Öko-Bau in Steinhausen: Wie der Zufall der Umwelt hilft
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Bauherrin Esther Struzina, hier in der Mitte zwischen Archtitekten und Wirtschaftsvertretern, wurde für die Verwendung von Schweizer Holz im modernen Holzbau ausgezeichnet. (Bild: zvg)

Wie Nachhaltigkeit im Bau belohnt wird Öko-Bau in Steinhausen: Wie der Zufall der Umwelt hilft

3 min Lesezeit 29.09.2021, 16:58 Uhr

Mit Holz aus der Umgebung lässt sich hoch und modern bauen – aber es kostet meist mehr als mit Stein und Stahl. In Steinhausen wurde nun eine neue Überbauung ausgezeichnet, wo sich das Bekenntnis zur Regionalität und Nachhaltigkeit ausbezahlt haben.

Steinhausen, ehemals ein idyllisches Bauerndorf, ist heute nicht nur eine schnell wachsende Vorstadt im Umbruch. Sie ist auch so etwas wie ein regionales Zentrum für nachhaltiges Bauen, seit ein Holzbauunternehmen aus Sursee in Steinhausen ein sechsstöckiges Miniergiehaus errichtete und 2007 vom Bundesamt für Energie damit dem Preis Watt d’Or ausgezeichnet wurde.

Seither hat es im Bereich nachhaltiges Bauen grosse Entwicklungen gegeben. Es wird mit Holzverbundstoffen immer komplexer und höher gebaut, wie etwa auch ein kürzlich erstelltes Holzhochhaus in der Suurstoffi in Rotkreuz zeigt (zentralplus berichtete).

Wo Nussöl hergestellt wurde

In Steinhausen ist indes gerade eine weitere Überbauung entstanden, welche nicht nur in technischer, sondern auch ökologischer und ästhetischer Hinsicht interessant ist. Es ist eine Siedlung auf dem bisher unüberbauten Land der zentrumsnahen Liegenschaft Oele. Der Bauernhof heisst so, weil hier früher Baumnussöl gepresst wurde, der grosse dunkle Holzbau ist immer noch emblematisch für Steinhausen.

Nun wird das Land um das herrschaftliche Gehöft der Familie Zürcher schrittweise überbaut. Gefragt war daher eine städtebauliche Gesamtkonzeption, die sowohl die altbäuerliche Substanz berücksichtigt wie auch klug mit den Aussenräumen umgeht. Dazu hat die Baarer Architektengemeinschaft Röck Baggenstos /Amrein Herzig für eine erste Bauetappe drei siebenstöckigen Gebäudeköper als reine Holzbauten entworfen. «Das war harte Arbeit», sagt Architekt Thomas Baggenstos: «Denn das Projekt sollte auf allen Ebenen überzeugen – städtebaulich, architektonisch und konstruktiv.»

In der fertiggestellte Überbauung wurden knapp 2000 Kubikmeter Holz verbaut. Darin gebunden sind 1440 Tonnen des Treibhausgases Kohlendioxid. Das ist ungefähr so viel, wie 285 Einwohnerinnen der Schweiz in einem Jahr produzieren.

Die «Oele 4» kürzlich vom Schweizer Holzwirtschaftsverband Lignum ausgezeichnet. Das Label HSH steht für «Herkunftsland Schweizer Holz» und wird für Bauten verliehen, die zu mindestens 80 Prozent aus Schweizer Holz besteht – in Steinhausen waren es 92 Prozent.

Korporation Zug importierte Bauholz aus Deutschland

Das ist insofern bemerkenswert, als das moderne Bauen mit dem nachwachsenden Rohstoff Schweizer Holz in der Vergangenheit nicht nur ein konstruktive Herausforderung war, sondern auch eine wirtschaftliche. Es war teuer. Unvergessen ist die Episode, als die Korporation Zug, die selber 100 Hektaren Wald besitzt, 2008 auf dem Vordergeissboden ein neues Forstdepot als Holzbau errichtete und das nötige Holz aus Deutschland importierte. Das kam günstiger, als es in der Schweiz zu beschaffen.

«Die Verwendung von Schweizer Holz war für uns ein Anliegen, weil wir in Steinhausen Wald besitzen.»

Esther Struzina, Oele Immobilien AG

Bei der Oele Immobilien AG, welche die Überbauung der Liegenschaft in Steinhausen realisiert, steht man zum Thema Nachhaltigkeit anders. «Die Verwendung von einheimischem Holz war für uns ein Anliegen, weil wir selber über die Waldgenossenschaft Steinhausen Wald besitzen», sagt die Geschäftsführerin Esther Struzina. Den Nachhaltigkeitsgedanken versteht sie aber auch als Bekenntnis zur Regionalität und hat für die Realisierung der Überbaung konsequent Architekten, Baufirmen und Handwerker aus der Umgebung berücksichtigt.

Baustoffe sind knapp und teuer geworden

Bei Beginn der Planungen hat man daher auch einen Aufpreis gegenüber der billigsten Lösung eingerechnet. Allerdings ist den Holzbauern der Zufall zur Hilfe gekommen. Weil sich international die Baustoffe verknappt und innert Jahresfrist auch bis zu 70 oder 80 Prozent verteuert haben, ist Schweizer Holz wirtschaftlich plötzlich wieder konkurrenzfähig geworden.

«Ein bisschen teurer war die Verwendung von Schweizer Holz am Schluss zwar schon noch», sagt Struzina. Aber weil beim modernen Holzbau viele vorgefertigte Elemente verwendet werden, konnten die Holzbauten schneller vollendet werden als dies mit Beton und Ziegeln der Fall gewesen wären. Die 53 Wohnungen und 2 Studios stehen nun früher zur Verfügung. «Und weil wir alles vermieten, haben wir so nun auch zwei oder drei Monate zusätzliche Einnahmen», sagt Struzina.

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