Frank Braun von der Neugass Kino AG, die das Bourbaki Kino in Luzern betreibt, begrüsst den Entscheid des Bundesrats.
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Frank Braun von der Neugass Kino AG, die das Bourbaki Kino in Luzern betreibt, begrüsst den Entscheid des Bundesrats. (Bild: Marc Lustenberger)

Neue Massnahme des Bundesrats polarisiert Nur noch mit Zertifikat ins Kino: So reagiert das Bourbaki

4 min Lesezeit 11 Kommentare 08.09.2021, 16:54 Uhr

Der Bundesrat hat heute Nachmittag die Ausweitung der Zertifikatspflicht bekannt gegeben. Wer ab Montag in ein Restaurant, Kino oder Fitnesscenter gehen will, braucht dazu ein gültiges Covid-Zertifikat. Das Bourbaki-Kino in Luzern begrüsst den Entscheid. Andere hingegen nicht.

Die Überraschung über den neusten Beschluss des Bundesrats hielt sich in Grenzen. Bereits im Vorfeld der Pressekonferenz am Mittwochnachmittag hatte sich abgezeichnet, dass der Bundesrat die Ausweitung der Zertifikatspflicht beschliessen wird.

Eine Mehrheit der Kantone und der Sozialpartner hat einen solchen Vorschlag des Bundesrats befürwortet. Auch der Kanton Luzern sprach sich für eine Ausweitung der Zertifikatspflicht aus (zentralplus berichtete). Der Bundesrat will mit dieser Massnahme eine Überlastung der Spitäler verhindern, ohne gleichzeitig Betriebe und Einrichtungen schliessen und gewisse Veranstaltungen verbieten zu müssen.

So gilt nun also ab Montag: Wer in ein Restaurant, eine Bar, ein Kino, in ein Fitnesscenter, oder in diverse weitere öffentliche Innenräume will, muss ein gültiges Covid-Zertifikat vorweisen. Dieses wird bekanntlich geimpften, negativ getesteten oder genesenen Personen ausgestellt. Gleichzeitig entfällt damit die Maskenpflicht an allen Orten, wo ein Covid-Zertifikat vorgewiesen werden muss. Eine detaillierte Auflistung von zentralplus zu den neuen Beschlüssen des Bundesrats findest du hier.

Folgende Corona-Massnahmen gelten in der Schweiz ab Montag.

Von der neuen Massnahme sind zahlreiche Betriebe betroffen. Die jeweiligen Reaktionen auf den Entscheid des Bundesrats fallen sehr unterschiedlich aus.

Einfach keine Schliessung mehr

Ab Montag gilt die Zertifikatspflicht also auch in Kinos. Die Neugass Kino AG, die unter anderem auch das Bourbaki-Kino in Luzern betreibt, begrüsst den Entscheid des Bundesrats. Auf Anfrage von zentralplus sagt Frank Braun, Mitglied der Geschäftsleitung: «Für uns ist es wichtig, dass wir die Kinos nicht schliessen müssen, wie das in den beiden Lockdowns der Fall war. Die Zertifikatspflicht ist sicherlich das kleinere Übel.»

Wie sich die Einführung des Covid-Zertifikats auf die Besucherzahlen auswirken wird, sei zurzeit schwer abzuschätzen. «Wir rechnen mit einem kurzfristigen Rückgang der Besucherzahlen. Doch längerfristig rechnen wir wieder mit einer Zunahme, weil die Impfbereitschaft steigen wird und mit dem Herbst auch das Wetter kinofreundlicher wird.»

Zudem würden sich durch die Zertifikatspflicht viele Leute sicherer vor einer Ansteckung im öffentlichen Raum fühlen und wieder vermehrt ins Kino gehen, vermutet Braun. Allerdings seien diese Annahmen zurzeit rein hypothetisch. Letztlich, so ist Braun überzeugt, werde auch das vielseitige Kinoprogramm im Herbst für gute Besucherzahlen sorgen. «Der neue James Bond-Film ist da nur die Spitze des Eisbergs.»

Eingangskontrollen vor dem Gebäude

Während die Auswirkungen des Zertifikats auf die Besucherinnenzahlen also noch unsicher sind, sind die Auswirkungen auf den Alltagsbetrieb in den Kinos schon konkreter: «Es gibt durch die Kontrolle der Zertifikate sicher einen personellen Mehraufwand», sagt Braun. Voraussichtlich werden die Kontrollen jeweils an den Eingangstüren der Kinogebäude stattfinden, sodass sich die Besucher im Innern des Gebäudes frei, also ohne Maske oder Abstandsregeln, bewegen können.

Wie Frank Braun sagt, sei eine solche Lösung auch für das Bourbaki-Kino in Luzern angedacht. Somit könne gleichzeitig sowohl das Zertifikat von Kinobesuchern als auch jenes von Gästen der Bar kontrolliert werden. Bezüglich der Eingangskontrolle sei man bereits in Absprache mit den anderen Nutzerinnen des Gebäudes, zum Beispiel die Stadtbibliothek oder der Kunsthalle, für welche ab Montag ebenfalls eine Zertifikatspflicht gilt.

Uneinigkeit in der Gastronomie

Die Zertifikatspflicht für die Innenräume von Restaurants hat in den vergangenen Tagen besonders stark polarisiert. So hatte GastroSuisse-Präsident Casimir Platzer verkündet, dass die Zertifikatspflicht einschneidende Massnahmen für die Gastronomie mit sich bringen würde. Der Präsident von GastroLuzern, Ruedi Stöckli, unterstützte diese Haltung und rechnet damit, dass die Umsatzeinbussen der Restaurants aufgrund der Zertifikatspflicht rund 30 Prozent betragen werden (zentralplus berichtete).

Allerdings gab es aus der Luzerner Gastronomiebranche auch Personen, die nicht denselben Kurs wie Platzer und Stöckli einschlugen. So etwa Christa Augsburger, Direktorin der Schweizerischen Hotelfachschule Luzern (SHL), welche Verständnis für eine mögliche Ausweitung der Zertifikatspflicht zeigte (zentralplus berichtete).

Nach der heutigen Pressekonferenz des Bundesrats zeigte sich GastroSuisse in einer Medienmitteilung erwartungsgemäss enttäuscht vom Entscheid, das Covid-Zertifikat auf Restaurants auszuweiten. Dieser sei aufgrund der Entwicklung der Corona-Situation der letzten Tage nicht nachvollziehbar. «Dieser Entscheid ist unverhältnismässig und führt zu einer krassen Ungleichbehandlung der Bevölkerung», wird Platzer in der Mitteilung zitiert.

Christa Augsburger von der SHL stand am Mittwoch für eine Stellungnahme nicht zur Verfügung.

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11 Kommentare
  1. Michel von der Schwand, 10.09.2021, 11:41 Uhr

    Aber schön die Krankenkassenkarte vorweisen, wenn dies in der Arztpraxis oder im Spital verlangt wird. An der Kasse in der Migros schon von Weitem mit der Cumulus-Karte um die Wette winken. Online noch schnell das schöne Kleidchen für das Wochenende bestellen und am Montag gleich wieder kostenlos zu retournieren. Der Sauglattismus dieser Bremser und Schwurbler ist schlechteste Satire. Das Geschwafel von «meine Daten, meine Daten» einfach nur lächerlich. WhatsApp wird gelöscht, aber auf Instagram posiert man und hofft auf «Follower». Einfach nur bescheuert! Keiner bringt eine Lösung. Es wird nur gebremst und die mit voller Absicht. Diese Demokratie-Taliban verschwinden hoffentlich bald.

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  2. Rudolf 1, 09.09.2021, 08:42 Uhr

    «Voraussichtlich werden die Kontrollen jeweils an den Eingangstüren der Kinogebäude stattfinden, sodass sich die Besucher im Innern des Gebäudes frei, also ohne Maske oder Abstandsregeln, bewegen können.» – Das ist immer noch verboten.

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  3. Roli Greter, 09.09.2021, 07:02 Uhr

    Bye-bye Bourbaki, zumindest solange es unter einem Unternehmen geführt ist welches dieses unsägliche Zertifikat unterstützt.

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    1. Rene, 09.09.2021, 10:15 Uhr

      Was sollen sie denn sonst machen? Das Kino aus Protest schliessen und dann mit Treicheln durch die Stadt ziehen?

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    2. Michel von der Schwand, 09.09.2021, 14:49 Uhr

      Bremser!

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  4. Emmerich, 08.09.2021, 21:41 Uhr

    Das heisst für mich ab Montag kein Kino, kein auswärts essen, etc. Ich warte nur noch darauf, dass Hüte aus Alufolie zur Pflicht werden, um schädliche Gamma Strahlen aus dem Weltall abzuwehren. Kommt bestimmt noch.

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  5. Fritz Müller, 08.09.2021, 21:09 Uhr

    Draussen auf der Terrasse eines Restaurant brauche ich kein Zertifikat, drinnen jedoch schon. Was mache ich wenn ich auf die Toilette drinnen muss und kein Zertifikat habe?

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    1. Eve, 09.09.2021, 19:19 Uhr

      Das darfst du. Selbstverständlich mit Maske. Diese Frage wurde an der Pressekonferenz beantwortet.

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  6. JR, 08.09.2021, 17:24 Uhr

    Es hat sich bei unseren obersten Behörden, Gesundheitsdirektoren, Spitaldirektoren und Intensivmedizinern nichts geändert seit dem allerersten Covid Fall. Die Spitalkapazitäten bleiben gottgegeben, sind so wenig beeinflussbar wie das tägliche Wetter.
    Jede Firma ist gezwungen, bei knappen Ressourcen Prozessoptimierungen zu initiieren und da kann ich aus eigener Erfahrung seit der Covid Pandemie sagen: Das kann sogar effizienzsteigernd sein und Ressourcen und Personal für andere wichtige Aufgaben frei machen.
    Was machen die Kantonalen Gesundheitsdirektoren, die Spitaldirektoren und die Chefärzte auf den Intensivstationen? Einfach nichts. Man beklagt sich über mangelnde Ressourcen und beruft sich auf Vorschriften der Schweizerischen Gesellschaft für Intensivmedizin (SGI). Man lässt die Pflegekräfte sich abschuften und konstatiert empört, dass immer mehr kündigen. Anstatt dass man hingeht und über Monate die Behandlungsmassnahmen von Covid Patienten auf Intensivstationen analysiert und aufgliedert, die Interventionsnotwendigkeiten auflistet, und diese Notwendigkeiten Leuten mit entsprechenden genügenden (!) Qualifikationen zuweist. Man muss mir nicht erzählen, dass es 4 oder 6 top ausgebildete IPS Pflegekräfte braucht, um einen Patienten vom Rücken auf den Bauch zu kehren. Auch ein Infusionswechsel kann durchaus durch einen Sanitätssoldaten oder Samariter durchgeführt werden. Dies nur wenige Beispiele, da gäbe es unzählige Detailschritte mehr. Damit werden die Topkräfte entlastet und es könnten sicherlich auch Kapazitäten ausgebaut werden. Wenn eine IPS-Fachkraft entsprechend mehr Hilfspersonal hat, welches für seine Tasks ausgebildet ist, dann kann sie die Pflegeleitung des Falls übernehmen und nur noch die nötigen Anweisungen geben, wo eben möglich. Es bräuchte halt einfach von den «Managing Clinic Directors und Doctors» etwas Wille zur Innovation und Veränderung. Aber es ist halt bequemer, wenn Bundesbern die Suppe auslöffelt und man jammernd sich über Ressourcenknappheit personeller und finanzieller Art beklagt. Wenn öffentlich immer wieder behauptet wird (mehrheitlich zu Recht), Herr Berset hätte einen schlechten Job gemacht, dann muss man dies aus meiner Sicht definitiv auf alle kantonalen Instanzen inklusive Entscheidungsträgern in den Kliniken ausweiten. Da steht der Bundesrat ganz sicher nicht alleine in der Pflicht, eher noch die Taskforce, deren Aufgabe es eigentlich wäre, solche Massnahmen aufzugleisen. – Aber was weiss ich schon. Ich muss mich ja nur mit weniger Ressourcen und Umsatzdruck in meiner Firma auseinandersetzen und neue (!) Lösungen finden. Von Politik und Medizin verstehe ich ja gar nichts…

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    1. Ein Wirt, 08.09.2021, 20:13 Uhr

      Zum Schlusssatz: Das merkt man (ohne Ironie).

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      1. JR, 10.09.2021, 09:43 Uhr

        Beeindruckend, Ihre differenzierte Argumentation.

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