«Nur von Montag bis Donnerstag sind Zuger Hotels gut gebucht»
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«Die Kirsche ist ein Teil der DNA von Zug»: Nicolas Ludin, Geschäftsführer von Zug Tourismus. (Bild: zvg)

Gibt’s langsam nicht zu viele Herbergen im Kanton? «Nur von Montag bis Donnerstag sind Zuger Hotels gut gebucht»

5 min Lesezeit 10.04.2018, 09:38 Uhr

In Steinhausen soll bis Ende nächsten Jahres ein neues Businesshotel mit 120 Doppelzimmern entstehen. Die Frage ist, ob die vorhandenen Hotels nicht ausreichen – denn nach Zug zieht’s noch nicht so viele Gäste. Doch Nicolas Ludin, neuer Chef von Zug Tourismus, verrät im Interview mit zentralplus, warum ein weiteres Hotel so wichtig ist für Zug.

zentralplus: Herr Ludin, wie stark sind die Hotels in Zug derzeit im Schnitt ausgelastet?

Nicolas Ludin: Ich bin erst seit dem 1. April offiziell als Geschäftsführer von Zug Tourismus tätig. Damit ich diesbezüglich eine verlässliche Aussage machen kann, habe ich mich mit meinen Hoteliers-Kollegen ausgetauscht. Generell kann gesagt werden, dass die Hotels von Montag bis Donnerstag sehr gut gebucht sind, an den Wochenenden die Hotelauslastung jedoch eher tief ist.

zentralplus: Wie viele Hotels sind bei Ihnen bei Zug Tourismus denn gemeldet?

Ludin: Der Verband der hotelleriesuisse Zugerland zählt 12 Hotelbetriebe als Mitglieder. Zusätzlich gibt es im Kanton noch kleinere Betriebe mit zwei bis drei Zimmern, welche vereinzelt Übernachtungsmöglichkeiten anbieten. 

«An den Wochenenden ist die Gästestruktur je nach Zuger Hotel und Hotelkapazität unterschiedlich.»

zentralplus: Sind eigentlich nach wie vor Geschäftsleute die Hauptklientel der Zuger Hotels?

Ludin: Statistisch werden die Geschäftstouristen und die Individualtouristen nicht unterschiedlich erfasst. Auch hier verweise ich auf meinen Austausch mit den Hoteliers. Von Montag bis Donnerstag sind es primär Geschäftsleute, welche in Zug übernachten. An den Wochenenden ist die Gästestruktur je nach Zuger Hotel und Hotelkapazität unterschiedlich. Im Parkhotel Zug steigen beispielsweise an den Wochenenden Gruppen sowie Individualtouristen ab.

Das Parkhotel Zug an der Industriestrasse. Es ist momentan neben dem City Garden das einzige Hotel im Luxussegment (4 Sterne Superior). An Wochenenden steigen hier auch Gruppen und Individualtouristen ab.

Das Parkhotel Zug an der Industriestrasse. Es ist momentan neben dem City Garden das einzige Hotel im Luxussegment (4 Sterne Superior). An Wochenenden steigen hier auch Gruppen und Individualtouristen ab.

(Bild: wia)

 

zentralplus: Welchen Anteil an Zuger Hotelgästen nehmen inzwischen Gäste aus Asien ein – soweit sich das sagen lässt?

Ludin: Hier muss ich auf die offizielle Logiernachtstatistik des HESTA verweisen. Im Jahr 2017 hatten die chinesischen Gäste einen Logiernachtanteil von 5,8 Prozent und die indischen Gäste einen von 4,8 Prozent. Gegenüber dem Vorjahr bedeutet dies sicher eine Zunahme. Erholt sich die Weltwirtschaft, steigt im Übrigen auch die Anzahl Businessreisender im internationalen Umfeld. Dies wirkt sich auch auf die Logiernächte aus.

«Wir sind bestrebt, durch die Vermarktung der diversen Angebote die Hotels dabei zu unterstützen, die Auslastung an den Wochenenden zu steigern.»

zentralplus: Welchen Anteil nehmen generell Touristen im Kanton Zug bei der Hotelbelegung ein?

Ludin: Der Kanton Zug ist klein aber fein und bietet eine Vielzahl an tollen Freizeit- und Kulturaktivitäten. Als kantonale Tourismusorganisation ist es uns wichtig, dass wir neben den Geschäftskunden auch den Markt der Individualtouristen bearbeiten. Der Kanton Zug ist optimal gelegen und eignet sich unter anderem ausgezeichnet für einen Wochenendtrip. Als Tourismusorganisation sind wir bestrebt, durch die Vermarktung der diversen Angebote die Hotels dabei zu unterstützen, die Auslastung an den Wochenenden zu steigern. 

zentralplus: Kann man sagen, es gibt zu viele Hotels im Kanton Zug, oder ist Zug Tourismus um jedes neue Hotel froh, das seine Pforten öffnet?

Ludin: Die Schliessung des Hotels Aesch in Walchwil sowie des Hotels Station in Zug haben dazu geführt, dass das Angebot an Logiernachtmöglichkeiten im Kanton zurückgegangen ist. Es kommt vor, dass wir bei Anfragen für Kongresse oder für grössere Meetings während der Woche den Veranstaltern zu wenig freie Zimmer anbieten können.

«Das kann dazu führen, dass die Veranstaltung deshalb in einem anderen Kanton durchgeführt wird.»

zentralplus: Was hat das für Konsequenzen?

Ludin: Das kann dazu führen, dass die Veranstaltung deshalb in einem anderen Kanton durchgeführt wird. Aus der Perspektive der Tourismusorganisation des Kantons Zug verträgt der Markt deshalb ein zusätzliches Hotel. Zudem trägt ein Hotel zur Belebung der Region bei – von welcher weitere Anspruchsgruppen wie die Gastronomie und das lokale Gewerbe profitieren.

Die beiden deutschen Investoren des Steinhauser Hotels sind optimistisch

Jörn Gatermann und sein Geschäftspartner Thomas Pfirrmann investieren in das neue geplante Business-Hotel mit 120 Doppelzimmern in Steinhausen (zentralplus berichtete). Gatermann leitete früher das Hotel Station in Zug. In Luzern führen er und sein Team in der Neustadtstrasse 16 das Hotel Fox. Zum Hotel-Projekt in Steinhausen äussert er sich gegenüber zentralplus sehr optimistisch.

«Das Hauptaugenmerk bei unserem geplanten Hotel in Steinhausen liegt direkt auf der Stadt Zug,» sagt Gatermann. Diese sei innert 4 Minuten mit der S5 von der Haltestelle Rigiblick erreichbar. «Ich selbst hatte mit dem Hotel Station Zug eine Auslastung von 78 Prozent. Insofern hält sich das Risiko für das Hotel-Projekt in Steinhausen in Grenzen.»

Gatermann: Zug hat zu wenig günstige Hotels für Businessleute

Grundsätzlich könne nicht von einer signifikanten Abnahme des Buchungsverhaltens bei Hotelgästen gesprochen werden. Zug werde an den Wochenenden auch gut von Individualtouristen angenommen. Jörn Gatermann: «Selbstverständlich gibt es hier noch entsprechendes Potenzial.»

Die beiden deutschen Hotel-Investoren Jörn Gatermann und Thomas Pfirrmann im Flugzeug über der Zentralschweiz – beim Auskundschaften neuer Hotelstandorte.

Die beiden deutschen Hotel-Investoren Jörn Gatermann und Thomas Pfirrmann im Flugzeug über der Zentralschweiz – beim Auskundschaften neuer Hotelstandorte.

(Bild: zvg)

Dass Zug ein weiteres Business-Hotel brauche, sieht Gatermann auch in der Tatsache, dass Geschäftsreisende unter der Woche eben oft auf andere Kantone ausweichen müssten, weil der Kanton Zug nicht genug Betten im günstigeren Segment biete. Grund: «Viele Firmen haben in ihren Spesenreglements für ihre Mitarbeiter ja teilweise Höchstpreise für Übernachtungen festgelegt, die im Kanton Zug oftmals nicht einzuhalten sind.»

Potenzial auch für Car-Touristen in Zug

Zudem sehen Gatermann und sein Geschäftspartner Thomas Pfirrmann auch die Chance, die Zuger Hotels an Wochenenden mit Carreisenden zu füllen, die in der Stadt Luzern in den Sommermonaten nicht unterkommen. «Weil keine Carstellplätze bei innerstädtischen Hotels in Luzern verfügbar sind, und weil die Preise für den Cartourismus im Sommer in Luzern zu hoch sind.»

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