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Nun braucht es beim EVZ Mut für einschneidende Personalentscheide
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Im Element: Harold Kreis dirigiert das Geschehen von der Bande aus. (Bild: Facebook-Page EVZ)

Ausgerechnet die ZSC Lions dienen als Vorbild Nun braucht es beim EVZ Mut für einschneidende Personalentscheide

6 min Lesezeit 23.03.2018, 13:51 Uhr

Das vorzeitige Saisonende könnte im EV Zug Anlass zu Diskussionen über einschneidende personelle Wechsel bieten. Die Kernfrage bleibt, ob Harold Kreis der richtige Coach für die ausgegebene Vereinsstrategie ist.

Zum dritten Mal ist der EVZ in den vier Saisons unter Coach Harold Kreis in den Playoff-Viertelfinals ausgeschieden. Die Bilanz wird geschönt durch den Finaleinzug im vergangenen Jahr, den ersten seit dem Meistertitel 1998. Muss der letztjährige Exploit als Ausnahme angesehen werden oder wurden die Zuger dreimal Opfer von unglücklichen Umständen?

Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen. Immerhin waren die ZSC Lions als Siebtplatzierte deutlich unter Wert klassiert und haben in den Playoffs ihr Potenzial endlich auszuschöpfen begonnen. Für die Saisons 2014–16 könnte man einwenden, dass das jeweilige Kader nicht optimal für das defensiver ausgerichtete System von Kreis zusammengestellt war.

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Müssen Köpfe rollen?

Dennoch gilt: Die Zuger haben dreimal ihr Potenzial nicht ausschöpfen können. Es wäre übertrieben, eine Krise auszurufen. Doch das Ausscheiden ermöglicht die Chance, die gegenwärtige Situation im Spiegel der strategischen Ausrichtung und Ziele zu reflektieren und sich zu fragen, ob gewisse Posten nicht anders besetzt werden müssten.

Der EVZ kam gegen die ZSC Lions unter die Räder. Welche Konsequenzen wird die Vereinsführung aus dem frühen Scheitern ziehen?

Der EVZ kam gegen die ZSC Lions unter die Räder. Welche Konsequenzen wird die Vereinsführung aus dem frühen Scheitern ziehen?

(Bild: EVZ/Felix Klaus)

Der EVZ hat vor wenigen Jahren die Strategie der konsequenten Nachwuchsförderung verabschiedet, um einen permanenten Spielerfluss vom Nachwuchs in die erste Mannschaft zu fördern. Dank lokalen Talenten soll die Verankerung in der Zentralschweiz erhöht werden. Die Unterstützung von jungen Eishockeytalenten wurde intensiviert und es wurde die Losung ausgegeben, möglichst autark wirtschaften zu können.

Zweifel an Harold Kreis wachsen

Damit die Strategie Erfolg hat, muss sie konsequent in der gesamten Organisation gelebt und umgesetzt werden. Besonders in der ersten Mannschaft, die als Flaggschiff des Vereins letztlich zeigt, wie glaubwürdig die Strategie verfolgt wird.

Coach Harold Kreis hat die Mannschaft in den letzten Jahren stabilisiert, ihr ein klares Konzept verordnet und mit ihr den grössten Erfolg der letzten 20 Jahre erzielt. Dennoch haben insbesondere die diesjährigen Playoffs den Glauben nicht gestärkt, dass Kreis der richtige Mann für die mittelfristige Zukunft des EVZ ist.

Junge erhalten kaum eine Chance

Zwar wurden mit Yannick Zehnder, Tobias Geisser und Thomas Thiry drei junge Spieler in der entscheidenden Partie eingesetzt. Ein Blick auf deren Eiszeit zeigt jedoch, dass sie kaum eine Chance erhalten haben. Thiry spielte nur wegen der Verletzung Johann Morants. Dass ihm und Geisser mit Larri Leeger ein zwar solider, doch äusserst limitierter Verteidiger vorgezogen wurde, spricht Bände.

Junge Talente wie Yannick Zehner (links) haben es unter Harold Kreis nicht einfach, zu Einsatzzeit zu kommen.

Junge Talente wie Yannick Zehner (links) haben es unter Harold Kreis nicht einfach, zu Einsatzzeit zu kommen.

(Bild: EVZ/Felix Klaus)

Selbiges gilt für die Verwendung Zehnders, der trotz der frühen Verletzung von Timothy Kast weniger als vier Minuten Eiszeit bekam. In den Partien zuvor sah es nicht wesentlich anders aus.

Der ZSC macht es vor

Das Gegenstück lieferte Kreis’ Antipode Hans Kossmann beim ZSC, der seine vierte Linie mit den 20- respektive 19-jährigen Raphael Prassl und Marco Miranda – sowie alternierend dem 21-jährigen Jérôme Bachofner – während des gesamten Spiels eingesetzt hat. Für sein Vertrauen wurde er fürstlich belohnt. Miranda erzielte in der vierten Partie den Siegestreffer und bereitete in Spiel fünf das entscheidende Tor in der Verlängerung vor.

Der beschränkte Einsatz der Jungen in den Playoffs vermag freilich nicht zu überraschen. Kreis ist ein respektierter und äusserst fachkundiger Coach. Er agiert allerdings ohne Hang zu mutigen Entscheidungen. Selbst an lauen Oktoberabenden forciert er lieber seine besten Kräfte, als junge Spieler in wichtigen Phasen des Spiels wertvolle Erfahrungen sammeln zu lassen.

Wie sollen sich die jungen Talente also weiterentwickeln, wenn sie kaum Eiszeit erhalten? Geisser, Thiry und Zehnder haben allesamt angedeutet, dass sie bereit wären, mehr Verantwortung zu übernehmen. Ob sie nächste Saison Gelegenheit dazu erhalten, scheint unklar, sofern die Zuger in der Qualifikation nicht wieder von ähnlich viel Verletzungspech geplagt werden wie im vergangenen Herbst.

Die besten Kräfte werden überforciert

Die Jungen wurden also in erster Linie dazu eingesetzt, das Line-up zu füllen. Grosses Vertrauen erhalten sie nicht. Durch deren spärliche Einsatzzeiten wurden auf der anderen Seite die ersten beiden Linien überforciert. David McIntyre musste beispielsweise dermassen häufig in Unterzahl antreten, dass ihm schliesslich die Energie fehlte, um bei numerischem Gleichstand seine Dominanz auszuspielen.

Als Folge konnte der EVZ zu selten sein druckvolles und schnelles Eishockey über die vollen 60 Minuten durchziehen. Dies wäre freilich notwendig, um Spitzenteams in einer engen Serie zu bezwingen. Deshalb wurde nicht nur punkto Nachwuchsförderung eine Chance verpasst, sondern auch die sportlichen Ziele wurden verfehlt.

Wird Reto Suri ersetzt?

Freilich wäre es verfehlt, mit dem Finger nur auf den Headcoach zu zeigen. Schweizer Leistungsträger wie Lino Martschini oder Reto Suri haben in den letzten beiden Playoff-Ausgaben nicht jenes Rendement erreicht, das ihrer angedachten Rolle als Schlüsselspieler entsprechen würde.

Lino Martschini ist eigentlich ein Aushängeschild für die Vereinsstrategie des EVZ. Doch seine Baisse hält weiter an.

Lino Martschini ist eigentlich ein Aushängeschild für die Vereinsstrategie des EVZ. Doch seine Baisse hält weiter an.

(Bild: EVZ/Felix Klaus)

Suris Vertrag läuft nächsten Sommer aus. Es würde nicht überraschen, wenn er bei einer fortwährenden Stagnation durch einen jüngeren Akteur ersetzt würde. Delikater ist die Situation bei Martschini. Als ehemaliger EVZ-Junior, der sich in der ersten Mannschaft durchgesetzt hat, stellt er zugleich Symbol und Vorbild der Zuger Strategie dar.

Martschini braucht mehr Freiheiten

Überdies würde die Zuger Offensive in der Qualifikation ohne Martschinis Schnelligkeit und technische Fertigkeiten massiv an Unterhaltungswert verlieren. Dass er auch in den Playoffs sein Potenzial abrufen kann, hat er 2013 unter Doug Shedden bewiesen.

Seine Baisse lässt sich möglicherweise mit dem engeren taktischen Korsett unter Kreis erklären. Soll Martschini seiner Rolle als Offensivstar gerecht werden, braucht er allerdings entsprechende Freiheiten und mehr taktische Steuerung bei seinen Einsätzen.

So zum Beispiel, indem er als Flügel einer nominell dritten Linie die Bürde der ersten beiden Linien entlastet und um seine Effektivität fernab von permanenten Einsätzen gegen die stärkste Formation des Gegners zu maximieren. Es ist dies eine Entscheidung, die letztlich auf den Coach zurückfällt.

Kreis riskiert, eine «lame duck» zu werden

Angesichts dessen, dass Kreis nicht der optimale Coach zu sein scheint, um die Zuger Strategie erfolgreich zu verfolgen, scheint es ausgeschlossen, dass sein bis 2019 laufender Vertrag verlängert wird.

Torhüter Tobias Stephan gehört zu den unumstrittenen Schlüsselspielern beim EVZ. Doch die goldenen Jahre des 34-Jährigen werden nicht mehr ewig andauern.

Torhüter Tobias Stephan gehört zu den unumstrittenen Schlüsselspielern beim EVZ. Doch die goldenen Jahre des 34-Jährigen werden nicht mehr ewig andauern.

(Bild: EVZ/Felix Klaus)

Doch will der EVZ tatsächlich mit einem Coach in die neue Saison starten, bei dem eher früher als später klar sein dürfte, dass er keine Zukunft in Zug hat? Doug Shedden hatte 2014 ebenfalls bald den Status einer «lame duck», was dazu beigetragen hatte, dass jene Saison die einzige ohne Zuger Playoff-Beteiligung in den letzten 15 Jahren dargestellt.

Der ZSC hat in diesem Jahrhundert mehrfach bewiesen, dass der Meistertitel mit einem Coach möglich ist, dessen Abgang frühzeitig bekannt ist. Doch das Risiko besteht, dass der EVZ ohne Wechsel 2019 ein ähnliches Ende wie diese Saison in Kauf nimmt und die nicht ewig währenden besten Jahre von Schlüsselspielern wie Raphael Diaz (32) oder Tobias Stephan (34) ungenutzt verstreichen lässt.

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