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ÖV-Nutzung: Zuger sind Schweizer Meister
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In der Nähe des Bahnhofs Rotkreuz soll eine 5G-Antenne gebaut werden. (Bild: Kanton Zug)

Warum ist die GA- und Halbtax-Dichte so hoch? ÖV-Nutzung: Zuger sind Schweizer Meister

4 min Lesezeit 2 Kommentare 14.12.2018, 18:03 Uhr

In keinem anderen Kanton ist die GA- und Halbtaxdichte so hoch wie in Zug. Nanu? Dabei haben in diesem Kanton doch auch überdurchschnittlich viele Personen ein Auto. Erklärungen dafür gibt es. Auch wenn man etwas spekulieren muss.

Im Kanton Zug scheint man dem öffentlichen Verkehr wie sonst nirgends in der Schweiz zu frönen. Verfügen durchschnittlich knapp 30 Prozent der Schweizer Bevölkerung über ein Halbtax-Abo und rund fünf Prozent über ein Generalabo (GA), besitzen im Kanton Zug 40 Prozent der Einwohner ein Halbtax und deren sieben ein GA, wie die neusten Zahlen der SBB zeigen.

Am Tabellenende bezüglich ÖV-Abos befindet sich übrigens der Kanton Tessin. Nur 11 Prozent der Südschweizer verfügen über ein Halbtax, etwa ein Prozent der Tessiner besitzt ein GA. Eine Erklärung dafür könnte sein, dass der Tessin über ein eigenes Abonnement verfügt. Anders wie in Zug oder etwa im Kanton Aargau müssen Pendler im Tessin wohl nur selten die Kantonsgrenzen überschreiten, um zur Arbeit oder in die Schule zu gelangen.

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Schaut man sich die Sache in Zug genauer an, entdeckt man frappante Unterschiede zwischen den Gemeinden. Mit Abstand die meisten Abonnenten zählt die Stadt Zug. Sowohl in absoluten als auch in relativen Zahlen. Zehn Prozent der Stadtzuger haben ein GA, 47,4 Prozent ein Halbtax. Die grössten ÖV-Muffel hingegen wohnen in den Berggemeinden. Etwa in Oberägeri. Gerade einmal 219 Menschen und damit 3,6 Prozent der 6059-Seelen-Gemeinde besitzen ein GA. Im Durchschnitt am wenigsten Halbtax-Abonnenten verzeichnet Menzingen mit gerade mal 32,6 Prozent.

Wie die Grafik zeigt, nimmt die Zahl der GA- und Halbtax-Abonnenten in der Stadt Zug seit vier Jahren zu. Dies, nachdem in den Jahren 2012–2014 quasi eine Stagnation festzustellen war:

 


Die tiefen Zahlen in den Berggemeinden sind wenig überraschend, kann doch davon ausgegangen werden, dass besonders dort der öV besonders häufig genutzt wird, wo das Angebot umfangreich ist. Wohnt man etwa in Alosen oder Finstersee, ist man mit dem Auto deutlich mobiler denn mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Zur Veranschaulichung: Der letzte Bus hält am Freitagabend kurz vor 22 Uhr in Alosen.

Hohe Auto- und gleichzeitig hohe GA-Dichte

Dass in der Stadt Zug derart viele Menschen über ein Halbtax oder GA verfügen, ist dennoch erstaunlich. Gerade anbetracht dessen, dass die Stadtzuger auch eifrige Autofahrer sind. Laut den Bundesamt für Statistik verfügen in Zug pro 1000 Einwohner 613 über ein Auto. Der schweizweite Durchschnitt liegt bei 537 Autos auf 1000 Einwohner. Es ist davon auszugehen, dass hier der Wohlstand eine massgebliche Rolle spielt. Ein Halbtax-Abo für 185 Franken leisten sich wohl viele Zuger, ohne gross darüber nachzudenken.

 

Doch das sind alles nur Mutmassungen. Wir wollen harte Fakten. Und fragen die nationale Tariforganisation CH-Direkt, bei der sich 250 Transportunternehmen zusammengeschlossen haben. Deren Mediensprecher Thomas Ammann sagt zwar, dass genau zu diesem Thema noch nie Erhebungen gemacht wurden, doch vertröstet er uns mit «Spekulationen, die auf Erfahrungswerten beruhen». Immerhin etwas.

Sind Tessiner alles ÖV-Muffel? So einfach ist es wohl nicht

So erklärt Ammann: «Grundsätzlich sind Unterschiede zu spüren, je nachdem, ob sich die Kantone nahe von Ballungszentren befinden. Und gerade auch Zug ist einer davon.» Will heissen, von Zug aus wird viel gependelt. Nach Luzern, nach Zürich oder auch nach Bern. Weiter spiele auch eine grosse Rolle, inwiefern eine Region über Tarifverbunde verfügt. In Zug kennt man zwar den Zuger Pass, doch ist der Kanton so klein, dass man sich innert Minuten ausserhalb dessen Grenzen bewegt.

«Zwar gibt es für Pendler nach Zürich eine Variante des Zürcher Z-Pass, der auch Zug und Schwyz einschliesst, doch ist der Preis dann so hoch, dass sich ein GA je nach Fahrverhalten schon fast lohnt», so Ammann.

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2 Kommentare
  1. Franz Peter Dinter, 15.12.2018, 13:21 Uhr

    Sie schreiben: “Im Kanton Zug scheint man dem öffentlichen Verkehr wie sonst nirgends in der Schweiz zu fröhnen.” Schauen Sie mal hier: https://www.korrekturen.de/beliebte_fehler/froehnen.shtml

    1. Redaktion Jonas Wydler, 15.12.2018, 13:28 Uhr

      Danke fürs aufmerksame Lesen. Der Fehler ist jetzt behoben.