In keiner anderen Stadt steigt die Sozialhilfequote so stark wie in Luzern
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Der Schwanenplatz ist wie leergefegt: Die ausbleibenden ausländischen Gäste führen zu einem Anstieg der Sozialhilfe-Bezüger in der Stadt Luzern. (Bild: Jal)

Auswirkung der Corona-Krise In keiner anderen Stadt steigt die Sozialhilfequote so stark wie in Luzern

3 min Lesezeit 3 Kommentare 07.01.2021, 10:36 Uhr

Die Corona-Krise ist die grösste wirtschaftliche Herausforderung für die Schweiz seit dem Zweiten Weltkrieg. Die Zahl der Sozialhilfe-Bezüger wird markant ansteigen. Das zeigt sich fast nirgends so deutlich, wie in der Stadt Luzern. Grund ist insbesondere die hiesige Wirtschaftsstruktur.

Die Schweizerische Konferenz für Sozialhilfe (Skos) zeichnet ein düsteres Szenario für die Zukunft. Seit Mai behält sie im Auge, wie sich die Fallzahlen in der Sozialhilfe im Zuge der Coronakrise entwickeln. Noch ist gesamtschweizerisch kein Anstieg feststellbar ­– einzelne Regionen verzeichnen aber signifikant mehr Fälle. Vorne mit dabei: Die Stadt Luzern.

Hier lag die Sozialhilfequote im Monat November 2020 8 Prozent höher als in einem Durchschnittmonat 2019. Stärker ist der Anstieg nur im Kanton Genf (plus 8,5 Prozent). Wobei dort im Zuge infolge von Corona spezielle Regeln für den Bezug der Sozialhilfe beschlossen wurden, was einen Vergleich schwierig macht. Klar ist jedenfalls: Der Index der Fallzahlen liegt in der Zentralschweiz deutlich über dem gesamtschweizerischen.

Warum ist gerade Luzern von einem Anstieg der Sozialhilfefälle betroffen? «Mögliche Gründe dafür sind der hohe Anteil von Beschäftigten in einem auf ausländische Gäste ausgerichteten Tourismus sowie ein generell steigender Trend aus dem Vorjahr», schreibt die Skos in ihrem Bericht.

Felix Föhn, Leiter der sozialen Dienste der Stadt Luzern, bestätigt dies. «Ende November verzeichnete die Stadt Luzern 2’436 Stellensuchende und 1’440 Personen, die Sozialhilfe beziehen», sagte er an einer virtuellen Medienkonferenz am Donnerstagmorgen. Die Arbeitslosenquote sei im Verlauf des Jahres auf drei Prozent angestiegen – und liegt damit deutlich höher als im gesamten Kanton (2,3 Prozent).

Quelle: Stadt Luzern

Besonders betroffen vom Stellenverlust ist die Hotellerie und der Gastronomiebereich – und alles was damit verbunden ist. Sprich: Die Event- und Kulturbranche, die Schmuck- und Uhrenindustrie, die Schifffahrtsgesellschaft und der Detailhandel. Daneben stieg die Zahl der Arbeitslosen im Baugewerbe und im Gesundheitswesen.

«Im März hatten wir einen massiven Anstieg, nämlich eine Verdoppelung der Anmeldungen bei der Arbeitslosenversicherung», erklärte Föhn. Im Sommer habe sich die Situation leicht entspannt. Die Ruhe war aber trügerisch. «Sehr viele Personen haben nur eine befristete Stelle gefunden – sie befinden sich also weiterhin in prekären Arbeitsverhältnissen», so Föhn weiter.

Für eine Entwarnung ist es also noch zu früh – zumal die Zahlen seit Oktober wieder deutlich ansteigen. «Ab Juni gab es eine etwas ruhigere Phase, im Oktober hat uns dann die zweite Welle voll erwischt», führte Föhn aus. Er betont, dass es für die Sozialhilfe 2020 einen Nachtragskredit brauchen wird – und eine Aufstockung der Budgets der Gemeinden für 2021. Denn verantwortlich für die Ausrichtung der Sozialhilfe sind die Kommunen.

Mehrkosten von 821 Millionen Franken

Die Skos geht davon aus, dass sich die Zahl der Sozialhilfe-Bezüger schweizweit im nächsten Jahr um 21 Prozent erhöhen wird. Dies wird zur Folge haben, dass die Kosten im Bereich der Sozialhilfe schweizweit um 821 Millionen Franken steigen.

Als Hauptproblem bezeichnet die Skos die steigende Arbeitslosigkeit und die wachsende Zahl von Selbstständigen, die sich aufgrund der Corona-Krise finanziell nicht mehr über Wasser halten können. Aufgrund der wirtschaftlichen Situation sei zudem die berufliche und soziale Integration erschwert.

Als «dringend» bezeichnet die Skos, dass es innerhalb der Kantone einen Lastenausgleich zwischen den Gemeinden gibt – weil die Zentren besonders von der steigenden Sozialhilfequote betroffen sind, wie die Fälle Luzern und der städtische Kanton Genf zeigen. Der Wunsch der Stadt Luzern, die Kosten gleichmässiger zu verteilen, dürfte im Kanton in den nächsten Monaten noch zu reden geben.

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3 Kommentare
  1. Kasimir Pfyffer, 07.01.2021, 17:22 Uhr

    Danke an alle Stimmberechtigten, die der Mogelpackung AFR 18 zugestimmt haben. Der Kanton lacht sich einen Schranz in den Bauch, muss er doch vergleichsweise tiefe Kosten für den Hochwasserschutz tragen. Die jährlich wiederkehrenden und leider auch jährlich wachsenden Kosten für die Sozialhilfen aber, tragen …. die Gemeinden. Jetzt geht das Hauen und Stechen los, siehe z. B. Steuererhöhung in Kriens.

  2. Stadt Luzerner, 07.01.2021, 13:03 Uhr

    Das hat man nun davon, wenn man alles auf eine Karte setzt! Danke an den hochgelobten Tourismusturbo Kurt H. Illi.

    1. Luc Bamert, 07.01.2021, 14:59 Uhr

      Das trifft sicher teilweise zu. Aber die jahrelange Frankenschwächung durch die Nationalbank hat auch zum Aufbau von Überkapazitäten im Tourismus beigetragen. Anderseits haben die Juweliere und Uhrenhändler sehr lange sehr hohe Umsätze gemacht und die Stadtkasse alimentiert.
      Es gibt aber auch bedeutende Sektoren in der Stadt, die von der Krise nicht betroffen sind, wie etwa die öffentlichen und privaten Versicherungsanstalten und die Krankenkassen. Hinzu kommen sehr viele Stellen in der Verwaltung und im Bildungswesen, die ebenfalls stabilisierend wirken.

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