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«Nun stehe ich als schwarzer Lehrer hier – das ist revolutionär für einige»
  • Gesellschaft
«Als ich etwa sechs Jahre alt war, stand ich im Bad und probierte, die Farbe von meiner Haut zu schrubben.» (Bild: ida)

Luzerns erster dunkelhäutiger Lehrer «Nun stehe ich als schwarzer Lehrer hier – das ist revolutionär für einige»

4 min Lesezeit 26.06.2018, 09:57 Uhr

S. K. ist der erste dunkelhäutige Seklehrer der Stadt Luzern. Als Kind hatte er mit seiner Hautfarbe zu kämpfen. In einem Gespräch erzählt er über seine Erfahrungen und Eindrücke während seiner Laufbahn. Dort stiess er manchmal auf Misstrauen, aber grösstenteils auf Akzeptanz.

«Nun stehe ich als schwarzer Lehrer der Stadt Luzern hier, das mag wohl für einige revolutionär erscheinen», sagt S. K.* mit einem breiten Lächeln. «Als Erster kommt mir da eine besondere Aufgabe zu, die mich manchmal auch unter Druck setzt.» Dass es heute auch dunkelhäutige Lehrer gibt, sei eine völlig normale Entwicklung der Zeit, so K.

2017 schloss K. seine Ausbildung an der Pädagogischen Hochschule Luzern ab. Seit zwei Jahren unterrichtet er am Schulhaus Tribschen Geschichte, Geografie, Naturwissenschaften und Deutsch. Nun sitzen wir bei einer Flasche Mate auf dem Inseli. Und sprechen darüber, dass er der erste seinesgleichen in der Stadt Luzern ist. Wünscht er sich mehr Normalität?

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K., dessen Vater aus Angola kommt, winkt ab. Normalität könne man nicht erzwingen. «Wichtig ist, dass sich Menschen mit Migrationshintergrund von nichts abhalten lassen – schon gar nicht von ihrer Hautfarbe.» Die Schweiz sei Luxus. Und Schweizer seien keine Rassisten. «Unsicherheit gegenüber dem zu haben, was ‹anders› ist, ist völlig normal.»

In der Schweiz sei alles möglich, wenn man zielstrebig sei und Leistung zeige. «Wir müssen von der Opferrolle wegkommen. Als dunkelhäutiger Mensch und als Lehrer werde ich hier vollkommen akzeptiert.»

Eindrückliche Momente 

Gerade im Geschichtsunterricht käme es immer wieder zu prägenden Erlebnissen, wie der 25-Jährige erzählt. Einmal thematisierte K. während eines Praktikums auf dem Land mit einer Klasse die elitäre Haltung der Weissen gegenüber den Schwarzen zur Zeit des Kolonialismus. Er fragte sie, weshalb dies so sei. Ein Schüler meldete sich und sagte: «Weil die Weissen halt einfach besser sind als die Schwarzen.»

K. erwiderte gelassen: «Das ist aber interessant. Und heute steht der Schwarze vor den Weissen im Geschichtsunterricht und er erklärt ihnen, wie die Geschichte wirklich war.» Die ganze Klasse habe daraufhin gelacht und der Schüler realisiert, dass er mit seiner Aussage einen Fauxpas begangen hatte. Klar hat K die Aussage betroffen gemacht – glücklicherweise sei sie aber eine Ausnahme geblieben.

«Wenn du selbst deine Angriffsfläche immer wieder aufbrichst, darüber sprichst und lachst, ist das gar kein Thema mehr.»

Eine andere Klasse musste er jedoch einem anderen Lehrer überlassen, als beim selben Thema die Sklaverei zur Sprache kam. «Für mich ist das ein emotional geladenes Thema.» Er habe schon zu Beginn gespürt, dass die Klasse nicht sehr weltoffen war und wenig Verständnis und Feingefühl für die Thematik zeigt. Damals seien hinter seinem Rücken rassistische Bemerkungen gegenüber Dunkelhäutigen gefallen.

Grenzen aufbrechen

«Ich selbst spreche meine Hautfarbe immer wieder an», sagt K. Er mache Witze über sich selbst, betone, dass es schon speziell wäre, wenn ein Dunkelhäutiger eine Klasse unterrichtet. Er versucht, Unsicherheiten zu lösen. «Es ist extrem wichtig, mit Humor zu arbeiten.»

Schüler würden permanent die Grenzen eines Lehrers testen. «Wenn du selbst deine Angriffsfläche – bei mir meine Hautfarbe – immer wieder aufbrichst, darüber sprichst und lachst, ist das irgendwann gar kein Thema mehr.»

Ein breites Lächeln ziert stets das Gesicht des 25-Jährigen, der angolanische Wurzeln in sich trägt.

Ein breites Lächeln ziert stets das Gesicht des 25-Jährigen, der angolanische Wurzeln in sich trägt. (Bild: ida)

«Ich realisierte, dass ich etwas an mir habe, das ich schlecht ändern kann»

K. hat kein Problem mit seiner Hautfarbe. Er sei gewachsen, kann sich wehren und weiss, wie er in heiklen Situationen zu reagieren habe. Er fühlt sich wohl in seiner Haut. Doch das war nicht immer so.

Es habe schon zu Sandkastenzeiten begonnen. «Sobald du in Interaktion mit anderen trittst, spürst du, wo du verletzbar bist», so K. «Das eine Kind ist ein wenig dicker als die anderen, das andere kleiner. Und ich war halt eben der Schwarze.» 

«Das eine Kind ist ein wenig dicker als die anderen, das andere kleiner. Und ich war halt eben der Schwarze.»

Zu Beginn konnte er sich damit nicht anfreunden, insbesondere während seiner Primarschulzeit. Kinder seien ehrlich und direkt. «Als ich etwa sechs Jahre alt war, stand ich im Bad und probierte, die Farbe von meiner Haut zu schrubben.» Erfolglos. «Ich realisierte, dass ich etwas an mir habe, das ich schlecht ändern kann.»

Vorbild für andere

Wenn man «ein wenig anders» sei, trage man eine enorme Verantwortung, wie K. «Als Schwarzer wirst du mit allen anderen Schwarzen in Verbindung gebracht.» Hätte er während seiner Zeit am Gymi nur Mist gebaut, hätte der nächste Dunkelhäutige mit den damit erstandenen Vorurteilen zu kämpfen gehabt.

«Als Schwarzer wirst du direkt mit allen anderen Schwarzen in Verbindung gebracht.»

Ein prägendes Erlebnis für K war die Wahl Obamas zum US-Präsidenten. «Einige Lehrer gratulierten mir damals», was ihn sichtlich irritierte. Ein Dunkelhäutiger sei stellvertretend für alle anderen. Dadurch entstehe Druck, denn auch K. möchte ein Vorbild für andere sein.

K. liebt den Lehrerberuf. Er vergleicht die Primarschule mit einem kompetenzorientierten Spielzimmer, beim Eintritt in die Oberstufe öffne sich eine Tür zur Erwachsenenwelt. «Ich stehe genau da an der Türschwelle, heisse die Jugendlichen willkommen und rüste sie für die kommenden Herausforderungen.»

Lässig und locker unterwegs.

Lässig und locker unterwegs. (Bild: ida)

*Hinweis: zentralplus hat den Bericht im Nachhinein auf Wunsch von S.K. anonymisiert.

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