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Noch vor dem Urknall zugeknallt
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Die negativen Seiten der närrischen Tage machen einem Fasnächtler nichts aus. Er trotzt der Kälte, übergibt sich kurz und macht weiter. (Bild: azi)

Die Fasnachts-Hass-Repo Noch vor dem Urknall zugeknallt

2 min Lesezeit 1 Kommentar 12.02.2015, 13:31 Uhr

«Anti-Fasnächtler» haben es in diesen Tagen nicht einfach – überall geuggelt’s, kracht’s und klebt es. Die Stadt Luzern ist voller Leute, welche die Nacht auf den heutigen SchmuDo durchgemacht haben, um endlich mal die Hemmungen fallen zu lassen. Will man mit dem närrischen Treiben nichts zu tun haben, wünscht man sie sich dorthin zurück, wo sie hergekommen sind. Ein subjektiver Erlebnisbericht einer bekennenden Fasnachts-Hasserin.

Die nette Nachbarin, der ehemalige Schulkollege oder der stets gewissenhafte Bankangestellte – all jene, deren gewagtestes Erlebnis es normalerweise ist, unter der Woche mal erst um ein Uhr nachts schlafen zu gehen. Sie alle sind nicht wieder zu erkennen. Sie, die während des Jahres Hemmungen haben, sich mal gehen zu lassen. In diesen Tagen haben sie endlich den Freipass einen drauf zu machen und tummeln sich in den Gassen der Luzerner Altstadt, um das raus zu lassen, was sie lange unterdrückt haben.

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Endlich dürfen sie mal so sein, wie sie gerne wären, ohne sich dafür schämen zu müssen. Während Männer dabei etwas mehr die Sau rauslassen als ansonsten am Wochenende in der Dorfkneipe, können Frauen endlich mal Schlampen sein, ohne dafür verurteilt zu werden. Man trifft sie dann als Krankenschwestern, Politessen oder Teufelinnen an. Oder in der etwas zurückhaltenderen Variante als härzig-kuschelige Bunnies.  

Die Fasnacht zieht Leute in die Stadt, die man sich als Fasnachts-Hasser dorthin zurück wünscht, wo sie hergekommen sind. Sie haben die Nacht auf den heutigen Donnerstag durchgemacht, um ja nichts zu verpassen. Schon vor dem Urknall ist ihr Zustand nahe dem Delirium. Der Kapellplatz wird zum Schauplatz eines Massen-Saufgelages. Man kann sich in der Meute kaum bewegen. Ganz zu schweigen vom Gedränge in den Gassen. 

Aber man muss es positiv sehen: Immerhin (noch) kein Konfetti-Schlamm auf der Strasse. Dem einladenden Wetter sei Dank. Doch bereits nach wenigen Schritten klebt der Abfall an den Schuhen. Nach einigen Metern des qualvollen Vorwärtskämpfens sind dann auch die Kleider mit Bier, Holdrio und anderen, undefinierbaren Flüssigkeiten getränkt. Hin und wieder bekommt man ein «Tschuldigung» ins Gesicht gehaucht – einen fiesen Bratwurst-Atem inklusive. Mal ehrlich: Ohne Alkohol ist das nicht auszuhalten.

Doch all das macht einem Fasnächtler nichts aus. Er trotzt der Kälte, übergibt sich kurz im Brandgässli und macht weiter. Ist schliesslich nur einmal Fasnacht.

Man könnte sich fragen, ob es denn nicht schön ist, mal ungehindert alles auszuleben? Einen Raum zu haben, in welchem Nichtkonformität konform ist. Es hat irgendwie etwas an sich. Zumindest wenn man sieht, wie viel Mühe teilweise in die Verkleidung investiert wird.

Aber nein, wir echten Fasnachts-Hasser lassen uns nicht einlullen, sondern stopfen uns die Ohren zu und steigen in den nächsten Zug. Egal wohin – nur raus aus der Stadt.

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1 Kommentare
  1. Rudolf Hirt, 12.02.2015, 17:09 Uhr

    Die Autorin spricht mir aus dem Herzen. Nüchtern hält man es fast nicht aus.
    Trotzdem lasse ich Fasnacht Fasnacht sein und versuche es gelassen zu sehen.
    Ich brauche ja nicht hinzugehen.