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Noch ist den Walchwilern der Tunnel egal
  • Politik
Walchwil am rechten Zugerseeufer: Die Bevölkerung im Dorf hat sich bisher kaum mit einem Zuger Stadttunnel beschäftigt. (Bild: tog)

Vor der Stadttunnel-Debatte Noch ist den Walchwilern der Tunnel egal

3 min Lesezeit 1 Kommentar 10.12.2014, 16:30 Uhr

Am Donnerstag wird im Zuger Kantonsrat die Debatte über den Stadttunnel Zug fortgesetzt. Was denken die Walchwiler über das 900-Millionen-Projekt? Für die Gemeinde am südlichen Rand des Kantons könnte ein Stadttunnel grosse Vorteile bringen, denn: Für die Walchwiler führt oft kein Weg an der Stadt vorbei.

Wollen die Walchwiler mit dem Auto in den westlichen Teil ihres Kantons, haben sie zwei Möglichkeiten: Entweder fahren sie über Arth auf der Autobahn Richtung Holzhäusern und Cham, oder dem östlichen Seeufer entlang durch Zug. Dann kommen sie aber meist in der Stadt in den Stau – zumindest zu den Stosszeiten. Dadurch ist Walchwil vom Rest des Kantons praktisch abgeschnitten. Da könnte der Stadttunnel unter der Kantonshauptstadt hindurch Abhilfe leisten. Das geplante Megaprojekt soll die Stadt vom Verkehr entlasten. Am Donnerstag debattiert der Kantonsrat ein weiteres Mal über den Tunnel.


Gleichgültigkeit in Walchwil

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Was sagen die Walchwiler zum 900-Millionen-Projekt? Wünschen sie sich eine bessere Verkehrsanbindung an den Rest des Kantons? Ein Augenschein vor Ort zeigt: Die Walchwiler können sich mit einem Stadttunnel noch nicht richtig anfreunden – oder sie haben sich noch gar nicht damit beschäftigt.

Die meisten Menschen im 3’700-Einwohner-Dorf winken bei der Frage nach einem Stadttunnel ab. «Darüber haben wir uns bisher keine Gedanken gemacht», lautet der Tenor. Oder: «Das ist noch viel zu weit weg.» Noch sei ja nichts beschlossen. Ein älterer Herr meint: «Das wird doch viel zu teuer.» Am Schluss müsse ohnehin wieder der Steuerzahler mit höheren Steuern dafür aufkommen.

Politik und Gewerbe ist vorsichtig

Auch Walchwiler Lokalpolitiker und Gewerbetreibende sind noch vorsichtig, was den Stadttunnel anbelangt. Gemeindepräsident Tobias Hürlimann erklärt, der Gemeinderat habe sich bisher nicht mit einem Stadttunnel auseinandergesetzt und werde daher keine Stellung nehmen. Auch der Bauunternehmer Peter Rust von der Rust + Co. AG will sich noch nicht dazu äussern: «Wir haben im kantonalen Baumeisterverband über das Projekt diskutiert.» Man sei aber übereingekommen, nichts dazu zu sagen. Es sei noch zu früh dafür. «Wir warten jetzt mal ab, was der Kantonsrat diskutiert und beschliesst», so Rust.

300 Millionen sollen die Autofahrer beisteuern

Im Kanton Zug wird seit Jahren an einem Projekt Stadttunnel gearbeitet. Der Tunnel soll die Stadt Zug künftig massiv vom Verkehr entlasten. Jetzt diskutiert der Kantonsrat detailliert über das Projekt und die Finanzierung.
Gerade die Kosten sind umstritten: Etwa 900 Millionen Franken würde der Tunnel kosten. Davon sollen die Autofahrer 300 Millionen beisteuern, indem im Kanton Zug die Motorfahrzeugsteuern je nach Vorschlag für einige Jahre zwischen 25 und 50 Prozent erhöht werden. Zudem soll auch die Stadt Zug zwischen 80 und 120 Millionen Franken beitragen. Der Rest entfällt auf den Kanton.

Andreas Zimmermann, Präsident des Gewerbevereins Walchwil, will sich am Thema Stadttunnel ebenfalls nicht die Finger verbrennen: Man habe sich noch keine Meinung gebildet. Überhaupt sei das Gewerbe mit Aussagen zu politischen Themen zurückhaltend, so Zimmermann. Er sagt einzig, aus seiner Sicht sei bisher noch zu wenig über die Folgekosten eines solchen Megaprojekts gesprochen worden.

Tunnel könnte Walchwil Mehrverkehr bringen

Beat Hürlimann, Inhaber der gleichnamigen Schreinerei in Walchwil, sieht dagegen durchaus Positives, sollte der Stadttunnel dereinst wirklich gebaut werden: «Gerade wenn wir Baustellen im Westen der Stadt Zug oder auf der anderen Seeseite haben, hätte ein Tunnel für unsere Mitarbeitenden Vorteile.» Heute stünden sie in und um Zug oft im Stau.

Die Werkstatt der Beat Hürlimann GmbH steht in Arth, «weshalb unsere Mitarbeitenden im Moment über die Autobahn schneller auf die andere Seeseite fahren können», so Hürlimann. Er glaubt, dass ein Stadttunnel jedoch auch negative Auswirkungen für Walchwil hätte: Viele Autofahrer aus dem Kanton Schwyz und sogar dem Urnerland fahren seiner Meinung nach heute über die Autobahn Richtung Zug und Zürich. «Mit dem Stadttunnel wären sie über die rechte Seeseite schneller in Zug. Deshalb würde der Verkehr in Walchwil wohl zunehmen, wenn der Tunnel gebaut wird», sagt er. Auch dem Plan, einen Teil des Tunnels mit höheren Motorfahrzeugsteuern zu finanzieren, steht er als Gewerbetreibender kritisch gegenüber.

Ob die Walchwiler in Zukunft von einem Stadttunnel profitieren können oder nicht, ist im Dorf also bisher nicht das grosse Gesprächsthema. Dabei ist ein Tunnel längst nicht mehr so weit weg wie noch vor einigen Jahren. Bereits im nächsten Sommer könnte eine Volksabstimmung dazu stattfinden.

Was denken Sie: Bringt ein Stadttunnel Zug den Walchwilern eher Vorteile oder Nachteile? Als Community-Mitglied können Sie Ihre Meinung mit der Kommentar-Funktion mitteilen. Am Donnerstag berichtet zentral+ über die Kantonsratsdebatte.

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1 Kommentare
  1. Anton Saxer, 10.12.2014, 17:49 Uhr

    Die Walchwiler/innen sind wohl nicht die einzigen Kantonsbürger welche sich noch kein Urteil gebildet haben. Und auch der Finanzierungsvorschlag der Kommissionen dürfte noch nicht überall angekommen sein.
    Allerdings bin ich mir sicher, dass die Motorfahrzeughalter und insbesondere das Gewerbe und die Industrie mit grösserem Fahrzeugpark keine ausgeprägte Begeisterung aufbringen, zu einem “schönen” Teil das Mammutprojekt über eine massive Erhöhung der Motorfahrzeugsteuer zu finanzieren. Besonders auch darum, weil ein Tunnel mehr Probleme generiert als er zu beseitigen imstande ist. Auch für die Walchwiler/innen.