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Oym-Financier: «Training ist nur seriös, wenn es wissenschaftlich ist»
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Die Köpfe hinter dem Projekt OYM: Muskelphysiologe Marco Toigo, Financier Hans-Peter Strebel und Geschäftsführer Stefan Roth. (Bild: marcelloweiss.ch)

Spitzensportler nach Rezept Oym-Financier: «Training ist nur seriös, wenn es wissenschaftlich ist»

4 min Lesezeit 08.05.2017, 10:00 Uhr

Mit wissenschaftlicher Präzision formt es Sporttalente zu Spitzensportlern: das neue Sportzentrum «Oym» in Cham. Financier Hans-Peter Strebel finanziert das Monsterprojekt kurzerhand privat. Im Interview spricht er über Talent und wie weit man es fördern kann.

Ab Spätsommer 2017 beginnen die Bauarbeiten am mutmasslich neuen Pilgerort für Spitzensportler und Athletikforscher (zentralplus berichtete). In Cham baut Hans-Peter Strebel, der dank einem von ihm entwickelten MS-Medikament auf Platz 261 der reichsten Schweizer landete, ein Kompetenzzentrum für Spitzensport. Das Zentrum «Oym» («On Your Marks») soll Forschung, Training und Reha in einzigartiger Weise verbinden und so eine optimale Ausbildung für Sporttalente bieten, sowohl für Einzelsportler wie auch für ganze Mannschaften. 

zentralplus: Hans-Peter Strebel, das Spitzensportzentrum Oym in Cham ist eine Herzensangelegenheit für Sie. Wie viel kostet es?

Hans-Peter Strebel: Ich weiss, dass der Bau etwa 50 Millionen kosten wird. Es wird sicher nicht weniger und wahrscheinlich ein bisschen mehr. Da kommt ja noch einiges an Mess- und Trainingsgeräten hinzu.

zentralplus: Und wie wird die finanzielle Zukunft von Oym aussehen?

Strebel: Auf längere Sicht soll der Betrieb selbsttragend sein. Neue Geräte müssen mit Rückstellungen aus den vorhergehenden Jahren finanziert werden. Der Bau und die Anfangsinvestitionen, das sind Geschenke von mir. Die werden auf null abgeschrieben, die sollen den Betrieb nicht belasten. Ich baue das Zentrum als Privatmann und schenke es der Sportwelt.

zentralplus: Sie nehmen viel Geld in die Hand. Woher kommt die Leidenschaft?

Strebel: Ich bin sehr sportaffin: Ich trainiere selbst bis zu vier oder fünf Mal pro Woche, zweimal mit einem Trainer oder sonst auch alleine. Zudem bin ich überzeugt davon, dass wir in der Schweiz ein grosses Potenzial an talentierten jungen Leuten haben. Diesen muss man auch die Möglichkeiten geben, es ganz nach oben zu schaffen. Das macht man mit seriösem Training, welches man den Athleten zur Verfügung stellt.

zentralplus: Aber es gibt doch bereits jetzt seriöse Förderangebote für talentierte Sportler.

Strebel: Für mich ist es nur dann seriös, wenn man die Methoden auf eine wissenschaftliche Basis stellen kann. Nicht einfach nach dem Motto «Wir haben es ja immer so gemacht». Wir wollen genau wissen, welche Faktoren zu welchen Ergebnissen führen. Das ist auch das, was mich total fasziniert.

zentralplus: Den Ausbildungsteil so zur Perfektion zu treiben, dass das Talent richtig zur Geltung kommt: Macht das den Reiz aus?

Strebel: Ja, absolut. Wie gesagt bin ich überzeugt, dass in der Schweiz ganz viele Talente schlummern. Aber wie wollen die es an die Spitze schaffen? Mit dem besten Training! Und genau das soll hier eben entstehen. Ein Kompetenzzentrum, geleitet von Wissenschaftlern, das auf wissenschaftlichen Ergebnissen basiertes Training schafft.

zentralplus: Mit Wissenschaft den Menschen zu Höchstleistungen treiben; erinnert das nicht an Frankenstein oder an die Fördermethoden in der DDR?

Strebel: Oym will kommenden Generationen eine Topinfrastruktur für disziplinenübergreifende Spitzenathletik geben und Athletinnen und Athleten eine effektive, nachhaltige und effiziente Optimierung ihrer sportlichen Performance ermöglichen – dies mit einem Herz sowohl für den Sport als auch für die Wissenschaft.

zentralplus: Das geht dann so weit, dass man vorhersagen kann: Wenn diese und jene Parameter erfüllt sind, dann gewinnt der Athlet?

Strebel: Naja, er muss natürlich auch ein guter Sportler sein. Wir können jemanden athletisch absolut top ausbilden. Wenn der Sportler aber zwei linke Hände hat, dann wird er beispielsweise nie zum Tophandballspieler.

zentralplus: Man braucht also noch immer ein gewisses Talent. Sonst bringt auch die beste Ausbildung nichts?

Strebel: Ja klar, Talent muss schon da sein. Jeder Sport hat auch mit sehr viel Koordination im Hirn zu tun – spezifisch auf die Sportart. Aber wenn der Sportler nicht richtig gefördert wird, dann nützt einem das grösste Talent nichts. So schafft man es nie bis an die Spitze.

zentralplus: Im Zentrum Oym soll jedes Training auch gleich der Datenerhebung dienen. Was machen Sie damit?

Strebel: Das, was wir im Oym erarbeiten, wird sicher in anerkannten wissenschaftlichen Journals publiziert. Wir wollen auch Kongresse abhalten, mit der Idee, dass sich Fachleute aus aller Welt hier treffen.

zentralplus: In Cham entsteht also der nächste Hotspot der Spitzensportforschung.

Strebel: Ja, eigentlich müsste es allen interessierten Fachleuten klar werden, dass hier die besten Bedingungen für interdisziplinäre Forschung in der Spitzensportathletik geschaffen werden.

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