Offensiv ist der FCL bloss noch ein laues Lüftchen
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Kein Durchkommen für FCL-Captain und -Mittelstürmer Dejan Sorgic gegen die Hoppers Georg Margreitter (links) und Toti Gomes. (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

Letzte zwei Heimspiele zeigen es deutlich Offensiv ist der FCL bloss noch ein laues Lüftchen

5 min Lesezeit 2 Kommentare 11.09.2021, 23:49 Uhr

Je ein Punktgewinn aus den zwei Heimspielen gegen Lausanne und Aufsteiger GC sind für die Ansprüche des FC Luzern definitiv zu wenig. Defensiv zeigt sich der Cupsieger zwar etwas stabiler, aber offensiv ist der Ofen schnell aus. Dieses Manko lässt sich an der Torflaute von FCL-Captain Dejan Sorgic festmachen.

Ein Bild sagt manchmal mehr als tausend Worte: Als der Schlusspfiff vor gut 9’200 Zuschauern in der Swissporarena erfolgt war, sank Marius Müller auf seinen Allerwertesten und blieb eine Zeitlang im Strafraum sitzen. Er schüttelte bloss den Kopf, derweil die FCL-Fans in seinem Rücken seinen Namen skandierten.

Dabei war es der Goalie, der den Luzernern bei seinem Comeback mit einer paar gelungenen Interventionen in der Schlussphase wenigstens noch das 1:1 gegen die Grasshoppers rettete (zentralplus berichtete). Aber das schien der FCL-Lebensversicherung unmittelbar nach dem sechsten Auftritt des Cupsiegers in der laufenden Meisterschaft keinen Trost vermitteln zu können.

Denn das Warten auf den ersten Sieg der Luzerner in der laufenden Super League geht in die nächste Runde: Und diese steigt am Donnerstag in einer Woche im Wallis beim FC Sion.

Dank Badstuber geht’s mit dem FCL defensiv aufwärts

«Was wir gezeigt haben, war nicht gut genug für den Sieg. Wir müssen zufrieden sein, dass wir am Schluss einen Punkt geholt haben», gestand FCL-Trainer Fabio Celestini hinterher freimütig ein und lobte Marius Müller für ein «paar super Paraden».

Ein Blick zurück zeigt: Der FCL hat sich nach einem Punkt und erschreckenden 13 Gegentoren gegen YB, St. Gallen, Zürich und Servette defensiv etwas stabilisieren können. Immerhin. Allerdings bleibt zu vermuten, dass sowohl Lausanne als auch Aufsteiger GC (jeweils 1:1) den «Hinterbänklern» der höchsten Schweizer Spielklasse zugerechnet werden müssen.

«Schade für den Moment und Dejan Sorgic, dass wir nicht nachlegen konnten.»

FCL-Trainer Fabio Celestini

Dennoch ist der scheue Aufwärtstrend der Luzerner Defensive mit der Leistungssteigerung von Holger Badstuber in Verbindung zu bringen. Der inferior in die Saison gestartete ehemalige Bundesliga-Titan nähert sich von Spiel zu Spiel der Rolle als neuer FCL-Abwehrchef an. Solange ihn seine Mitspieler vor Laufduellen schützen, kann er mit seiner Routine und seinem gepflegtem Spielaufbau viel Gutes bewirken.

Das FCL-Ungleichgewicht bei den erzielten und kassierten Toren

Aber damit ist die grosse Gefahr längst nicht gebannt, die in diesem FC Luzern steckt: Denn aktuell kann niemand präzise einschätzen, zu was der Cupsieger in der laufenden Meisterschaft fähig ist (zentralplus berichtete).

Der Spielverlauf gegen GC liefert ein weiteres Mal Hinweise darauf, dass dem FCL das offensive Selbstverständnis der letzten Saison abhanden gekommen ist. Damals hat er im Rückwärtsgang so oft gesündigt wie jetzt, aber er besass nicht zuletzt dank Louis Schaub die offensive Qualität, in jedem Spiel mehr als zwei Tore zu schiessen. «Hätten wir nicht am zweitmeisten Tore geschossen, wären wir zum Saisonende abgestiegen», sagte Marius Müller im Interview mit zentralplus.

Beim Toreschiessen sind aktuell bereits fünf Mannschaften im Durchschnitt besser als der FCL mit seiner Quote von 1,5 Treffern pro Spiel. Aber keiner auch nur annähernd so schlecht bei den Gegentoren pro Spiel (2,5).

Celestini kritisiert seinen Captain

Klar, das ist eine Momentaufnahme nach erst einem Sechstel der 36 Spiele langen Meisterschaft. Da bleibt noch genügend Zeit zur Korrektur. Aber nach bloss vier Toren in den letzten vier Meisterschaftsspielen sind die Sorgen betreffend offensiver Durchschlagskraft auch beim Cheftrainer offensichtlich am Wachsen.

Fabio Celestini kritisierte seinen Captain Dejan Sorgic öffentlich: «Wir hatten einen guten Beginn mit dem frühen 1:0. Schade für den Moment und Dejan Sorgic, dass wir nicht nachlegen konnten.» Er sprach damit die Chance seines Mittelstürmers in der 7. Minute an. Sein Torgarant liess sie fast schon kläglich liegen. In seiner Matchanalyse liess Celestini nicht unerwähnt, dass sein Sorgic in der zweiten Halbzeit eine weitere Torchance liegen liess.

Aber wo liegt das Problem des eher stillen Teamleaders? Letzte Saison hat er unter der Regie des nach Köln zurückgekehrten Österreichers Louis Schaub 13 Tore geschossen. Der Fussball-Mozart machte jeden seiner Mitspieler besser.

«In jedem wichtigen Moment im Spiel gegen GC haben wir es nicht so gut gemacht.»

Oder leidet der nach wie vor torlose Sorgic unter seiner gestiegenen Verantwortung als Captain? Der nach wie vor verletzte Pascal Schürpf hat sich mit der Captainbinde um den Arm ebenfalls nicht entfalten können. Es war Fabio Celestini, der Sorgic diese Rolle zugemutet hat.

Vielleicht ist seine Ladehemmung aber auch einem ganz simplen Problem geschuldet: Der 31-Jährige ist zur Unzeit in eine Schaffenskrise geraten.

Wer bringt den Kitt in sein fragiles Team?

Fakt ist: Seit mindestens 192 Spielminuten hat kein Offensivspieler des FC Luzern mehr ins Netz getroffen. Zuletzt war beide Male der zum Ende der letzte Saison gewogene und als zu leicht befundene Aussenverteidiger Silvan Sidler erfolgreich. Aktuell hat er Patrick Farkas, der Neuverpflichtung von Red Bull Salzburg, den Rang abgelaufen.

Fabio Celestini kam zum unvorteilhaften Schluss, dass «wir es gegen GC in jedem wichtigen Moment nicht so gut gemacht haben. Das zeigt die Zerbrechlichkeit meiner Mannschaft.»

Er erwarte von seiner Mannschaft in Zukunft ein höheres Level im Umgang mit dem Ball. Damit sprach Fabio Celestini indirekt das mangelnde Angriffsspiel seiner Mannschaft an.

Mit dem blass gebliebenen Schaub-Nachfolger Samuele Campo, dem schon lange neben den eigenen Schuhen stehenden Yvan Alounga, dem ein paar gute Ansätze zeigenden Nikola Cumic und dem defensiv inferioren Varol Tasar sind die Sorgenfalten auf der Stirn von Fabio Celestini bestimmt nicht kleiner geworden.

Aber wer bringt den so dringend benötigten Kitt in sein fragiles Team?

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2 Kommentare
  1. Mac Tanner, 13.09.2021, 09:01 Uhr

    Bisher hat der FC Luzern vom Bund rund 2,5 mio. CHF Fördergelder erhalten. Eine gute Investition, wie ich finde…… Oder kenn jemand ein anderes Theater, welches für so wenig Steuergeld, zuverlässig Jahr für Jahr so einen riesen Theater präsentieren kann?

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  2. Ivan W, 12.09.2021, 11:35 Uhr

    Sorgic ist ein Knipser und ist dann am Besten, wenn er «Abstauben» kann. Seit dem Abgang von Schaub gibt es keine überraschenden Elemente im Spiel des FCL. Es fehlt ein Stoss-Stürmer, der in die Tiefe geschickt werden kann, Abschlüsse sucht und somit Abpraller provoziert. Tasar funktioniert übrigens wie Sorgic. Ihn hinter den Spitzen einzusetzen ist wohl auch nicht die Topidee. Nicht gesehen nach seiner Einwechslung gestern.

    Und Frydek würde ich auf den Flügel versetzen, allem Anschein nach ist verteidigen nicht sein Ding. Wieso sonst läuft der planlos nach vorne unter dem Motto: Nach mir die Sintflut?

    Viele Baustellen, die schnellstmöglich geschlossen werden müssen. Denn ich stimme mit Herr Ineichens Aussage nicht zu; es sind SCHON sechs Spiele verstrichen, die Zeit drängt. Je länger man so spielt, desto grösser der Abstand zur Spitze. Und an der will man sich ja messen.

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