Opferberatungsstelle wird immer öfter genutzt

2 min Lesezeit 26.09.2014, 08:45 Uhr

Die Nachfrage nach Opferberatung wächst: 47 Prozent mehr Fälle als im letzten Jahr hat die Opferberatungsstelle des Kantons Luzern im ersten Halbjahr 2014 schon beraten. Das Beratungsangebot sei bekannter geworden, aber es hätten auch grundsätzlich immer mehr Opfer das Bedürfnis nach professioneller Beratung.

816 neue Fälle hat die Opferberatungsstelle des Kantons Luzern in den ersten Monaten 2014 bearbeitet, das sind 47 Prozent mehr als im Vorjahr. Bei den Kindern und Jugendlichen ist die Nachfrage sogar um 80 Prozent gestiegen, auf 157 Betroffene. Dieser Anstieg sei auf zwei Faktoren zurückzuführen, schreibt die Stelle in einer Medienmitteilung. Einerseits sei das Beratungsangebot bekannter geworden, andererseits hätten immer mehr Opfer von Straftaten das Bedürfnis, sich professionell beraten zu lassen.

Bei Kindern und Jugendlichen ginge es in den meisten Fällen um Sexualdelikte an Kindern. Zudem sei auch die Beratungstätigkeit in Sachen häusliche Gewalt angestiegen, um 46 Prozent.

«Die höhere Anzahl der Beratungen bedeutet aber nicht zwangsläufig,dass es mehr Opfer von Gewalt gibt», erklärt Michèle Wolf, Abteilungsleiterin der Opferberatungsstelle Luzern. Sie führt den markanten Anstieg unter anderem auf zwei Faktoren zurück: Die Polizei und andere Beratungsstellen verweisen Betroffene häufiger an die Opferberatungsstelle. Seit man die Zusammenarbeit und die gegenseitige Information intensiviert habe, sei die Zahl der Neuanmeldungen gestiegen. Zudem seien die Abläufe im Strafverfahren oder bei Haftpflichtfragen im Rahmen von Verkehrsdelikten komplexer geworden. Das Bedürfnis, sich von einer Expertin oder einem Experten beraten zu lassen, steige.

Bis zu 1300 Betroffene in 2014

Jährlich nehmen über 1000 gewaltbetroffene Menschen das Beratungsangebot der Opferberatungsstelle in Anspruch, schreibt die Opferberatung weiter. Im Jahr 2014 wird diese Zahl voraussichtlich auf rund 1300 Betroffene ansteigen. Mehr als die Hälfte der Beratungen würde für gewaltbetroffene Frauen
geleistet. Die Beratung nach sexueller Ausbeutung von Kindern und Jugendlichen, nach Verkehrs- und Arbeitsunfällen, welche durch Dritte verursacht wurden sowie nach Raubüberfällen, Tätlichkeiten und Körperverletzung im öffentlichen Raum stellten weitere Themen dar.
Seit 2013 ist die Opferberatungsstelle zudem offizielle Anlauf- und Informationsstelle für Betroffene von früheren fürsorgerischen Zwangsmassnahmen und Fremdplatzierungen, die bis 1981 stattgefunden haben. Mehr als 35 Personen hätten sich im vergangenen Jahr im Zusammenhang mit den Themen Verdingkinder, administrativ Versorgte und Zwangsabtreibungen beraten lassen. Zwölf Betroffene, in prekären finanziellen Verhältnissen, unterstützte die Opferberatungsstelle beim Einreichen von Soforthilfegesuchen beim Bund.

Die Opferberatungsstelle bietet kostenlose Beratungen an für direkt betroffene Menschen sowie für deren Angehörige, die durch eine
Straftat in ihrer körperlichen, psychischen oder sexuellen Integrität beeinträchtigt worden sind und unterstützt Betroffene bei der
Durchsetzung ihrer Rechtsansprüche. Die Beratungen erfolgen telefonisch oder in einem ausführlichen Gespräch und unterstehen der gesetzlichen Schweigepflicht.

War dieser Artikel nützlich für Dich?

Ja

Nein

In diesen Artikel haben wir viel Zeit investiert. Löse ein freiwilliges Abo und hilf uns, Artikel wie diesen auch in Zukunft anzubieten.

CHF

Deine Meinung ist gefragt!

Um kommentieren zu können, musst Du auf zentralplus eingeloggt sein. Bitte logge dich ein oder registriere dich jetzt und profitiere von den Vorteilen für z+ Community Mitglieder.

Deine Meinung ist gefragt!

0 Kommentare

Abonniere den Newsletter

Und erhalte unsere Post ganz nach Deinen Bedürfnissen und Wünschen: Täglich oder wöchentlich.