Noch fehlt es beim lit.z am eigenen Profil
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Sabine Graf (links) und Daniela Krienbühl sind auch im Luzerner Kunstmuseum nicht von den Büchern abzuhalten. (Bild: jav)

900 Tage Literaturhaus Zentralschweiz Noch fehlt es beim lit.z am eigenen Profil

5 min Lesezeit 07.05.2017, 17:15 Uhr

Seit zweieinhalb Jahren besteht das Literaturhaus Zentralschweiz in Stans. Zeit, mit den beiden Leiterinnen auf die Aufbauphase zurückzublicken. Nachdem sich allzu romantische Vorstellungen nicht umsetzen liessen, gelte es nun vor allem, ein eigenes Profil zu entwickeln, sagen Sabine Graf und Daniela Krienbühl.

Seit zweieinhalb Jahren existiert das Literaturhaus Zentralschweiz. Die Erwartungen waren zu Beginn nicht sehr gross, wenn man sich in Luzern umhörte. Stans ist nicht gerade als Dreh- und Angelpunkt der Literaturszene bekannt und auch die Lage ausserhalb von Luzern nahm man als wenig attraktiv wahr.

Doch dem zum Trotz sollte inmitten von Stans, in den historischen Räumlichkeiten der Rosenburg, ein öffentlicher Treffpunkt für Literatur und ihre vielfältigen Erscheinungs- und Debattierformen entstehen.

Einrichten, aufziehen, etablieren

Nach rund 900 Tagen lässt sich nun sagen: Das «lit.z» hat sich etabliert und ist zu einem wichtigen Veranstalter und Netzwerker in der Zentralschweizer Literaturszene geworden.

«Das lit.z ist kein Ort zum Arbeiten, Lesen und Konsumieren von Literatur geworden.»
Sabine Graf, Intendantin lit.z

Die Intendantin Sabine Graf und die organisatorische Leiterin Daniela Krienbühl haben den Laden 2014 aus dem Nichts hochgezogen. Wenn sie heute auf den Anfang zurückblicken, kommen Erinnerungen an intensive und improvisationsreiche sechs Wochen hoch bis zur Eröffnung im November 2014.

«Unsere erste Zusammenarbeit bestand darin, Daniela am Steuer eines Lastwagens durch Berner und Zürcher Brockis zu tingeln und die Rosenburg zu möblieren», erzählt Graf lachend. Der Dachstock und die anderen Räumlichkeiten wurden in Beschlag genommen und als Hauptsitz eingerichtet.

Romantische Vorstellungen

Ein lebendiger Treffpunkt, der zu einem Austausch zwischen Autoren, Leserinnen, Verlagen, Buchhandlungen, Journalisten, Literaturvermittlerinnen und -vermittlern einlädt, sollte es werden. Ob dieses Ziel erreicht worden ist, darüber lässt sich heute diskutieren.

«Das lit.z ist kein Ort zum Arbeiten, Lesen und Konsumieren von Literatur geworden – das ist eine romantische Vorstellung eines Literaturhauses und für uns nicht umsetzbar, diese Bedürfnisse decken Bibliotheken besser ab», erklärt Graf. Erstens sei es aus personellen Gründen nicht möglich, ein durchgehend öffentliches Haus zu bieten, zudem ist das Literaturhaus nicht der einzige Nutzer der Räumlichkeiten der Rosenburg.

Offen sind die historischen Räume nur, wenn Veranstaltungen oder Fremdvermietungen stattfinden. Trotzdem seien Stans und die Rosenburg sehr wichtig für das lit.z, betonen die beiden Leiterinnen. «Ja, die old lady Rosenburg verfügt definitiv über einen Spirit, der keinen unberührt lässt», so Graf schmunzelnd.

Schwellen überwinden

Natürlich würden die Burg-Räumlichkeiten und der Begriff «Literaturhaus» immer auch eine Schwelle für viele Menschen darstellen, dessen sind sich die beiden Leiterinnen bewusst. «Ich bin überzeugt: Wir können uns noch stärker in Stans und in der Zentralschweiz verankern und eine breitere Schicht gewinnen», betont Sabine Graf und erwähnt dabei eine Veranstaltung mit Daniela Schwegler und ihrem Buch «Älplerinnen im Porträt» beim Stanser Alpkäse-Markt. «Wir haben dort ein Publikum erreichen können, das das lit.z sonst wohl nie kennengelernt hätte.»

«Die grosse Herausforderung ist es, ein eigenes Profil zu entwickeln.»
Sabine Graf

Es habe sich bewährt, aus der eigenen Burg rauszugehen und mit dem Format «lit.z unterwegs» Veranstaltungen an verschiedensten Orten in der Zentralschweiz und mit verschiedensten Partnern aufzuziehen.

Alleine geht es nicht

Am Anfang versuchte sich das lit.z in verschiedenen Räumen einzumieten und selbstständig zu veranstalten. «Es hat sich aber schnell gezeigt, dass das alleine nicht geht», so Krienbühl. «Wir brauchen die Institutionen und Organisationen vor Ort.» So könne man auf ein bereits existierendes Publikum, die Infrastruktur und auch die Öffentlichkeitsarbeit zurückgreifen und diese mit dem Eigenen zusammenbringen. Das funktioniere mal besser, mal weniger gut, aber vor allem sei es ein wichtiger Bestandteil des gegenseitigen Kennenlernens. «Und die Vernetzung mit anderen kulturellen Einrichtungen in der Zentralschweiz wird dadurch immer enger.»

Dabei bildet das «lit.z» nicht nur Kooperationen in der literarischen Szene. «Die Vielfalt zeigt sich auch in spartenübergreifenden Veranstaltungen – mit Musik oder szenischen Arbeiten», erklärt Krienbühl. «Das bildet sich dann auch im Publikum ab.» Dieses Ausschwärmen an verschiedenste Orte und in verschiedene Kulturbereiche sei die grosse Herausforderung und gleichzeitig die Chance des Hauses.

lit.z wohin?

«Die grosse Herausforderung war es jedoch – und ist es noch immer –, ein eigenes Profil zu entwickeln», erklärt Graf. Diese Arbeit laufe derzeit im Hintergrund. «Wir stecken mitten im Prozess ‹lit.z wohin?›». Seit letztem Herbst arbeiten die beiden Leiterinnen gemeinsam mit dem Vorstand am Leitbild für die nächsten Jahre. «Wo wollen wir den Fokus setzen, welche Bedürfnisse sind da und können von uns abgedeckt werden, welche Impulse geben wir?» Solche Fragen müssen jetzt gebündelt und beantwortet werden.

Auch die Arbeit neben den Veranstaltungen – Schreibwerkstätten, die Vermittlung und Beratung – das «lit.z» als Kompetenzzentrum für Fragen rund ums und übers Schreiben – spielen dabei eine wichtige Rolle.

Der Raum, in welchem sich das «lit.z» bewegt, ist extrem weit gefasst. Die Herausforderung heisse deshalb «die Balance bewahren», so Graf. «Das Haus braucht die Durchlässigkeit vom lokalen bis hin zum nationalen und internationalen literarischen Schaffen. Wir wollen das Zentralschweizer Literaturschaffen abbilden, aber auch die Literatur von auswärts auf der lit.z-Bühne auftreten lassen», erklärt die Intendantin. «Und es ist eindeutig vom Publikum gewünscht, das spüren wir bei den Veranstaltungen», ergänzt Krienbühl.

Die Aushängeschilder

Die Zentralschweiz als Plattform literarischen Schaffens und Publizierens sei nicht zu unterschätzen. Dabei sei als Aushängeschild der Verlag «Der gesunde Menschenversand» zu nennen, der als wichtigster Schweizer Spoken-Word-Verlag über die Landesgrenzen hinausstrahle, betont Sabine Graf. Allgemein wolle das lit.z seine Funktion als Netzpunkt für die Zentralschweiz wahrnehmen, wobei die Verlage – oft vergessen – ebenfalls ihre Plattform erhalten, beispielsweise im Rahmen der Kooperation mit dem «Literaturfest Luzern», das heuer im November zum dritten Mal zu Gast im lit.z sein wird.

«Dann ist da Gertrud Leutenegger bei Suhrkamp, der Dramatiker und Prosaautor Thomas Hürlimann oder auch Erwin Koch. Dieser agiert hier zwar sehr diskret, geniesst aber europaweit als Reporter hohes Renommee.» Und auch beim «Nachwuchs» schwärmt Graf: «Martina Clavadetscher ist eine aufstrebende Autorin mit eindringlicher Handschrift, die der Gegenwart sprachmächtig-poetisch den Puls fühlt.»

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