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Oberflächlicher Klischeesalat mit fader Sauce
  • Kultur
  • Rezension
Die Sopranistin Lisa Brunner überzeugt vor allem mit ihrem Gesang. (Bild: Daniela Herzog)

Comedy im Kleintheater Luzern Oberflächlicher Klischeesalat mit fader Sauce

3 min Lesezeit 01.11.2017, 12:27 Uhr

Die Comedy-Gruppe «Wilde Weiber» boten am Dienstagabend ein Programm aus Stand-up, Musikkabarett und Poetry Slam. Mit Themen wie Fairfood, Internetdating und Ritalin trafen die Komikerinnen zwar den Nerv der Zeit. Die humoristischen Pointen bauten vor allem auf altbackene Klischees und klassischen Geschlechterrollen auf.

Vor vollem Haus tritt Daniel Gundelfinger, Festivalkurator des Comedyfestivals «Lozärn lacht», auf die Bühne und begrüsst das Publikum zur 18. Ausgabe der «Wilden Weiber» unter der Moderation von Anet Corti. Die quirlige Moderatorin stolpert sogleich auf die Bühne und wärmt das Publikum mit falsch ausgesprochenen Anglizismen und kleinen Geschichten aus dem Alltag auf.

Manchmal finden sich sogar schmunzelnswerte Sprachspiele: Die Leiden des jungen Bänkers beschreibt sie mit «ohni Boni goni. Peng!». Im Sixties-Look mit Hornbrille, Hochsteckfrisur, gelbem Jupe und rotem Jäckchen mimt sie dabei die naive, nervöse und unsichere Frau.

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Bereits jetzt zeigt sich deutlich: Corti spielt gerne mit den klassischen Geschlechterrollen. Trotz flachem Humor und vorhersehbaren Pointen scheint das Publikum Gefallen an ihr gefunden zu haben. Eine Laola-Welle soll vielleicht dazu dienen, diejenigen aufzuwärmen, die nichts mit ihrem Humor anfangen können.

Bunt zusammengewürfeltes Quartett

Während Corti bereits zum 18. Mal die Moderation innehat, werden die anderen Komikerinnen immer wieder neu zusammengewürfelt. Mit der Lokalmatadorin und Musikkabarettistin Lisa Brunner, der Berliner Poetry-Slammerin Lillemor Kausch und der Stand-up-Comedienne Melanie Baumann sollte eigentlich ein unterhaltsamer und abwechslungsreicher Abend vorprogrammiert sein.

Doch irgendwie kommt der Humor nicht immer an. Lisa Brunner versucht sich an einer klischeehaften Typenparodie der Sesselliftfahrer. Obwohl man einige Typen zwar wiederzuerkennen scheint, so zum Beispiel der Bünzlischweizer, der sich über die ungeschulten ausländischen Arbeitskräfte beklagt, schafft Brunner es nicht, die sechs Typen genügend zu differenzieren. Vielmehr vermag sie mit ihren musikalischen Einlagen zu trumpfen.

So spielt sie im zweiten Teil mit dem Publikum das Spiel Stadt, Land, Fluss mit der einzigen Spalte Schweizer Lieder. Das scheinbar homogene Publikum spielt motiviert mit und erfreut sich an Rebers «Hippigspängstli», Hofers «Giigerig» und DJ Bobos «Freedom». Beherzt singt das Kleintheater-Publikum beim Refrain von «Ewigi Liebi» gleich selber mit.

Stimmungsvolles Kopfkino

Die Swiss-Comedy-Newcomer-Award-2017-Gewinnerin Melanie Baumann spielt eine an Burnout erkrankte Stalkerin, die ihre Anti-Depressiva gerne auch gegen Ritalin auf dem benachbarten Schulhof tauscht. Mit schwarzem Humor und bissigen Pointen findet sie einige Lacher im Publikum. Wirklich zu überzeugen vermag leider auch sie nicht.

Die beste Performance des Abends liefert die Poetry-Slammerin Lillemor Kausch. Melodiös und temporeich liest sie ihre Texte und schafft solch stimmungsvolle Bilder, dass einem ein richtiges Kopfkino abläuft.

Höhepunkt ist die Schilderung ihres Wochenenddienstes auf einer Notaufnahme, wo sie neben der Vergabe des Promille- und Analpokals die stockkonservative Mutter auf eine Berliner Prostituierte treffen lässt. Letztere muss zur Gynäkologin, weil sie seit drei Wochen ihre Tage hat: «Nix Fikifiki, wenns Sparschwein blutet.»

Die vier Frauen ernten viel Applaus (v.l. Lillemor Kausch, Melanie Baumann, Lisa Brunner, Anet Corti).

Die vier Frauen ernten viel Applaus (v.l. Lillemor Kausch, Melanie Baumann, Lisa Brunner, Anet Corti).

(Bild: Daniela Herzog)

Tradierte Geschlechterrollen

Doch auch Kausch verfällt den tradierten Geschlechterrollen. In ihrer letzten Geschichte personifiziert sie die Spermien als zwei coole Typen, Karl und Harry, und lässt diese durch die Vagina hindurchkämpfen. Auf der gegenüberliegenden Seite klingt es anders: «Ladys!». Mit hoher Stimme und viel Tamtam macht sie aus den Eiern kleine Divas.

Noch viel überspitzter stellt Anet Corti die Männer dar. Als Stefanie Tschopps parodiert sie den Apple-Giganten und präsentiert anhand eines aufwändig inszenierten Videos den neuen iMan: Er kann schwere Taschen schleppen und übernimmt dank der Men-Pay-Funktion gerne die Bezahlung. Schade, dass sich die Frauen damit selber disqualifizieren.

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