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Nirgends sind die Busse so unpünktlich wie in Luzern
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Vielen VBL-Benutzern ist dies ein bekanntes Bild: Immer wieder kommt es zu Verspätungen bei der VBL. (Bild: sah)

VBL-Direktor: «Mittel für mehr Busse fehlen» Nirgends sind die Busse so unpünktlich wie in Luzern

4 min Lesezeit 01.04.2019, 14:11 Uhr

Auf der Website «Pünktlichkeit.ch» zeigt sich: Die Luzerner Verkehrsbetriebe liegen in Sachen Pünktlichkeit schweizweit ganz hinten. VBL-Direktor Norbert Schmassmann begründet dies mit der ungünstigen Verkehrslage von Luzern. Konkrete Lösungen des Problems scheinen nicht in Sicht.

Die Website «Pünktlichkeit.ch» zeigt die Pünktlichkeit verschiedener Schweizer Verkehrsbetriebe und vergleicht diese. Die Luzerner Verkehrsbetriebe (VBL) liegen mit einer letztjährigen Pünktlichkeit von 86,5 Prozent ganz hinten. Jeder siebte Bus der VBL-Busse kommt später als im Fahrplan vorgesehen an.

Diese relativ hohe Unpünktlichkeitsquote der VBL schlägt sich auch in den Ergebnissen der jüngst veröffentlichen Umfrage des Verkehrsverbund Luzern über die Kundenzufriedenheit nieder. Die Pünktlichkeit der Liniennetze wird bei der Umfrage am häufigsten kritisiert.

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«In der Verspätungsstatistik werden ‹Äpfel mit Birnen› verglichen», meint VBL-Direktor Norbert Schmassmann zur Statistik auf «Pünktlichkeit.ch». Er sieht dabei kein Verschulden auf Seiten der VBL: «Verspätungen sind nicht etwas, das ein Verkehrsunternehmen macht, sondern etwas, wovon ein Verkehrsunternehmen betroffen ist.»

Betroffen sei man hierbei von den Strassenverhältnissen in Luzern, so Schmassmann: «Verspätungen haben mit spezifischen Verhältnissen eines Verkehrsnetzes zu tun.» So hätten Anzahl und Länge von öV-Spuren, Einstellungen von Lichtsignalanlagen, Art und Anzahl von Kreuzungen und Baustellen Einfluss auf den öV. «Die VBL kann die Stadt nicht einfach zu ihren Gunsten ‹umbauen›», so der VBL-Direktor.

«Das Problem ist jedoch nicht die Anzahl Buspassagiere, sondern der Gesamtverkehr.»

Norbert Schmassmann, VBL-Direktor

«In den Stosszeiten am Morgen und am Abend ist man mit grossem Verkehrsaufkommen und grossen Passagierströmen konfrontiert», so die Begründung. Als Bus sei man zwar Teil dieses Verkehrs, sei jedoch um einiges flächeneffizienter in Sachen Platz als der Individualverkehr.

Lage am See und enge Strassenverhältnisse

In Luzern sei die Verkehrssituation grundsätzlich schwierig. Schmassmann nennt hierbei unter anderem die Lage am See. «Da über den See keine Verbindungsmöglichkeiten bestehen, müssen alle Quartiere über das Zentrum miteinander verbunden werden. Ein Grossteil des Verkehrsstroms muss sich deshalb über die Seebrücke zwängen.» Die Seebrücke wird dabei zum Nadelöhr, was zu regelmässigen Verstopfungen führe.

Was Luzern zusätzlich von anderen Städten, die wie zum Beispiel dem ebenfalls am See liegenden Zürich unterscheidet, seien die engen Strassenverhältnisse. «Selbst die Hauptstrassen sind eher schmal», so Schmassmann. Ausserdem geniessen die Busse, nicht wie oftmals die Trams in Zürich oder Basel, keine Vortrittsrechte. «Tramstädte haben es grundsätzlich besser» meint er.

Problemlinien Richtung Kriens, Emmen und Littau

Doch scheint es meist auf den ähnlichen Linien regelmässig zu Verspätungen zu kommen. Darunter die Linie 1 Richtung Kriens, 2 Richtung Emmen oder 12 Richtung Littau. Es wäre deshalb zu erwarten, dass auf diesen Linien Massnahmen ergriffen würden. Etwa, dass man die zusätzlich benötigte Zeit im Fahrplan berücksichtigt.

«Die Fahrpläne werden laufend den Situationen angepasst», so Schmassmann. «Allerdings sind die Verkehrsbehinderungen nicht jeden Tag gleich, wir müssen für die Bestimmung der Fahrzeiten einen Durchschnitt annehmen», erklärt Schmassmann.

Würden einige Linien Verspätungen aufweisen, koordiniere die Leitstelle die restlichen Busse so, dass die Abstände zwischen den Bussen erhalten bleiben. Sprich: Busse werden teilweise frühzeitig gewendet oder zurückgehalten. «Die Abfahrten an den einzelnen Haltestellen sind dann zwar gegenüber dem Soll-Fahrplan verspätet, jedoch bleibt wenigstens der Fahrplantakt konstant», so Schmassmann.

Finanziellen Mittel der VBL fehlen

Doch auch der VBL seien teilweise die Hände gebunden: «Anpassungen sind nur soweit möglich, wie die bestehenden Betriebsmittel (Fahrzeuge) vorhanden sind.» Würden denn die Umläufe der Linien länger, müssen weitere Fahrzeuge eingesetzt werden. Die finanziellen Mittel für diese seien jedoch begrenzt, meint der VBL-Direktor. «Aus finanziellen Gründen können nie alle von uns vorgeschlagenen Massnahmen umgesetzt werden.»

«Die Linie 12 ist ein Beispiel dafür, dass es mehr Betriebsmittel bräuchte, die der Verkehrsverbund Luzern im Moment nicht zu finanzieren bereit ist.»

Norbert Schmassmann, VBL-Direktor

Denn für die Finanzierung seien sie als Transportunternehmen letztlich vom Verkehrsbund Luzern und den Kunden selbst abhängig. Diese würden durch ihre Nachfrage entscheiden, was möglich ist. Bleiben die finanzielle Mittel aus, würden auch Massnahmen «auf der Strecke» bleiben.

«Chauffeure melden immer wieder Linien, die nicht mehr zuverlässig gefahren werden können. Ein Beispiel ist die Linie 12», so Schmassmann. «Diese Linie ist ein Beispiel dafür, dass es mehr Betriebsmittel bräuchte, die der Verkehrsverbund Luzern im Moment nicht zu finanzieren bereit ist», meint Schmassmann, der sich für zusätzliche Fahrzeuge auf der Linie ausspricht.

Der VBL-Direktor fügt an: «Dort, wo mehr Betriebsmittel notwendig sind, klären wir die Möglichkeiten mit dem Verkehrsverbund Luzern ab. Mit diesem stehen wir im Rahmen der Vorbereitungen des Fahrplans 2020 in Verhandlung.»

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