Nun weht über Luzerns kleinstem Grand Hotel eine Tapete
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Das «Beau Séjour» an der Haldenstrasse in Luzern ist bereit für neue Gäste. (Bild: jwy)

Beau Séjour nach Monaten des Umbaus in neuem Glanz Nun weht über Luzerns kleinstem Grand Hotel eine Tapete

6 min Lesezeit 06.03.2018, 13:39 Uhr

Nach einem sanften Umbau geht das Hotel «Beau Séjour» wieder auf. In jedem der 28 Zimmer betritt man eine andere Welt, eine Tapete ist üppiger als die andere. Den neuen Hausherrn kennt man aus dem Restaurant Drei Könige. Als Hotelier setzt er auf Individualtouristen – und Luzerner Spaziergänger.

Was sofort auffällt, wenn man vor dem neuen «Beau Séjour» steht: Auf dem Dach weht jetzt keine Schweizer Fahne mehr, auch keine Luzerner, sondern ein Stück Tapete. Dunkelblau mit Blumenmuster, wie sie in Zimmer 12 die Wände ziert.

Tapeten, immer wieder Tapeten

Dieser witzige Einfall zeigt zweierlei: Das «Beau Séjour» will es anders machen. Und in diesem Haus sind Tapeten das dominierende Element – Blumen, Dschungel, Ornamente. In den Gängen, im Treppenhaus, in den Zimmern. Manuel Berger freut sich, dass die Fahne bemerkt wurde. «Es war einfach die beste Idee», sagt er und lacht.

Der neue Hausherr sieht entspannt aus, als er durch das frisch herausgeputzte, fast 150-jährige Juwel führt. Nichts deutet darauf hin, dass er hier monatelang ein klassisches Boutique-Hotel auf Vordermann gebracht hat. Und dass er kürzlich rund 700 Interessierte durch die frisch renovierten Zimmer geschleust hat. Und dass er ein paar Tage vor der Eröffnung noch jede Menge zu erledigen hat. Vielmehr freut er sich jedes Mal von neuem, wenn er die Tür zu einem der bunten Zimmer öffnet. Alles scheint bereit für die ersten Gäste ab dem kommenden Donnerstag.

Im Bermuda-Dreieck

Im Erdgeschoss laden eine schmucke Bar und ein grosszügiger Salon zum Verweilen, die Wintersonne dringt durch die grossen Scheiben, der Blick geht hinaus auf die Terrasse und den Carl-Spitteler-Quai auf der anderen Strassenseite. Wer könnte schon Nein sagen zu diesem «Petit Grand Hotel», wie sich das «Beau Séjour» jetzt nennt?

«Es soll ein verwunschenes und elegantes Hotel sein mit witzigen Details zum Entdecken.»

Manuel Berger, Gastronom und Hotelier

Wer die Haldenstrasse entlang an den grossen Hotelkästen vorbeifährt, merkt, dass diese Bezeichnung treffend ist: Das Hotel ist klein, verströmt aber die Grandezza der Belle Époque. Als «Bermuda-Dreieck» der grossen Häuser bezeichnet Manuel Berger die Lage zwischen Palace, Montana und Europe. «Zwischendrin sind wir, deshalb die Bezeichnung Petit Grand Hotel. Es passt einfach gut zu unserem Haus und dazu, was wir machen möchten», sagt Berger.

Hotelier Manuel Berger (vorne) und sein Geschäftspartner Walter Willimann an der Bar ihres Hotels.

Hotelier Manuel Berger (vorne) und sein Geschäftspartner Walter Willimann an der Bar ihres Hotels.

(Bild: Mirjam Hiller)

Seit 100 Jahren ein Kleinhotel

Das Haus an der Haldenstrasse 53 wurde ebenso wie das Nachbargebäude 1871 gebaut, einst eröffnete darin der Zürcher Ingenieur Otto Gelpke die Fremdenpension Gesegnetmatt. In der Folge wurde das Haus mehrmals erweitert und umgebaut. Als «Beau Séjour au Lac» trat es erstmals 1922 in Erscheinung und hat sich seither als Kleinhotel gehalten.

Jedes der 28 Zimmer hat andere, teils ziemlich wilde Tapeten an den Wänden, jedes Badezimmer hat andere Kacheln, und auch die Parkettböden unterscheiden sich von Raum zu Raum. Und, je nach Zimmergrösse, wurden Bad und WC anders hineingezwängt. Diese Eigenheiten und Charakteristika haben die neuen Betreiber bewusst beibehalten und aufgefrischt. Zusätzlich setzten sie durch gezielte Eingriffe Kontraste – sei es mit Möbeln, Farbe oder Kunst.

Farbige Blumen und wilder Dschungel – auf den Tapeten wird nichts ausgelassen.

Farbige Blumen und wilder Dschungel – auf den Tapeten wird nichts ausgelassen.

(Bild: Mirjam Hiller)

Moderne Möbel und Kunst

So hängen im Salon neue Kronleuchter, goldige Decken hübschen die Badezimmer auf, eine zeitgenössische Möbellinie zieht sich durchs Haus und verspielte Kunstwerke von Nina Staehli setzen Akzente. Sei es eine Installation aus alten Haustelefonen oder Kleiderstangen oder ein pinker Pudel in einer Ecke des Badezimmers.

In der historischen Stadtvilla hat es also durchaus Platz für ironische Gegenüberstellungen. «Es soll ein verwunschenes und elegantes Hotel sein mit witzigen Details zum Entdecken, aber es darf nie beliebig sein», so Berger.

Kunst von Nina Staehli setzt witzige Akzente, wie hier im Badezimmer.

Kunst von Nina Staehli setzt witzige Akzente, wie hier im Badezimmer.

(Bild: jwy)

Komplett neu sind die schlichten Möbel, die im Gegensatz zu den Zimmern eine klare Linie durchs Haus ziehen und mit den üppigen Tapeten kontrastieren. Die Tische, Sessel, Nachttischlampen und Kleiderständer in allen Zimmern kommen aus einem Guss und wurden extra fürs «Beau Séjour» von Designer Daniel Hunziker entworfen und vom Schweizer Traditionsbetrieb Girsberger angefertigt. «Die Idee war etwas ganz Schlichtes, und irgendwie haben wir das innert 100 Tagen geschafft», sagt Berger.

Eine einmalige Chance

Manuel Berger hat Erfahrung in Hotellerie und Gastronomie: Er hat eine Kochlehre gemacht, später die Hotelfachschule, hat einige Jahre in Zermatt ein Hotel geführt und vor drei Jahren mit einem Viererteam das Restaurant Drei Könige übernommen (zentralplus berichtete). Als Partner hat er für das Beau Séjour den Unternehmer Walter Willimann zur Seite, der sich ebenfalls gut in der Hotellerie auskennt. Das Haus gehört dem Unternehmer Peter Kiener. Im «Drei Könige» wird man Manuel Berger in Zukunft seltener antreffen, er wird im Hotel nicht nur im Hintergrund, sondern auch an der Front tätig sein.

«Die Chance, dass man ein solches Stadthotel erhält, gibt’s nur einmal im Leben.»

Manuel Berger

Manuel Berger kam wie so oft in der Branche unerwartet zu diesem neuen Betrieb und somit zurück in die Hotellerie. Ursprünglich hätte das Haus als Bed & Breakfast wieder aufgehen sollen, wurde dann aber neu ausgeschrieben und Berger erhielt schliesslich den Zuschlag (zentralplus berichtete).

Berger hat die Chance gepackt, als sie sich bot: «Solche Objekte sind begehrt. Die Chance, dass man ein solches Stadthotel erhält, an dieser Lage und mit diesem Ausblick, das passiert dir nur einmal im Leben.»

Auf Online-Plattformen präsent sein

Wie will sich das kleine Hotel gegenüber den Grossen behaupten? Mehr Zimmer wären rein finanziell gesehen zwar lukrativ, «aber ich mache meinen Job nicht nur aus Unternehmertum», sagt Berger. «Das Beau Séjour hat eine ansprechende Grösse, mit der ich das Hotel sehr persönlich führen kann.»

Auf Tagestouristen in Cars setzt Manuel Berger mit seinem Kleinhotel nicht. «Das passt nicht zu unserem Hotel, wir setzen vor allem auf Individualtouristen», sagt er, aber er denkt auch an Firmen oder Hochzeitsgesellschaften, die das Haus mieten. Kurzum: «Wir begrüssen Gäste aus der ganzen Welt, darauf freue ich mich sehr», sagt er.

Nur die Möbel sind neu, die Tapeten wurden grösstenteils belassen.

Nur die Möbel sind neu, die Tapeten wurden grösstenteils belassen.

(Bild: Mirjam Hiller)

Nun geht es darum, eine Reputation aufzubauen und auf Plattformen wie Booking oder Tripadvisor sichtbar zu werden. «Da kommt man nicht drum herum, die Leute vertrauen diesen Plattformen», sagt er.

Die Zimmerpreise orientieren sich an einem klassischen Drei-Sterne-Hotel mit Frühstück. Das geht vom 11 Quadratmeter grossen Einzelzimmer mit Blick in den Garten hinter dem Haus ab 95 Franken pro Nacht bis hin zur Wohnsuite mit Seesicht und zwei Schlafzimmern (50 Quadratmeter) für 290 Franken.

Die Bistro-Bar 53

Jetzt muss er mit dem neuen Team noch die Abläufe einspielen, insgesamt sind es rund 500 Stellenprozente. An der Front agiert ein Dreierteam mit Manuel Berger, das für Frühstück, Büro und Service zuständig ist.

Auch für Einheimische dürfte das «Beau Séjour» interessant sein, auch wenn die meisten Luzerner wohl kaum ein Zimmer buchen werden. Das Erdgeschoss und die Terrasse werden für alle offen sein. Die «Bistro-Bar 53» – den Namen kann man als Reminiszenz an die frühere Bar 57 in der Nachbarschaft verstehen – serviert Apéro, Café oder Snacks. Eine A-la-carte-Küche wie im «Drei Könige» ist nicht vorgesehen, aber das Verpflegungsangebot ist ausbaubar. «Wenn du hier einen Wein trinkst, kannst du auch etwas essen», sagt Manuel Berger. Das dürften so manche Sonntagsspaziergänger am Quai gerne hören.

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