«Opa, was ist ein Eisbär?»: 2’000 Luzerner demonstrieren fürs Klima
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«Nicht für deine Eltern, aber für deine Zukunft», so steht es auf dem Banner des Kopf des Zuges. (Bild: sah)

Erwachsene gesellen sich zu streikenden Schülern «Opa, was ist ein Eisbär?»: 2’000 Luzerner demonstrieren fürs Klima

4 min Lesezeit 7 Kommentare 15.03.2019, 14:23 Uhr

«Klimaschutz, Gopfriedstutz»: Diesen Freitag gehen rund 2’000 Personen in Luzern für das Klima auf die Strasse. Mit Plakaten und Kartonschildern laufen sie vom Rosengartplatz in Richtung Neustadt und forderten die Ausrufung des Klimanotstands. Vor Ort wird klar: Es sind nicht mehr nur Schüler, die fürs Klima auf die Strassen pilgern.

Obwohl sich um 11 Uhr rund 500 Personen auf dem Luzerner Rosengartplatz versammeln, wirkt es wie eine grosse Klassenzusammenkunft. Es läuft Musik, viele kennen und umarmen sich. Die Stimmung ist friedlich, die Menge eine Mischung aus Jung und Alt. Sie alle sind gekommen, um für die Ausrufung des Klimanotstandes zu kämpfen.

Verschiedene Plakate mit Sprüchen wie «System change not climate change» fallen zwischen anderen Exzentrikern mit Federn auf dem Kopf in der Menge auf. Während sich manche Schüler für grosse Banner zusammenschliessen, sind viele alleine gekommen. Auch sie halten kleine Schildchen mit Eisbären oder ähnlichem in die Höhe.

Die Demonstrantenschlange nimmt kein Ende

Nach einer kurzen Ansage der Organisatoren, doch bitte keine Regeln während der Demonstration zu brechen, geht’s entlang der Reuss über den Rathaussteg übers Theater in Richtung Neustadt. Auf dem Rathaussteg offenbart ein Blick zurück: Es sind einige, ja sogar sehr viele, noch dazu gestossen. Während die Zugpferde des Demonstrationszugs bereits beim Theater angekommen sind, befinden sich die letzten Demonstranten noch fast am Ausgangspunkt beim Rosengartplatz.

«Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Zukunft raubt.»

Es dürften nun nicht mehr «nur» 500 wie am Schülerstreik, sondern rund 2’000 Personen sein, die sich trotz des windigen und regnerischen Wetters vor die Haustüre wagen. «Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Zukunft raubt», schreien sie bei einem Zwischenhalt vor dem Theater. Ins Auge sticht vor allem auch eines: Diesmal sind nicht nur Schülerinnen, sondern auch auffallend viele Erwachsene mit dabei.

«Opa, was ist ein Eisbär?»

Meist stehen sie etwas am Rand und wippen nur leicht mit, während die Jungen im Gleichtakt auf und ab hüpfen. «Das Klima betrifft uns alle, nicht nur die Jungen», meint ein älterer Herr, der ein Schild mit der Aufschrift «Opa, was ist ein Eisbär?» mit sich trägt.

Auch jüngere Herren liessen sich diesen Freitag für die Klimademo mobilisieren.

Auch jüngere Herren liessen sich diesen Freitag für die Klimademo mobilisieren.

(Bild: sah)

Einige Meter weiter, vor der Wirtschaftsmittelschule (WML), bereits der nächste kurze Zwischenhalt: «Use cho», schreit die Menge in Richtung Schulgebäude. Und tatsächlich folgen einige WML-Schülerinnen dem Ruf und strömen auf die Strasse. Andere halten lediglich eine Aufschrift mit «Mathi-Test» aus dem Fenster.

«Klimaschutz, Gopfriedstutz»

«Wenns kei Wält meh git, isch au Mathi egal», antwortet jemand aus der Menge, bevor der Zug weiter in Richtung Neustadt zieht. «Klimaschutz, Gopfriedstutz», hallt es mehrere Strassen weit.

Luzern soll Basel folgen

Es ist nicht das erste Mal, dass Aktivistinnen für das Klima in Luzern auf die Strassen gehen. So wurde im Januar ein Schülerstreik mit rund 500 Teilnehmern oder im Februar eine Demonstration mit über 2’000 Demonstrantinnen organisiert (zentralplus berichtete). Bisher blieben die Forderungen in Luzern ohne Erfolg. «Wann tut es Luzern?», fragen die Verantwortlichen des Klimastreiks. Sie fordern die Ausrufung des Klimanotstandes.

Bevölkerungsantrag eingereicht

Der Klimastreik Zentralschweiz hat einen Bevölkerungsantrag lanciert, der die Stadt Luzern dazu zwingt, sich mit dem Thema Klimaschutz auseinanderzusetzen. Unter anderem wird gefordert, dass das Parlament die Eindämmung des Klimawandels als höchste Priorität behandelt.

Auch in Zug gab's am Freitag eine Klimademo: Laut den Organisatoren gingen auf dem Oberen Postplatz 200 Menschen auf die Strasse.

Erst vor wenigen Wochen ist in der Schweiz der Startschuss gefallen: Basel-Stadt hat als erste Schweizer Stadt diesen ausgerufen. Dem soll auch Luzern folgen: «Die verheerenden Folgen des Klimawandels sind bekannt, wir müssen jetzt handeln und der Klimakrise oberste Priorität geben», meint Jonas Heeb, Co-Präsident der Jungen Grünen Luzern.

Der Klimastreik in Luzern findet zeitgleich mit 20 weiteren Streiks in verschiedenen Schweizer Städten statt. Am selben Tag streiken in über 70 Ländern abertausende von Menschen gegen die Klimakrise und für eine bessere Zukunft. So etwa in Australien, den USA, Brasilien, Deutschland und England.

Forderungen weltweit die gleichen

Die Forderungen klingen weltweit ähnlich: Die Anerkennung der momentanen Situation als Klimakrise und deswegen den Ausruf des Klimanotstandes. Des Weiteren wird in Luzern ein Netto-null-Ausstoss bei Treibhausgasemissionen bis 2030 gefordert. «Wem sini Zuekunft? Eusi Zuekunft», so die Parolen der Luzerner Demonstrantinnen.

Auch Klimagerechtigkeit ist eine der zentralen Forderungen. Die Hauptverantwortlichen für den Klimawandel und die Zerstörung der Umwelt – unter anderem Grosskonzerne und Banken – sollen zur Verantwortung gezogen werden, so die Organisatoren des Klimastreiks Luzern. «Das Problem ist erkannt, die Lösungen sind gefunden, jetzt müssen wir handeln», so erklingt es vor dem Luzerner Theater während der Klimademo.

Weitere Eindrücke der Luzerner Klimademo:

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7 Kommentare
  1. Marcel Moser, 20.03.2019, 11:04 Uhr

    Auf der einen Seite; Hut ab vor den jungen Leuten welche sich engagieren, aber auf der anderen Seite… Bilder aufgenommen nach der Demo, zeigen, dass die Jugendlichen ihre Plakate und Banner nicht einfach mit nach Hause nahmen sondern in und vor öffentlichen Kehrrichtkübeln deponierten. Konsequenterweise müsst man nun sagen, ihr verursacht mit der Deponierung auch Kosten, die zulasten der Allgemeinheit gehen und belastet damit die Umwelt. Vielleicht ein Tip für die nächste Demo, wie wäre es wenn man den Protestbanner oder das Plakat mit nach Hause nimmt und dort entsorgt?

  2. walter ludin, 20.03.2019, 09:21 Uhr

    Mein Kommentar vom 15. März -„fast wie an der fasnacht“ – wurde heute in einem Leserbrief der Luzerner Zeitung zitiert und einer „jüngeren Person“ zugeschrieben. Ich fühle mich als gut 73jähriger geehrt …….

  3. Lukas Schmid, 18.03.2019, 15:54 Uhr

    Die Kommentare sind nur traurig. Nur rumgemotze anstatt selbst etwas zu tun. Ich denke ein Smartphone verbraucht immer noch zigmal weniger Ressourcen als ein Auto. Wer ohne Schuld ist werfe den ersten Stein. Es sind alle Angehalten sich in ihrem Konsumverhalten zu hinter fragen und zu ändern. Also muss das Problem Klimawandel entlich angegangen werden, und radikal. Sonst ist der Mensch in 200 Jahren am aussterben. Kommt besser auch an die Demo am 6 April anstatt hier einen auf Troll zu machen. Freue mich schon 🙂

  4. Oldi one, 17.03.2019, 16:50 Uhr

    Was ein Eisbär ist, das lernt man in der Scule und nicht auf Demos.

  5. Boris Kerzenmacher, 17.03.2019, 14:51 Uhr

    Die Klimaretterin Greta Thunberg hat es geschafft, weltweit Schüler mit dem gleichen Ansinnen auf die Strassen zu schicken. Diese Schüler sollten sich aber eher dafür einsetzen, dass sie nicht tagtäglich von ihren Eltern in grossmotorigen SUV‘ s zur Schule gebracht und auch wieder abgeholt werden…

  6. Roland Grüter, 16.03.2019, 15:30 Uhr

    Am Samstag zogen die (vornehmlich) jungen Leute wieder schwadronieren durch die Strassen und trugen selbstverständlich Smartphones „en masse“ auch sich, obwohl die Herstellung der Handys zur massiven Umweltbelastung beitragen. Aber eben, hier hört der Ruf nach Restriktion auf. Diese Samstag-Happenings sind deshalb einfach unehrlich, da keiner der Protestierenden auf sein Handy verzichten will und womöglich jedes Jahr ein neues einkauft.

  7. walter ludin, 15.03.2019, 16:36 Uhr

    Trotz ernstem Thema: tolle Stimmung fast wie an der Fasnacht. Sehen wir uns am 6. April wieder?

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