«Ob wir es wollen oder nicht: Jugendliche kommen mit Drogen in Kontakt»
  • Gesellschaft
Jugendliche sehen Drogen manchmal als Lösung ihrer Probleme. (Bild: Unsplash/Thought Catalog)

Referat über Umgang mit Suchtproblematik «Ob wir es wollen oder nicht: Jugendliche kommen mit Drogen in Kontakt»

3 min Lesezeit 27.08.2020, 17:29 Uhr

Die Verlockung, Probleme mit Drogen zu lösen, ist besonders bei Jugendlichen hoch. Früherkennung und Prävention sind deshalb besonders wichtig. Damit Eltern und Bezugspersonen richtig reagieren können, hat die Stadt Luzern ein öffentliches Referat organisiert.

Die erste Liebe, die Abnabelung von den Eltern, die erste Lehrstelle: In der Jugend stellt das Leben besonders viele Hürden, der Druck ist besonders gross. Manche Jugendliche glauben, die Lösung in den Drogen zu finden.

Dagegen will die Stadt Luzern etwas unternehmen. Am Donnerstagabend um 19.30 Uhr findet im Neubad ein kostenloses öffentliches Referat unter dem Titel «Im (Alb-)Traum des Rausches: Jugendliche und die Versuchung der Drogen» statt. Ziel ist es, insbesondere Eltern und Bezugspersonen Informationen zu vermitteln, wie sie problematische Tendenzen frühzeitig erkennen können und in solch schwierigen Situationen reagieren sollen.

«Wenn eine Suchtproblematik auftaucht, behindert sie das ganze weitere Fortkommen.»

Oliver Bilke-Hentsch von der Luzerner Psychiatrie

Referieren werden zwei Experten. Einer von ihnen ist Oliver Bilke-Hentsch, Leiter der Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienste der Luzerner Psychiatrie. «Junge Menschen stehen vor vielfältigen, sehr konkreten sogenannten Entwicklungsaufgaben, die sich nicht einfach wiederholen lassen, wie die erste Lehrstelle, der Ausbildungsbeginn, die Maturaprüfung, die Lehraschlussprüfung. Wenn dann eine Suchtproblematik auftaucht, behindert sie das ganze weitere Fortkommen», sagt Bilke-Hentsch.

Toni Berthel, Psychiater, Psychotherapeut und Suchtmediziner, betont, wie wichtig es ist, hinzuschauen und Veränderungen wahrzunehmen. Denn gerade Mischkonsum von verschiedenen psychoaktiven Substanzen sei sehr gefährlich.

Vier Jugendliche starben an Drogencocktails

Das zeigen auch zwei Fälle vom Frühling: Ein 20-Jähriger und eine 18-Jährige sind wegen Mischkonsums gestorben (zentralplus berichtete). Die Kombination der Substanzen war tödlich.

Und sie sind nicht die einzigen, die der Versuchung nicht widerstehen konnten. Schon 2018 starben zwei Jugendliche an einem Drogencocktail. Es ist die Spitze des Eisbergs: Vor einem Jahr meldete die Luzerner Staatsanwaltschaft, dass ein Drogenring aufgedeckt wurde, dem 50 Personen angehörten. Die jungen Menschen zwischen 16 und 21 Jahren bestellten im Darknet Drogen, konsumierten sie und verkauften sie weiter (zentralplus berichtete). Mit den Todesfällen hat der Ring allerdings nichts zu tun.

Die Luzerner Politik zeigte sich nach dieser Nachricht besorgt. Die Behörden haben bereits reagiert: Polizisten klären Schüler aktiv im Klassenzimmer über den Missbrauch von Drogen, Alkohol und Medikamenten auf.

Auch Gleichaltrige stehen in der Verantwortung

«Ob wir es wollen oder nicht: Jugendliche kommen in ihrer Entwicklung mit psychoaktiven Substanzen in Kontakt. Als Eltern und als Gesellschaft müssen wir bereit sein, sie auf diesem Weg konstruktiv zu unterstützen», sagt Berthel. Er weist darauf hin, dass Eltern meist die Letzten seien, die von der Suchtentwicklung etwas mitbekämen, auch wenn sie noch so aufmerksam seien. «Deswegen sind die verantwortungsvollen Gleichaltrigen, Lehrmeisterinnen und Lehrmeister sowie Lehrpersonen von besonderer Wichtigkeit in der Früherkennung von Suchtentwicklungen.»

Einzelberatungen für junge Menschen zwischen 12 bis 25 Jahren und Beratungsgespräche für Eltern und Bezugspersonen bietet in der Stadt Luzern die Jugend- und Familienberatung CONTACT an.

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