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Noxx: Ein Monster kriecht aus der Flasche
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Adrian Woerz vom Brauhaus Eisbock mit dem ersten Stadtzuger Bier bei der Burg Zug. (Bild: mam)

Stadt Zug erhält erstes eigenes Brauhaus Noxx: Ein Monster kriecht aus der Flasche

4 min Lesezeit 23.06.2017, 09:52 Uhr

Drei Zuger Biersommeliers haben sich zusammengeschlossen und die Firma Eisbock gegründet – das erste Brauhaus in der Stadt Zug. Ihr Fernziel: eine Gasthausbrauerei in Zug zu eröffnen. Zuerst lancieren sie aber ein Spezialbier, das sich gewaschen hat.

«Der Hopfen kommt in der Nase schön zur Geltung», sagt Adrian Woerz. Der Geruch erinnere ihn an exotische Früchte. Er schnüffelt an seinem Degustationsglas, schwenkt es und nimmt einen Schluck: «Im Abgang kommt die Süsse des Malzes zum Vorschein», urteilt er zufrieden, «das ist eine runde Sache.»

Aha-Erlebnis im Pulverturm

Das erste Bier aus der Stadt Zug wird am Samstag, 24. Juni, ab 18 Uhr im Pulverturm in Zug lanciert. Die drei Eisbock-Brauer Tobias Frei, Luc Suter und Adrian Woerz stellen dabei ihr IPA Noxx vor. Die drei ausgebildeten Sommeliers werden das Publikum aber auch in die wunderliche Welt des Biers einführen und einige gebraute Säfte vorstellen, «von denen man kaum annehmen würde, dass es sich um Bier handelt», wie Woerz sagt. Der Anlass ist öffentlich.

Vordegustation im Garten der Burg Zug: Adrian Woerz ist Biersommelier und schickt sich an, zusammen mit zwei anderen Zugern das erste Bier der Stadt zu lancieren. Man könnte auch sagen: das kulturelle Leben zu bereichern. Denn was die drei zusammengebraut haben, ist keine Mode-Plörre, sondern eine flüssige Delikatesse. Und die Flasche, in der sie gereicht wird, ist nicht einfach ein Gebinde, sondern ein Lifestyle-Gadget mit Kultcharakter.

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Eineinhalb Jahre lang getüftelt

Doch der Reihe nach: «Ich braue seit sieben Jahren mein eigenes Bier», erzählt Woerz. «Irgendwann bin ich dann auf die Idee gekommen, mich zum diplomierten Biersommelier ausbilden zu lassen.» Im Kurs habe er zwei andere Zuger kennengelernt – Luc Suter und Tobias Frei. «Da lag es auf der Hand, dass wir uns zusammengetan haben.»

Die drei tauschten ihre Braurezepte aus und werkelten an einem Bier, das sich unter die Leute zu bringen lohnt. «Ob man einen Heimsud zu 40 Litern herstellt oder das Bier in industriellem Massstab herstellt, ist ein Unterschied – insbesondere was die Zugabe von Hopfen angeht», sagt Woerz. Nach eineinhalb Jahren ist es nun so weit: Mit dem Noxx genannten India Pale Ale erblickt das erste Bier eines Stadtzuger Brauhauses die Welt und wird am Samstag im Pulverturm vorgestellt (siehe Box).

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«Wir haben uns für ein India Pale Ale entschieden, weil es für die Heimbrauer- und Craft-Bier-Bewegung steht», sagt Woerz. Die Biersorte India Pale Ale (IPA) wurde im Grossbritannien des 19. Jahrhundert entworfen. Es ist ein Starkbier, das mit erhöhtem Alkohol- und Hopfengehalt für den Transport zu den Kolonialtruppen in Indien haltbar gemacht wurde. «Die Idee war, dass die Soldaten das Bier wieder mit Wasser verdünnen sollten, was sie natürlich nicht getan haben», weiss Woerz.

Das IPA soll nicht das einzige Gebräu der Zuger bleiben. «Wir haben schon ein zweites und eine drittes Bier im Auge», sagt Woerz. Absicht sei es, sich als Brauhaus aus Zug in der Umgebung und in der Schweizer Community der Craft-Bierliebhaber zu etablieren. «Nicht als Konkurrenz zu den andern Brauereien, sondern als Ergänzung», wie er sagt.

Schöne Farbe: Noxx aus dem Hause Eisbock.

Schöne Farbe: Noxx aus dem Hause Eisbock.

(Bild: mam)

«Wir werden ausdrücklich für Spezialbiere stehen und suchen vorderhand die Zusammenarbeit mit kleinen Schweizer Lohnbrauereien.» Das Noxx (von lateinisch nox für Nacht) zum Beispiel wurde von einem Brauer im Freiburgischen hergestellt, der die Philosophie und die Qualitätsansprüche der drei Zuger Bier-Aficionados teilt.

1’000 für die erste Brauerei in der Stadt Zug

Dereinst jedoch möchten die drei Jungbrauer eine Gasthausbrauerei in Zug betreiben. «Früher war dies der Normalfall, wie Bier hergestellt wurde», erzählt Woerz. Der Stern sei das Zeichen der Brauer gewesen, und überall, wo es heute ein Gasthaus Sternen gebe, könne man davon ausgehen, dass hier einst Bier gebraut wurde.

Dies ist aber das Fernziel der Zuger, die für ihre Eisbock GmbH die Nummer 1’000 der Eidgenössischen Zolldirektion bekommen haben. «Weil wir die sage und schreibe erste Brauerei in der Stadt Zug sind.» Die Zahl 1’000 weist darauf hin, dass es ungefähr so viele Bierfirmen in der Schweiz gibt.

Erfunden aus Vergesslichkeit

Eisbock heisst das Zuger Brauhaus deshalb, weil es noch keine Brauerei in der Schweiz gibt, welches diese Bierspezialität herstellt. Bei einem Eisbock lässt man ein Bier vereisen. Weil Wasser vor Alkohol gefriert, bleibt ein Konzentrat, das die ganzen flüssigen Geschmacksstoffe im Innern des Eises sammelt. Das Bier wurde der Legende nach um 1890 von einem deutschen Brauergesellen zufällig erfunden, als er im Winter Bierfässer im Freien stehen liess. Sein Meister verknurrte ihn zur Strafe, die Eisblöcke aufzuschlagen und das Bier zu trinken. Zur Überraschung der beiden stellte es sich als höchst bekömmlich heraus.

Ein solches Eisbock also soll es auch einmal aus Zug geben. «Wir werden es zu einer speziellen Gelegenheit brauen», sagt Adrian Woerz. «Vielleicht zu unserm einjährigen Firmenjubiläum.» Erst wollen Frei, Suter und Woerz nun ihr IPA lancieren. Mit Gastronomen, die es in ihren Lokalen anbieten wollten, sei man im Gespräch. Auch im Getränkehandel werde es erhältlich sein. «Vor allem aber wollen wir unsere Kunden selber kennenlernen.» Die Freude am Bierbrauen und an der Begeisterung der anderen Biertrinker wollen sich die Jungbrauer bewahren.

Das Bier ist der neue Wein

Die drei Brauer von Eisbock üben von Haus aus technische Berufe aus – sie sind Informatiker und Tiefbauingenieure. Unter den Biersommeliers sind sie Exoten. «Es sind oft Leute aus der Gastronomie und der Braubranche, die sich zum Sommelier weiterbilden, weil Bier in der Genussbranche zunehmend wichtiger wird», sagt Woerz. Die Welle der Craft-Brauereien und der Spezialbiere sei in der Schweiz erst im Entstehen begriffen, meint er. «Immerhin gibt es jetzt immer öfter Bierkarten in den Restaurants.»

Er sei überzeugt, dass Bier dereinst einen ähnlichen Stellenwert haben werde wie Wein, sagt Woerz: «Nicht als Konkurrenz, sondern als Ergänzung.» Auch Beer-Food-Pairing werde zum grossen Thema werden – also die Frage, welches Spezialbier man zu welcher Speise geniesst. Fürs Noxx empfiehlt Woerz: «Das IPA passt hervorragend zu asiatischen Speisen.»

 


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