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«Oh Tannenbaum»
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Nils Rogenmoser hilft seinem Grossvater Albert bei der Arbeit. (Bild: zvg)

Ein Schüler schreibt über seinen Grossvater «Oh Tannenbaum»

5 min Lesezeit 23.12.2013, 13:22 Uhr

Die Schüler der Klasse 3B der Kantonsschule Zug durften im Rahmen einer Übung Berufsreportagen schreiben. Der weihnachtliche Text von Nils Rogenmoser (15) fand auf Empfehlung seiner Lehrerin den Weg zu zentral+. Nils beschreibt, wie sein Grossvater Albert das Christbaum-Business wie kein anderer kennt: Seit über 40 Jahren pflanzt und verkauft er in Unterägeri Christbäume.

Der 15-Jährige Nils durfte seinen Grossvater Albert Rogenmoser bei seiner Arbeit begleiten. Nils schrieb daraufhin einen Text im Rahmen einer Übung für die Kantonsschule Zug. Die Berufsreportage fand den Weg schliesslich über seine Lehrerin Manuela Waeber zu zentral+. Waeber fand den weihnachtlichen Text gelungen. Wir auch.

Nils schreibt:

Alle Jahre wieder wird Hobby-Gärtner Albert Rogenmoser (74) aus Unterägeri zum Christbaumverkäufer. Wenn die Schneeflocken leise schwebend vom Himmel fallen und wenn es überall hell beleuchtet ist, sieht man ein Strahlen auf seinem Gesicht. Vierzig Jahre sind vergangen, seit Rogenmoser von einem Bauern ein Stück Land erhalten hat, auf dem er seine ersten Bäume anpflanzen konnte. Anfangs waren es nur fünfzig Bäume im Jahr, nun verkauft er fast deren 370.

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Der 74-Jährige, unverkennbar mit seiner Pfeife im Mund, ist ein Original im beschaulichen Unterägeri. Seine Kundschaft hat in den letzten Jahren immer wieder ein bisschen zugenommen. Er gilt als sehr sympathischer und gesprächiger Mensch, der den Kunden auch Tipps zum Umgang mit den Tannenbäumen gibt, wie zum Beispiel, dass sie ihren Baum noch eine Nacht im Keller lassen sollen. Das hat zur Folge, dass der Baum keinen Wärmeschock kriegt und somit länger schön bleibt.

Darüber hinaus offeriert er jedem Kunden nach dem Kauf einen Gratispunsch. «Alkoholfrei», sagt er mit einem Schmunzeln, da auch viele Kinder darunter sind. Sogar grosse Firmen bestellen bei ihm eine Ladung Bäume. Eine Zürcher Firma zum Beispiel holt jedes Jahr etwa 30 bis 40 Bäume ab. Beim Aufladen auf den grossen Lieferwagen packt Albert Rogenmoser mit an. Der Christbaumverkäufer hofft, dass seine Kundschaft auch dieses Jahr wiederkommt, denn es gibt Konkurrenz! Die Landi verkauft in Ägeri auch Tannenbäume. Doch so richtig Angst hat er nicht, denn die Konkurrenz treibt ihn nur weiter an, besser zu arbeiten.

Lange Vorbereitung

Das Schöne an seiner Arbeit ist das Verkaufen der Bäume, wenn es schneit und alle sich auf Weihnachten vorbereiten und einstimmen. «Bis dahin gibt es aber viel zu tun», beteuert er. Bereits im Frühling müssen die Bäume gepflanzt werden. In Morgarten, in der Nähe von Oberägeri, steht ihm jedes Jahr ein Stück Land zur Verfügung, auf dem er seine Bäume pflanzen darf. Spannend ist, dass er die Arbeit meistens selbstständig bewältigt und somit alles für seine Leidenschaft tut. Das ganze Jahr ist mit Arbeiten verbunden, wie beispielsweise das Wegrupfen von Unkraut, welches den Bäumen schadet, oder das regelmässige Mähen des Rasens.

Beim Verkauf der Bäume spielt das Wetter eine nicht unwichtige Rolle. Es ist nämlich von Vorteil, wenn das Wetter nicht ständig wechselt. Ausserdem sollte es nicht zu viel Schnee haben, denn dann muss er all die Bäume vom Schnee befreien. Ausserdem ist es ein Problem, wenn es zu kalt ist, weil dann jeweils die Zweige einfrieren und so leicht abfallen. Die ideale Temperatur liegt um dem Gefrierpunkt, also 0° C. Auf die Frage, was er denn genau an dieser Arbeit möge, antwortet er kurz: «Ich habe einfach Spass».

Nach einer kurzen Pause fügt er an, dass er den Kontakt mit den Leuten sehr schätze. Stolz erzählt er, es sei in Ägeri bekannt, dass seine Bäume sehr schön sind.

Albert Rogenmoser bei seiner Arbeit.

Albert Rogenmoser bei seiner Arbeit.

Sehnsüchtig wartet er auf den 8. Dezember, den Start des Verkaufs. Für ihn ist es ein Glücksfall, dass der Verkaufsort, wo er täglich bis zum 24. Dezember , von 9 bis 12 Uhr und von 14 bis 17 Uhr, arbeitet, sich fast direkt vor seiner Haustüre befindet. Nur ein paar wenige hundert Meter ist der Platz entfernt, den er jedes Jahr mietet. Es gibt Tage, an denen eine Stunde lang nichts los ist, doch er weiss mit der Zeit etwas anzufangen. Er stellt am Verkaufsort Zäune auf und sortiert alle Bäume nach Kriterien wie Sorte oder Grösse, denn Organisation ist das A und O.

Doch wieso soll man den Christbaum bei ihm kaufen, wenn man ihn gerade so gut bei einem Grossverteiler kaufen könnte, wo er günstiger zu haben ist? «Meine Bäume sind regional und den Leuten ist das oft wichtig», sagt er. «Ebenfalls ist es den Leuten wichtig, dass man eine gute Übersicht hat. Es ist angenehm, wenn man zwischen den Bäumen umherlaufen und sich so die verschiedenen Bäume anschauen kann.» Er erklärt weiter, dass in der Migros die Bäume oft «indoor» und nicht an der frischen Luft stehen. Dies hat zur Folge, dass die Nadeln schneller abfallen. Doch Albert Rogenmoser bietet nicht nur Christbäume an. Als Weihnachtsliebhaber hat er in seinem Sortiment auch alles andere Notwendige für ein schönes Weihnachtsfest, wie Dekorationsmaterial und Mistelzweige. «Man sagt ja, unter einem Mistelzweig soll ein Kuss stattfinden», erzählt er freudig.

Den perfekten Baum gibt es nicht

Die Tage gehen schnell vorbei und schon ist Weihnachten. Eine interessante Ansicht hat Albert Rogenmoser zum perfekten Christbaum. «Den perfekten Christbaum gibt es nicht, da jeder Mensch eine andere Vorstellung von ihm hat», meint er. Einmal hatte er einen Baum, der ihm überhaupt nicht gefiel und um den alle einen grossen Bogen machten. Bis eines Tages eine Frau mittleren Alters kam und strahlend sagte: «Das ist der perfekte Baum für uns.» Ob gross oder klein, breit oder dünn, jedes Exemplar hat für Albert Rogenmoser Bedeutung. So entscheidet er sich jedes Jahr auch für einen anderen Baum. Er nimmt oft eine Tanne, die er bis zu Schluss nicht verkaufen konnte. Letztes Jahr blieben nur acht von insgesamt 370 übrig. Wäre Weihnachten ohne den Christbaum das Gleiche? «Nein», meint Albert Rogenmoser bestimmt. «Das wäre nicht gut, und es würde etwas fehlen.»

Christbäume: Der Brauch verbreitete sich im 19. Jahrhundert in Europa und ist heute in der Weihnachtszeit aus unserer Kultur nicht mehr wegzudenken. Personen wie Albert Rogenmoser halten den Brauch am Leben. Mit seinen Christbäumen wird er wohl noch einigen Menschen ein Lächeln auf die Lippen zaubern.

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