Operation und Facelifting für die Luzerner Kleinstadt
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Philipp-Anton-von-Segesser-Platz mit Bahnhofstrasse, wie er ab 2018 aussehen soll (Symbolbild). (Bild: zvg)

Pflastersteine für die «mindere» Altstadt Operation und Facelifting für die Luzerner Kleinstadt

6 min Lesezeit 12.04.2016, 11:00 Uhr

In der Luzerner Kleinstadt bleibt in den nächsten Jahren kein Stein auf dem anderen: Zwischen Ende 2016 und 2018 werden alle Strassen aufgerissen, die Leitungen saniert, die Oberfläche neu gepflästert. Damit soll die Kleinstadt wieder ein würdiger Teil der Altstadt werden. Das Projekt verträgt keinen Aufschub – sonst droht der Einsturz.

Die Luzerner Kleinstadt fristet sein Dasein im Schatten der touristischen Leuchttürme. Zu unrecht: Das Dreieck zwischen Burgerstrasse, Reusssteg und Hirschengraben ist einer der ältesten und historisch wertvollsten Stadtteile Luzerns.

Das südliche Eingangsportal zur Altstadt auf der linken Seite der Reuss geht auf das 13. Jahrhundert zurück ­– und zusammen mit der rechtsseitigen Grossstadt bildet die Kleinstadt die Luzerner Altstadt. Die Kleinstadt wurde früher als «mindere Stadt» bezeichnet – im Vergleich zur «mehreren Stadt»: der Grossstadt auf der rechten Reussseite. Wie die ganze Altstadt unterliegt auch die Kleinstadt der Schutzzone A und somit einem umfangreichen Ortsbildschutz.

Schon im 13. Jahrhundert existierte die Kleinstadt links der Reuss (Planausschnitt von 1250).

Schon im 13. Jahrhundert existierte die Kleinstadt links der Reuss (Planausschnitt von 1250).

(Bild: zvg)

Auch unter der Oberfläche glänzt die Kleinstadt nicht, im Gegenteil. Das ganze Leitungssystem ist alt, nicht mehr zeitgemäss und in sehr schlechten Zustand – es muss dringend saniert werden. Denn: «Die Gefahr von Leitungsbrüchen nimmt zu», teilt die Stadt Luzern mit – besonders prekär sei die Lage beim Krienbach-Kanal unter der Burgerstrasse: Dieser ist so instabil, dass die Kanaldecke einzustürzen droht. Mit Stützen hatte man ihn 2011 notdürftig stabilisiert. Zudem ist der Natursteinkanal unterhalb des Krienbrügglibrunnens eingestürzt, der Brunnen leckt und verliert Wasser.

Heillos veraltete Leitungen

Auch das Entwässerungssystem in der Burgerstrasse ist über die Jahrzehnte gewachsen und heillos veraltet, private Hausanschlüsse sind sanierungsbedürftig, zudem muss die EWL ihre Erdgas-, Wasser- und Elektroleitungen erneuern. Die Arbeiten betreffen die gesamte Burgerstrasse, einen Abschnitt der Bahnhofstrasse sowie einen Teil des Franziskanerplatzes – insgesamt eine Fläche von 4600 Quadratmeter.

Planungsperimeter: Auf dieser Fläche wird die Kleinstadt restauriert.

Planungsperimeter: Auf dieser Fläche wird die Kleinstadt restauriert.

(Bild: zvg)

Aber auch an der Oberfläche wird die Kleinstadt ihrer historischen Bedeutung nicht mehr gerecht: Die Strassen sind ein unschöner Flickenteppich aus Pflastersteinen und dunklem Belag, sie weisen diverse Schnitt- und Bruchstellen auf, und bei starken Regenfällen vermag das Wasser nicht genug schnell abzulaufen, was zu überfluteten Kellern führt. Zudem sei die Verkehrssituation für Velos und Fussgänger nicht mehr zeitgemäss, meint der Stadtrat. Die Trottoirs sind zu schmal, und es hat zu wenige Veloparkplätze.

Kurz, aber heftig

Die Stadt will nun die ganze Sanierung – unter- wie oberirdisch – in einem Zug durchführen. Denn erstens lässt sich die Sanierung der Leitungen nicht mehr aufschieben, zweitens kann man so rund 1 Million Franken einsparen und drittens ist eine Sanierung nach dem Motto «kurz, aber heftig» für das Quartier erträglicher.

Die wichtigsten Massnahmen:

  • Neue Pflastersteine: Die Oberfläche wird mit einheimischem Naturstein (Gruberstein aus Alpnach) neu gepflästert, es ist das charakteristische Material der Altstadt. Mit der durchgehenden Oberflächengestaltung soll die Kleinstadt als städtebauliche Einheit erkennbar sein und mit der rechtsufrigen Altstadt eine Einheit bilden. «Dieses historische Verständnis des Stadtraumes soll durch eine zeitgemässe und nachhaltige Gestaltung umgesetzt werden», so die Stadt Luzern. Die Strassen werden nach dem sogenannten «Luzerner Muster» gepflästert: in Reihen- und Bogenpflästerung.
  • Kein Trottoir mehr: Die Trennung zwischen Trottoirs und Fahrbahn wird aufgehoben. Die durchgehende Oberfläche stellt einen «ursprünglichen und stimmigen Zustand wieder her», so die Mitteilung. Die Trennung ist nicht historisch, sondern eine Erfindung des 20. Jahrhunderts. Durch die Pflästerung und das Aufheben von getrennter Fahrbahn und Trottoir erhofft man sich eine Verkehrsberuhigung, die Strasse wird für Veranstaltungen und Gastronomie flexibler nutzbar. «Der Stadtraum erhält seine ursprüngliche Funktion als Lebens-, Verkehrs- und Bewegungsraum zurück», so die Stadt. Zudem wird das ganze Areal gemäss gesetzlichen Vorgaben behindertengerecht, allfällige Hindernisse werden aus dem Weg geräumt.
  • Besserer Abfluss: Grosse Mengen Regenwasser können künftig besser abfliessen, dies dank einer neuen Wasserführung über Rinnen.
  • Beleuchtung gemäss Plan Lumière: Heute ist das Beleuchtungsbild ineffizient, und es erfüllt die Sicherheits- und  Umweltanforderungen nicht.
  • 50 neue Veloparkplätze: Zusätzlich zu den heute bestehenden 51 Velo- und Motorradabstellplätzen in der Pfistergasse und der Burgerstrasse kommen neue Abstellplätze in der Burgerstrasse hinzu.
  • Neues Verkehrsregime: Heute besteht in der Kleinstadt noch Tempo 50, für Radfahrer ist die Achse Pfistergasse–Bahnhofstrasse eine wichtige Verbindungsachse. Die Stadt prüft jetzt ein temporeduziertes Regime und eine Begegnungszone, die baulichen Grundlagen dazu werden geschaffen. Ein Gutachten, das noch folgt, soll aufzeigen, welches künftig das beste Verkehrssystem darstellt und gleichzeitig auf Mitte 2018, wenn die Sanierung abgeschlossen ist, eingeführt werden. Die Anzahl Parkplätze bleibt unverändert.
  • Krienbrügglibrunnen: Der historische, öffentliche Brunnen ist eine touristische Attraktion – und würde auch heute noch in Notlagen zur Wasserversorgung der Bevölkerung dienen. Während der Bauzeit muss der Brunnen weichen, Trog und Brunnenstock mit Figur werden gleichzeitig saniert. Ab 2018 steht der Brunnen in alter Frische wieder auf dem Platz.

Heute: Der Philipp-Anton-von-Segesser-Platz mit Krienbrügglibrunnen, rechts die Bahnhofstrasse (Rütligasse Blickrichtung Bahnhofstrasse).

Heute: Der Philipp-Anton-von-Segesser-Platz mit Krienbrügglibrunnen, rechts die Bahnhofstrasse (Rütligasse Blickrichtung Bahnhofstrasse).

(Bild: zvg)

Philipp-Anton-von-Segesser-Platz mit Bahnhofstrasse wie er ab 2018 aussehen soll (Symbolbild).

Philipp-Anton-von-Segesser-Platz mit Bahnhofstrasse wie er ab 2018 aussehen soll (Symbolbild).

(Bild: zvg)

«Die Oberflächengestaltung schafft eine massgebliche Verbesserung der Rahmenbedingungen für Bevölkerung, Gäste und Gewerbe», so die Stadt Luzern in ihrem Bericht und Antrag an das Parlament. Das Projekt leiste zudem einen wichtigen Beitrag im Sinne des Forums «Attraktive Innenstadt» (zentralplus berichtete).

Mitte 2018 ist wieder Ruhe

Im Fokus des Berichtes und Antrages steht ein Kredit von 4,44 Millionen Franken für die Oberflächengestaltung – insgesamt kostet die Neugestaltung 4,74 Millionen Franken. Zusammen mit den unausweichlichen Werkleitungssanierungen kostet das Projekt ganze 11,6 Millionen. Die Umsetzung des Gesamtprojektes soll im Winter 2016/2017 starten und bis Mitte 2018 beendet sein.

Südliche Burgerstrasse heute ...

Südliche Burgerstrasse heute …

(Bild: zvg)

... und die südliche Burgerstrasse künftig (Symbolbild).

… und die südliche Burgerstrasse künftig (Symbolbild).

(Bild: zvg)

Sollte das Parlament den Kredit nicht genehmigen, würden die Werkleitungen trotzdem saniert: «Die hohe Dringlichkeit erlaubt keinen Aufschub, die Sanierungsarbeiten und die damit verbundenden Belastungen für das Quartier sind unausweichlich.» Sie starten so oder so im Winter 2016 – aus Sicherheitsgründen.

Der Umbau wird so geplant, dass Anlässe und Veranstaltungen auf dem Areal weiterhin möglich sind. Etwa der Flohmarkt, der Weihnachtsmarkt auf dem Franziskanerplatz, Stadtlauf und Marathon sowie natürlich die Fasnacht. 

Bahnhofstrasse und Zugang zu Franziskanerplatz heute.

Bahnhofstrasse und Zugang zu Franziskanerplatz heute.

(Bild: zvg)

Bahnhofstrasse und Zugang zu Franziskanerplatz künftig mit neuer Pflästerung (Symbolbild).

Bahnhofstrasse und Zugang zu Franziskanerplatz künftig mit neuer Pflästerung (Symbolbild).

(Bild: zvg)

GLP fordert Kostenreduktion

Die Fraktion der GLP fordert, dass die Kosten für die Sanierung der Kleinstadt von 4,7 Millionen Franken auf 3,2 Millionen sinken. Sie wird einen Antrag stellen, auf gewisse Teilfächen zu verzichten. Namentlich bei den Teilflächen 1, 2 und 4 «sehen wir die Dringlichkeit nicht», schreibt die Partei. Es handelt sich um einen Teil der Bahnhofstrasse, den Zugang zum Franziskanerplatz sowie eine Seitengasse beim kantonalen Verwaltungsgebäude. Zudem beantragt die Partei, aus dem REAL-Topf Gelder zu entnehmen. Dies würde eine Restfinanzierung durch das laufende Budget von knapp 2 Millionen bedeuten – anstelle von den beantragten 4,7 Millionen.

«Aus unserer Sicht ist es richtig, dort, wo wir die Strasse zwingend aufreissen müssen, eine sinnvolle Gestaltung umzusetzen – sprich dort wo der Krienbach fliesst», schreibt der Grossstadtrat Jules Gut von der GLP. Bei den Teilflächen 1, 2 und 4 sei dies nicht der Fall. «Es stellen sich bei uns auch Fragen betreffend einer Mehrbelastung der Anwohner, wenn neu eine Pflästerung anstelle von Asphalt eingebaut wird.» Zudem führe die Sanierung in diesem Bereich zu einem Konflikt mit der wichtigen Veloroute. Jules Gut: «Da im Frühling 2017 auch noch die Abstimmung zum Parkhaus Musegg ansteht, sehen wir nicht ein, warum plötzlich ein derart dringender Handlungsbedarf besteht.»

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