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Noch mal Hardcore-Punk sein
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Stage-Diving macht noch mehr Spass, wenn weniger Leute da sind: Ein HC-Konzert von 1993, mit dem Erfinder der Zuger HC-Szene auf den Armen der Zuschauer. (Bild: zvg)

Ein Zuger Urgestein macht Party Noch mal Hardcore-Punk sein

3 min Lesezeit 02.08.2015, 17:14 Uhr

Es gab mal eine Szene in Zug, und sie war eine der grössten der Schweiz: Hardcore-Punks aus halb Europa sind in den 90ern in die Industrie45 gepilgert – weil ein 18-Jähriger jedes Wochenende Konzerte schmiss und gute Bands anlockte. Jetzt soll die Szene wieder aufleben.

Etienne Schorro kramt langsam auf dem Computer die Fotos hervor, die Kaffeemaschine läuft, vor zehn Uhr morgens ist bei ihm nicht mit viel zu rechnen – der Mann arbeitet zu Musiker-Zeiten. Die Lichter in seinem Tonstudio sind noch auf Augenringe eingestellt, aber langsam fängt der Dampfer an, zu laufen. Schorro ist ein Zuger Urgestein, wenn man das von einem Sechsunddreissigjährigen behaupten kann. Er ist es zumindest in Bezug auf eine Zuger Szene, die einmal eine der grössten der Schweiz war: Die Zuger Hardcore-Punk-Szene. In den 90ern entstanden, in den Köpfen von vier Jugendlichen, in der Industrie45 in Zug. Und jetzt soll sie wiederbelebt werden.

Einer der Jugendlichen war Schorro. Und einer war Vijeko Kolenda. «Er hat die legendären Parties damals geschmissen», sagt Schorro und zeigt ein Video des Schweizer Fernsehens über die Zuger Szene (siehe unten): Ein verknautschter 17-jähriger, er hat Wochenende für Wochenende HC-Punkbands aus ganz Europa nach Zug geholt, für Benzingeld und ein Bett. Und damit das Haus gefüllt – drei Jahre lang. Und Schorro hat sie alle gemischt, in der Industrie45, an einem schrottigen Mischpult.

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«Wir haben die halbe Industrie45 umgebaut damals», sagt Schorro, die Boxen, das Mischpult, Mikrofone, Frequenzweichen, alles selber gemacht. Und Kolenda hat die Bands überzeugt: «Er hat das irgendwie geschafft, die grossen Bands hierher zu bringen», sagt Schorro. «Er war einfach so offen, hat alle immer ausgefragt. An jedem Konzert hat er mit den Bands geredet und sie überzeugt, nach Zug zu kommen.»

«Die wollen alle spielen»

In dieser Zeit sind auch einige Zuger HC-Bands entstanden, die heute noch erfolgreich sind. Dann war Schluss. Kolenda ist jung am Alkohol gestorben. Schorro nach Zürich ausgewandert, zum Familie gründen. Seit drei Jahren ist er wieder da – und arbeitet heute selber als Sozi in der Industrie45 und als Ton-Produzent im eigenen Studio.

«Eigentlich war das gar nie mein Sound»

Etienne Schorro

Schorro grinst. «Damals wollten wir von den Sozis nichts wissen.» Heute ist er für die Jugendlichen verantwortlich, die etwas veranstalten wollen. Und eine dieser Veranstaltungen ist das Takeover-Fest. Es wird eine Zeitreise. Zumindest für Schorro. «Wir wollen diesen Spirit wieder aufleben lassen», sagt er. Den Spirit der HC-Punkkonzerte von damals. 15 Schweizer Bands werden am 11. September auftreten, zwei Tage lang. Wieder fast für gar nichts.

Zwei mal dieselbe Idee

«Die HC-Punks haben dieses Straight-Edge-Ding», sagt Schorro. Kein Alkohol, kein Tabak, veganes Essen. «Das macht auch die Stimmung aus.» Es gibt Stände für Kleider, ein Zürcher Veganrestaurant macht das Catering. Und 15 Bands treten auf. Viel zu viele. «Aber die wollen alle spielen», sagt Schorro.

Entstanden ist die Idee gleich doppelt. Ein Mal bei einem spontanen Treffen zwischen Schorro und einem der Musiker, der vor 20 Jahren in der Industrie gespielt hat. «Ich kenne dich doch von irgendwo», haben beide gedacht. Und es dann rausgefunden. Schorro hatte ihn gemischt damals. «Wir dachten, es wäre cool, wenn die Szene in der Industrie45 wieder aufleben würde. Und wenn es nur für ein Mal ist.» Dann ist plötzlich Philipp Rohr mit derselben Idee aufgetaucht, ein junger Zuger, der das ganze auch organisieren kann. Und jetzt geht’s wieder los mit dem HC-Punk in der Industrie. «Eigentlich war das gar nie mein Sound», sagt Schorro und lacht. Nach zwanzig Jahren darf er das zugeben. «Jetzt kann ich schon eher etwas damit anfangen. Aber dass es wieder so ein Festival gibt, das finde ich einfach fantastisch.»

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