Aber das stört mich nicht.»

zentral+: Kennen Sie den Hintergrund?

Seferovic: Eigentlich nicht wirklich.

zentral+: SRF-Sportreporter Sascha Ruefer, der alle Nati-Spiele kommentiert, bezeichnet Sie immer wieder als «Mann aus Sursee». Wohl, weil Ruefer selbst in der Nachbargemeinde Schenkon wohnt. Der Spruch hat in der Region mittlerweile Kultstatus erreicht. Nächste Frage: Können Sie in Sursee überhaupt noch ruhig etwas essen oder trinken gehen, oder müssen Sie als Star ständig für Selfies posieren?

Seferovic: Ich werde erkannt und auch angesprochen. Aber das stört mich nicht.

zentral+: Sie wechselten früh zu GC. Warum sind Sie nicht beim FCL geblieben?

Seferovic: Weil ich mich bei GC weiterentwickeln wollte.

zentral+: Als Luzerner würde es auf der Hand liegen, ein spezielles Verhältnis zum FCL zu haben. Verfolgen Sie die Entwicklungen rund um den Verein?

Seferovic: So viel ich kann, verfolge ich das Geschehen. So weiss ich natürlich, dass Markus Babbel der aktuelle Trainer ist.

zentral+: Wie beurteilen Sie den FCL aus der Ferne? Gerade gibt’s ja wieder Knatsch: Sportchef Rolf Fringer wurde entlassen.

Seferovic: Ich kenne mich mit den internen Dingen natürlich nicht aus und kann deshalb auch nichts dazu sagen.

zentral+: Im Sommer steht die EM vor der Tür. Was ist für die Schweiz möglich?

Seferovic: Zuerst die Gruppenphase durchstehen und dann sehen wir weiter.

Auf Facebook freut sich Seferovic über die EM-Quali mit der Schweizer Nati:

Was geht Schweiz, freue mech noch minere Verletzig weder debi z si! Nachträglech gratuliere üs allne zor EM-Quali! Mer gseht sech in Frankrich🇨🇭❤️󾍘Grüße auch nach Frankfurt 󾀌🏙⚫️󾭣

Posted by Haris Seferovic on Dienstag, 10. November 2015

 

zentral+: Wie stehen Ihre Chancen auf einen Stammplatz in der Nati?

Seferovic: Bis jetzt sehr gut, aber am Ende entscheidet natürlich der Trainer, wer auf dem Platz steht.

zentral+: Bei drei Offensivkräften ist Shaqiri wohl gesetzt. Daneben kämpfen Sie mit Mehmedi, Embolo, Drmic und evtl. Stocker um zwei Plätze. Wie ist Ihr Verhältnis untereinander?

Seferovic: Wir verstehen uns alle gut.

«Jeder hat das Recht, für die Nation zu spielen, für die er will.»

zentral+: Zu reden gibt das Duell mit Albanien. Was dachten Sie, als die Begegnung bekannt wurde?

Seferovic: Für Spieler, die aus dem Kosovo kommen, wird es ein spezielles Spiel, aber wir wollen es natürlich gewinnen.

zentral+: Ihre Familie stammt aus Bosnien. Wie beurteilen Sie die Situation, dass viele Spieler mit albanischen Wurzeln in der Nati sind?

Seferovic: Jeder hat das Recht, für die Nation zu spielen, für die er will. Für mich gibt es dabei keine Probleme, wer wo seine Wurzeln hat.

zentral+: Was sagen Sie zum Konflikt von «wahren Eidgenossen» und «Papierli-Schweizern»?

Seferovic: Damit beschäftige ich mich nicht.

Vorbild? «Zlatan Ibrahimovic.»

zentral+: War es für Sie nie ein Thema, für Bosnien zu spielen?

Seferovic: Nein, das war nie Thema für mich, weil es nie eine Einladung gab.

zentral+: Wer ist Ihr Vorbild?

Seferovic: Zlatan Ibrahimovic.

zentral+: Es fällt auf, dass Sie viel auf Facebook posten. Und auch mit den Fans in direkten Kontakt treten. Warum machen Sie das?

Seferovic: Weil die Fans wichtig sind für den Fussball.

In den sozialen Medien schreibt Seferovic, was er denkt:

Hey Leute … LECK MICH AM ARSCH, was hatte ich heute für einen göttlichen Fuß 󾌺󾌴󾌺󾌴 aber Scheiß egal, wir haben gewonnen …

Posted by Haris Seferovic on Samstag, 19. Dezember 2015

 

zentral+: Wie gehen Sie mit Kritik um – auch anonym im Internet?

Seferovic: Kritik muss man akzeptieren, aber nur von denen, die auch etwas davon verstehen.

zentral+: Sie haben in Ihrer Karriere schon bei vielen Klubs gespielt. GC, Florenz, Sociedad, Frankfurt, dazu diverse Leihgeschäfte. Warum sind Sie nie lange bei einem Klub geblieben?

Seferovic: Ich wollte halt möglichst immer spielen und jetzt habe ich mein Glück gefunden.

zentral+: Gab es einen Punkt in Ihrer Karriere, wo Sie gezweifelt haben und den Bettel hinschmeissen wollten?

Seferovic: Nein, den hatte ich nie.

zentral+: Bei den Eintracht-Frankfurt-Fans existiert ein völliger Hype um Ihren Sturmpartner Alexander Meier. Seit elf Jahren spielt er in Frankfurt und wird von den Fans als Fussballgott verehrt. Wie ist Ihr Verhältnis zu ihm?

Seferovic: Wir verstehen uns prima!

So sieht das auf dem Twitterkanal von Eintracht Frankfurt aus, wenn Meier eine Sternstunde hat, wie beim 3:2-Sieg gegen Wolfsburg, als er alle drei Tore schoss. #AMFG14: Alex Meier, Fussballgott mit der Nummer 14.

zentral+: Es ist aber schon etwas Besonderes, wenn die Fans einen Spieler derart hervorheben. Wie gehen Sie damit um?

Seferovic: Ich gehe ganz normal damit um. Er spielt ja auch schon seit vielen Jahren in Frankfurt und hat sich seine Beliebtheit erarbeitet.

zentral+: Was sind Ihre sportlichen Ziele? Sie sagten einmal, England würde Sie reizen.

Seferovic: In der Champions League zu spielen oder in England, einer der besten Ligen der Welt, wäre auf alle Fälle reizvoll.

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