ÖV-Angebot in Luzern: 2035 ist die Zitrone ausgepresst
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Wie sind wir in Zukunft mit Bahn und Bus unterwegs? (Bild: Emanuel Ammon/AURA)

Mehr S-Bahnen, E-Busse und Halbstundentakte ÖV-Angebot in Luzern: 2035 ist die Zitrone ausgepresst

5 min Lesezeit 2 Kommentare 21.07.2021, 05:00 Uhr

Luzerns längerfristige ÖV-Planung ist komplett an den Durchgangsbahnhof gebunden. Der kommt wohl erst in 20 Jahren. Wie sind wir bis dahin unterwegs? Welche neuen Bus- und Bahnverbindungen sind geplant? Und welche verschwinden? Hier erfährst du es.

Was liegt für Luzern noch drin? Beim öffentlichen Verkehr wird es diesbezüglich immer enger. Insbesondere der Kopfbahnhof Luzern verunmöglicht heute einen grösseren Ausbau des Angebots auf der Schiene. Und auch für Verbesserungen beim Busangebot ruhen die Hoffnungen auf einem neu gestalteten Bahnhof.

Bis 2035 sind aber dennoch diverse Optimierungen an den Linienführungen und den Fahrplänen von Bus und Bahn vorgesehen. Luzernerinnen müssen aber auch mindestens eine deutliche Verschlechterung in Kauf nehmen. Nachfolgend, in chronischer Reihenfolge, die bisher bekannten Pläne für den Luzerner ÖV. Die Neuerung und Änderungen treten jeweils im Dezember des Vorjahres mit dem Fahrplanwechsel in Kraft.

2022: Neue S-Bahn-Linie und neue E-Busse

Neue S-Bahn (S41): Die S41 wird eine weitere Verbindung von Luzern Bahnhof nach Horw sein. Die neue Linie ergänzt die bestehenden S-Bahnen S4 und S5. Die S41 verkehrt von Montag bis Freitag während den Hauptverkehrszeiten. Geplant sind vorerst zwei Kurspaare morgens und vier Kurspaare nachmittags.

Pilotprojekt mit E-Bus: Fünf Buslinien, auf denen heute herkömmliche Dieselbusse fahren, werden auf E-Busse umgestellt. Damit wollen die lokalen ÖV-Anbieter die Möglichkeiten von sogenannten Depotladerbatteriebussen testen, ohne gleich die gesamte Flotte umzustellen. Folgende fünf Linien wurden als «Pilotlinien» ausgewählt:

  • Linie 10, Obergütsch–Luzern Bahnhof
  • Linie 60, Buttisholz Dorf–Ruswil Rottalcenter–Rothenburg Bahnhof
  • Linie 64, Wolhusen Spital–Wolhusen Bahnhof–Ruswil Rottalcenter
  • Linie 70, Sempach-Neuenkirch Bahnhof–Neuenkirch–Rothenburg Bahnhof
  • Linie 89, Sempach-Neuenkirch Bahnhof–Eich–Gunzwil Bäch

2023: Neue Züge für das Luzerner Hinterland

S-Bahn S77: Auf der S-Bahn-Linie S 77 zwischen Luzern und Willisau wird neues Rollmaterial eingesetzt. Die Linie wird von den BLS betrieben. Neu werden einstöckige Niederflurzüge von Stadler Rail mit dem Namen Mika zum Einsatz kommen. Gemäss Informationen der BLS verfügen diese Züge über eine Bistrozone mit Snack- und Kaffeeautomaten und speziellen Scheiben, die für einen «optimierten Handyempfang» sorgen sollen.

2024: S-Bahn-Verlängerung, neue Buslinie nach Littau

Buslinie 3: Im Luzerner Stadtteil Littau findet derzeit eine grosse Siedlungsentwicklung statt. Abgedeckt wird Littau derzeit vor allem durch die VBL-Linie 12 – auf dieser Linie ist ein Dieselbus im Einsatz. Um dem Wachstum im Ortsteil Littau gerecht zu werden, soll ein Doppelgelenk-Trolleybus (wie heute etwa auf den Linien 1 und 2) eingesetzt werden.

Der deutlich grössere Bus wird zudem auf einer verlängerten Linie zum Einsatz kommen. Die neue Linie 3 soll von Littau Gasshof via Bahnhof Luzern bis ins Würzenbach-Quartier fahren. Abhängig von der Siedlungsentwicklung wird die Linie 3 auf einen späteren Zeitpunkt hin von Gasshof bis nach Tschuopis am westlichen Zipfel Littaus verlängert.

S-Bahn S77: Die S77 (Luzern–Willisau) soll bis nach Zell verlängert werden. Dies erlaubt mehr und kürzere Verbindungen im Luzerner Hinterland und im Rottal.

E-Busse: Auf folgende Linien sollen Batterietrolleybusse zum Einsatz kommen:

  • Linie 8 (Luzern Hirtenhof – Luzern Würzenbach)
  • Linie 19 (Luzern Bahnhof – Luzern Friedental)
  • Linie 30 (Littau Bahnhof – Ebikon Bahnhof)

2025: Neu Haltekanten, neue Züge

Durchmesser-Haltekanten: Zusätzliche Durchmesser-Haltekanten am Bahnhof Luzern ermöglichen neue Direktverbindungen sowie die Entlastung des Bahnhofplatzes. So können etwa die Linien 8 und 19 verknüpft werden.

Luzern–Sursee–Olten: Beim Regionalexpress Luzern–Olten sollen Doppelstockzüge eingesetzt werden. Möglicherweise kommen zusätzliche Verbindungen zu Hauptverkehrszeiten mit der neuen S11 Luzern-Sursee hinzu (befindet sich in Prüfung).

Luzern-Engelberg: Auf dem Interregio Luzern–Engelberg werden neue Adler/Fink-Züge der Zentralbahn eingesetzt.

2028: Grossprojekt im Rontal

Abstellanlage Dierikon: Wann genau der Baubeginn für den Durchgangsbahnhof Luzern erfolgt, steht noch nicht fest. Politisch ist die Neugestaltung des Bahnhofs noch nicht in trockenen Tüchern (zentralplus berichtete). Vorgesehen ist ein Baustart um das Jahr 2030 herum.

Um den geplanten Durchgangsbahnhof zu ermöglichen, müssen bereits im Vorfeld flankierende Massnahmen ergriffen werden. Aus diesem Grund soll 2028 der Baubeginn für eine Abstellanlage bei Dierikon erfolgen. Diese soll 13 Gleise umfassen, um die zusätzlichen Züge über Nacht und in den Nebenverkehrszeiten abzustellen.

Mehr dazu erfährst du im Erklärvideo der SBB:

2030: Halbstundentakt nach Engelberg

Luzern–Engelberg–Interlaken: Die Kapazitäten zwischen Luzern, Stans und Engelberg sowie über den Brünig sollen ausgebaut werden. Dazu wird ein Halbstundentakt zwischen Luzern und Engelberg eingeführt. Zudem sollen zusätzliche Züge zwischen Luzern und Interlaken verkehren.

2032: Halbstundentakt nach Bern, nach Basel wird komplizierter

Luzern–Bern: Der langersehnte Halbstundentakt nach Bern soll endlich Realität werden. Ursprünglich hätte dies bereits 2025 der Fall sein sollen. Die Pläne dafür wurden auf der Prioritätenliste aber zurückgestuft. Die zusätzliche Verbindung könnte aktuell sogar erst 2032/33 den Betrieb aufnehmen (zentralplus berichtete).

Luzern–Basel: Statt der heute zwei Verbindungen pro Stunde wird nur noch eine Verbindung direkt nach Basel führen. Die zweite Verbindung ist mit einem Umstieg in Zofingen verbunden.

2035: Vier Züge nach Zürich, nur einer nach Basel

Luzern–Zug–Zürich: Voraussetzung für einen Viertelstundentakt nach Zürich ist in erster Linie die Fertigstellung des Zimmerberg-Basistunnels 2. Zudem muss die Strecke zwischen Baar und Zug noch ausgebaut werden. Beides soll bis 2035 der Fall sein (zentralplus berichtete).

Luzern–Basel: Nach Basel wird es voraussichtlich ab diesem Zeitpunkt nur noch eine Verbindung pro Stunde geben. Dies aufgrund mangelnder Infrastrukturkapazität zwischen Basel und Olten und einer damit verbundenen Bevorzugung der Strecke Basel-Aarau-Zürich. Luzern–Basel würde praktisch zur einzigen Fernverkehrsstrecke, die im Stundentakt geführt wird.

Zirka 2040: Durchgangsbahnhof Luzern

Danach ist die Zitrone fürs Erste ausgepresst. Eine echte Angebotserweiterung liegt nicht mehr drin und es könnten wohl nur noch marginale Verbesserungen vorgenommen werden. Es bestehen aktuell für die Zeit nach 2035 und bis zur Realisierung des Durchgangsbahnhofs keine weiteren Ausbaupläne.

Die längerfristige Entwicklung des Luzerner ÖV-Angebots steht und fällt mit dem Durchgangsbahnhof. Dieser dürfte – Stand heute – um das Jahr 2040 in Betrieb genommen werden. Unter anderem könnte im Regionalverkehr (S-Bahn) der Viertelstundentakt die Regel statt die Ausnahme werden.

Der Durchgangsbahnhof hätte für Luzern aber auch grössere städtebauliche Veränderungen zur Folge. So wird aktuell diskutiert, wie das Bahnhofsareal künftig aussehen könnte (zentralplus berichtete). Mit dem ausgebauten Bahnangebot können Buslinien besser mit der Bahn verknüpft und teilweise neu geführt werden. Wie genau dies aussehen könnte, steht heute jedoch noch in den Sternen.

Im Erklärvideo der SBB werden die Ziele des Durchgangsbahnhofs zusammengefasst:

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2 Kommentare
  1. Schmoker Yves, 24.07.2021, 14:06 Uhr

    Grüezi Herr Osman

    Sie zählen insgesamt rund 20 Verbesserungen auf, die bis 2035 rund um den Bahnhof Luzern umgesetzt werden können. Eine Verschlechterung ist auf der Linie nach Basel vorgesehen (nur noch eine Direktverbindung pro Stunde). Trotzdem lautet der Titel dieses Artikels «ÖV-Angebot: Luzern erwartet deutliche Verschlechterung». Was soll das? Das hat doch nichts mit Qualitätsjournalismus zu tun sondern grenzt eher an öV-Bashing.

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    1. Redaktion Ismail Osman, 25.07.2021, 10:27 Uhr

      Guten Tag Herr Schmoker
      Besten Dank für Ihre kritische Rückmeldung.
      Ich gebe Ihnen recht, der Titel ist irreführend und wurde unnötig zugespitzt. Ich habe die ursprüngliche Version nun wieder übernommen.

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