Nur der Himmel ist die Grenze für diesen EV Zug
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Der entscheidende Moment beim Vorstoss der Zuger in die Halbfinals: Brian Flynn (mit Sven Senteler im Rücken) hat einen magistralen Pass von Raphael Diaz verwertet, Lugano-Goalie Elvis Merzlikins und ein Teamkollege liegen geschlagen am Boden. (Bild: Fabrizio Vignali)

Was ist den Zugern heuer noch zuzutrauen? Nur der Himmel ist die Grenze für diesen EV Zug

5 min Lesezeit 17.03.2019, 19:03 Uhr

4:0 nach Siegen über Lugano. Über den zweifachen Finalteilnehmer der vorangegangenen drei Saisons. Das macht Eindruck. Der EV Zug ist auf historischer Mission – dem Cupsieger winkt das Double. Er hat viele Stärken, aber auch eine Baustelle.

Positive Ereignisse beflügeln jeden Menschen. Mit Lugano hat der EV Zug einen der grossen Vier des Schweizer Eishockeys dieses Jahrtausends aus dem Titelrennen geworfen. Seit 2000 wurden nur Lugano, Davos, Bern und die ZSC Lions Meister. In diesem Frühling kann aus diesem Quartett bloss noch der SC Bern ein Wörtchen mitreden in der entscheidenden Phase der Meisterschaft.

Der EVZ hat sich mit vier Siegen in Folge über die Südtessiner ein gutes Gefühl für den weiteren Verlauf der Playoffs geholt. Und Dan Tangnes ist ein Stigma losgeworden. In seinem vierten Anlauf als Headcoach hat der Norweger zum ersten Mal eine Playoff-Serie gewonnen. Spätestens seit dem frühen Sonntagmorgen ist der letzte Zweifel an seinem Können aus der Welt geschafft worden.

Ein Spiegelbild der Qualifikation

Was sagt uns dieses 4:0 nach Siegen der Zuger über Lugano? Es bleibt bloss eine Schlussfolgerung: Nur der Himmel ist die Grenze für diesen EVZ. Das haben die Spieler im Verlauf der Meisterschaft unter Beweis gestellt. Dazu kommt ein entscheidender Vorteil im mentalen Bereich: Dieser EVZ darf den Titel gewinnen. Ab der nächsten Spielzeit muss der EVZ mit dem Zuzug der Titanen Leonardo Genoni und Grégory Hofmann Titel gewinnen.

Die Viertelfinal-Serie gegen Lugano war ein Spiegelbild der Qualifikation. Das 3:2 zum Auftakt dieses vermeintlich engen Duells und das 5:1 in Spiel 2 stehen für die Leichtigkeit, mit der der «Schnell-Zug» durch den ersten Teil der Meisterschaft raste.

Unerschütterliches Vertrauen zugelegt

Im dritten Spiel gelang es den Zugern, den Schalter nach 40 Spielminuten umzulegen, in denen sie schlechter als die Tessiner waren. Sie machten es so, wie sie es schon nach dem harzigen Schlussspurt in der Qualifikation taten (zentralplus berichtete).

Am Samstagabend haben sie abermals eine Antwort auf Widrigkeiten, die sie schon mit den vielen Verletzungen von Leistungsträgern durch die Saison begleiteten, gefunden. Der Gegner kämpfte mit letzter Kraft um einen Verbleib in der Serie, darüber hinaus musste der EVZ die Fehler seines indisponierten Torhüters ausbügeln.

Das Wissen darum, dass sie es mit Qualität, mit mentaler Stärke und mit Trotz können, muss der Mannschaft von Dan Tangnes in den letzten Tagen und Wochen ein unerschütterliches Selbstvertrauen verliehen haben.

Richtige Schlüsse aus vielen Ausfällen gezogen

Besonders schwierig für jeden Gegner: Der EV Zug ist nicht mehr von einzelnen herausragenden Einzelspielern wie in früheren Jahren abhängig. Klar: Mit Raphael Diaz, der einen magistralen Pass zum Halbfinal-Einzug in Lugano servierte, mit den auferstandenen Garrett Roe und David McIntyre oder den Schweizern Lino Martschini, Dominic Lammer und Reto Suri ist nach wie vor eine Menge Klasse vorhanden, um nur eine beliebige Auswahl zu nennen.

Der Saisonverlauf mit den vielen Ausfällen – gerade bei den Ausländern – hat dem EVZ letztlich nicht geschadet, sondern ihn erstarken lassen. Weil die richtigen Schlüsse daraus gezogen wurden: Der Übungsleiter verfiel nicht dem Gejammer und gab stattdessen den «Hinterbänklern» eine grössere Rolle und höhere Verantwortung. Jetzt zahlt sich das aus.

Alle vier Sturmreihen der Zuger sind in der Lage, Entscheidendes zu bewirken. Jüngstes Beispiel ist das zwischenzeitliche 4:4 durch Yannick-Lennart Albrecht, der nur 24 Sekunden nach dem Rückstand einen Schuss von Sven Senteler erfolgreich ablenkte. Sie sind Mitglieder der vierten Zuger Sturmreihe.

Das Beispiel von Sven Leuenberger

Das wohl herausragendste Beispiel eines Einzelspielers für das Erstarken des EVZ ist Sven Leuenberger. Der 20-jährige Stürmer spielt sein erstes Playoff überhaupt und schloss in Lugano eine herrliche Kombination zum zwischenzeitlichen 3:2 ab. Als Mitglied der dritten Sturmreihe hat er sich in vier Spielen vier Punkte gutschreiben lassen.

Und noch beeindruckender: Mit dem zweifachen WM-Silbermedaillengewinner und EVZ-Captain Raphael Diaz führt er intern die wichtigste Statistik an: Bei Plus 5 hält Leuenberger aktuell, was die Präsenz auf dem Eis bei gleichem Spielerbestand angeht, während der EVZ Tore erzielte oder eben kassierte.

Die Zuger David McIntyre (links) und Yannick-Lennart Albrecht bejubeln mit Sven Leuenberger (rechts) dessen ersten Playoff-Treffer zur zwischenzeitlichen 3:2-Führung.

Die Zuger David McIntyre (links) und Yannick-Lennart Albrecht bejubeln mit Sven Leuenberger (rechts) dessen ersten Playoff-Treffer zur zwischenzeitlichen 3:2-Führung.

(Bild: EVZ/Fabrizio Vignali)

Man mag es dem Cupsieger zutrauen, dass er auch den jüngsten Nackenschlag wegstecken kann. Wenn er denn überhaupt einer ist: Beim vierten Sieg in Lugano musste Dennis Everberg kurz vor dem entscheidenden Tor der Zuger das Eis verletzt verlassen. Sportchef Reto Kläy sagte, dass es «keine happige Verletzung sein muss» (zentralplus berichtete).

Falls doch: Die Zuger haben in dieser Saison gelernt, wie man Ausfälle kompensiert, ohne das Niveau des eigenen Spiels sinken zu lassen. Und mit Carl Klingberg können die Zuger einen ausländischen Stürmer reinbringen, der ähnliche Qualitäten wie Everberg besitzt.

Klappt der Titelgewinn mit Stephan?

Bei all den positiven Signalen, die der EV Zug derzeit aussendet: Es gibt eine Baustelle, die zentralplus zeitig ausgeschildert hat. Es geht um die Torhüterposition. Die alles entscheidende Frage ist: Kann der EVZ seine Träume vom Meistertitel mit Tobias Stephan im Tor verwirklichen?

Der Zürcher ist fraglos einer der grossen Torhüter, welche die Schweiz jemals hervorbrachte. Aber er hat noch nicht einen Titel geholt. Nicht mal den Cupsieg mit Zug. Und in den letzten beiden Spielen war er den Zugern kein sicherer Rückhalt. In Spiel 3 und 4 hat er jeweils mindestens zwei haltbare Tore zugelassen.

Die grösste Herausforderung für Tangnes

Im EVZ ist die Torhüterposition dieser Tage ein heikles Thema. EVZ-Sportchef Reto Kläy weist darauf hin, dass man mit Stephan im Tor auch deshalb nur vier Siege in Serie erreicht habe, weil «er in entscheidenden Momenten zur Stelle war».

Sicher richtig. Allerdings ist kein Schelm, wer behauptet, dass der EVZ gar nie in solche Schwierigkeiten gekommen wäre, hätte er sich auf einen tadellosen Goalie verlassen können.

Nur: Nach vier Siegen in Serie wird der Trainer einen Teufel tun und seinen Goalie auswechseln. Aber es ist das Prinzip Hoffnung. Wenn sich Stephan in seinen Leistungen nicht steigern kann, wird die Torhüter-Frage vielleicht zur grössten Herausforderung von Dan Tangnes in diesen Playoffs und in seiner gesamten Trainerkarriere.

Aller Voraussicht nach wird sie über das sportliche Wohl der Zuger in diesen Playoffs richten. Denn mit Sandro Aeschlimann hat der EVZ-Trainer einen Goalie in der Hinterhand, der den Beweis angetreten hat, dass man mit ihm grosse Siege einfahren kann.

Es gibt so oder so eine spannende Fortsetzung dieser Geschichte.

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