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Nun kann mit der Stadt Zug «SimCity» gespielt werden
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So sieht die Sicht auf Zug mit dem virtuellen Stadtmodell aus: Hier wohnen die meisten Zuger. Und trotzdem ist das Bevölkerungswachstum in der Stadt nicht rasanter verlaufen als in Menzingen – über die letzten 50 Jahre betrachtet. (Bild: zvg)

Digitales Stadtmodell löst Holzklötze ab Nun kann mit der Stadt Zug «SimCity» gespielt werden

4 min Lesezeit 09.05.2018, 18:35 Uhr

Das Zeitalter der Digitalisierung hat nun auch die Stadtplaner erreicht. Ein virtuelles Stadtmodell wird die bisherigen Holzklötze ablösen. Einzelne Gebäude oder Strassenzüge lassen sich per 3D-Drucker auch zukünftig händisch erfahren. Doch das Modell ist nicht für alle gedacht.

Sobald im Sitzungszimmer des Baudepartements das Thema virtuelles Stadtmodell angesprochen wurde, machte Remy Frommenwiler, stellvertretender Stadtplaner, deutlich, was die Nachteile des bisherigen Stadtmodells aus Holz seien.

«Das Modell im Massstab 1:500 ist ziemlich mühsam und aufwendig zu aktualisieren. Wollen wir schauen, wie eine mögliche Änderung der Stadtsilhouette aussehen würde, müssen wir diese mit Kunststoffeinsätzen simulieren.» Die Nachführung von Neubauten sei erst zeitverzögert möglich und erfordere Vorlauf.

Stadtvizepräsident und Bauchef André Wicki treibt die Digitalisierung in seinem Departement voran.

Stadtvizepräsident und Bauchef André Wicki treibt die Digitalisierung in seinem Departement voran.

(Bild: mam)

Digitalisierung soll Zeit und Kosten sparen

Doch damit ist nun bald Schluss. Die Stadtplanung entwickelte ab Ende 2016 zusammen mit einem Planungsbüro ein virtuelles Modell, das nicht nur Zug, sondern auch Baar und Steinhausen beinhaltet. Weitere Gemeinden könnten folgen.

«Mit diesem Modell können wir sowohl Zeit als auch Kosten sparen.»

André Wicki, Vorsteher Baudepartement

André Wicki, Stadtratsvizepräsident und Vorsteher des Baudepartements, macht praktische Gründe für den Digitalisierungsschritt geltend. «Wir bekommen rund 700 Bauanfragen und Baugesuche pro Jahr eingereicht, die bearbeitet werden müssen. Mit diesem Modell können wir sowohl Zeit als auch Kosten sparen.»

Wie wär’s mit einem 80-Meter-Hochhaus neben dem Metalli?

Dabei ist im Modell, das über den Bildschirm flimmert, die gesamte Topografie enthalten: Gebäude, Strassen, Bäume oder Gewässer. Frommenwiler betont die Genauigkeit des Modells. «Einzig bei der Höhe der Gebäude kann es zu Abweichungen von bis zu 20 Zentimetern kommen», sagt er.

Vom Stadtmodell am Bildschirm bekommt man via 3D-Drucker etwas zum Anfassen in die Finger. Hier die Zuger Altstadt.

Vom Stadtmodell am Bildschirm bekommt man via 3D-Drucker etwas zum Anfassen in die Finger. Hier die Zuger Altstadt.

(Bild: woz)

Anschliessend präsentiert Martin Riesen, Spezialist für dieses Tool bei der Stadtplanung, das Modell. Ähnlich wie beim Computerspiel «SimCity» können Häuser beliebig «gepflanzt» oder entfernt werden. Ein 80-Meter-Hochhaus neben dem Metalli? Kein Problem. Selbst der Schattenwurf kann nach manuell eingestellter Uhrzeit simuliert werden.

Dank 3D-Drucker trotzdem was in den Händen

Doch zum Spielen ist das Tool nicht wirklich konzipiert worden, wie Riesen betont. «Die Anwendungsgebiete dafür sind allerdings sehr breit», sagt er. «Sowohl Planer für Umwelt, Lärm oder Solaranergie als auch Architekten, Grundeigentümer und Grafiker können davon Gebrauch machen.» Zudem können einzelne Abschnitte mittels 3D-Drucker handfest gemacht werden.

«Es hat zwar einfach ausgesehen, doch man braucht eine gewisse Erfahrung im Umgang mit CAD- und Visualisierungsprogrammen, um sich zurechtzufinden.»

Remy Frommenwiler, stellvertretender Stadtplaner

Riesen fügt an, dass die Anwendung auch gewisse Anforderungen stellt und nicht für jedermann geeignet ist. «Der Computer oder das Laptop darf bezüglich Rechenleistung nicht zu schwach auf der Brust sein.» Und Frommenwiler ergänzt: «Es hat zwar gerade einfach ausgesehen, doch man braucht eine gewisse Erfahrung im Umgang mit CAD- und Visualisierungsprogrammen, um sich zurechtzufinden.»

Das Holzmodell bleibt

Entsprechend handelt es sich auch um ein Profitool. Im Moment befindet es sich noch im Testbetrieb. «Work in progress», wie es Wicki nennt. Kosten für die Benutzung würden denn allenfalls auch erst zu einem späteren Zeitpunkt anfallen.

Obwohl der eingangs erwähnte grosse Aufwand der Nachführung virtuell effizient und kostengünstig gestaltet werden kann und die Skalierung am Rechner frei wählbar ist, hält André Wicki fest: «Das Holzmodell hat nicht ausgedient. Es ist immer noch wichtig für Ausstellungen und für die Kommunikation in Fachgremien und mit der Bevölkerung.»

Stadtmauer: Es wird Rücksicht auf die Minigolfanlage genommen

Jascha Hager, Stadtingenieur beim Tiefbauamt, erklärte im Rahmen der Veranstaltung, wie es mit dem baufälligen Treppenaufgang (ca. 1890) bei der Stadtmauer im Bereich der Minigolfanlage weitergeht.

«Das Abklopfen der Mauer Ende 2017 zeigte, dass einzelne Steine ersetzt werden müssen.» Die Mehrheit der Steine sei nur vorne hart und hinten morsch. Als Grund dafür wird Salzwasser in Kombination mit undichten Fugen vermutet, das den Sandstein aufgelöst hat.

Mitte April wurde mit den Sanierungsarbeiten begonnen. Diese werden jedoch nun auf Eis gelegt und das Gerüst zurückgebaut. Grund dafür ist die Minigolfsaison. Denn der Betreiber der Anlage unterhalte dort einen Geräteraum, den er ansonsten hätte räumen müssen, wie André Wicki erklärt.

Als nächster Schritt werde laut Hager nun in Rücksprache mit der kantonalen Denkmalpflege eine Variante für die Sanierung oder sogar einen Neubau der Mauer erarbeitet.
 
«Im Herbst nach dem Ende der Minigolfsaison soll dann der Startschuss für die Sanierung oder den Neubau fallen», so Hager.

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