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«Niemand will, dass die Määs vom Inseli verschwindet»
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Bleibt die Määs auf dem Inseli oder droht die Juso-Initiative sie zu verdrängen? Dieses Jahr bleibt jedenfalls noch alles beim Alten. (Bild: jal)

Wie gefährlich ist Initiative für Herbstmesse? «Niemand will, dass die Määs vom Inseli verschwindet»

6 min Lesezeit 23.09.2016, 14:44 Uhr

Highlight der diesjährigen Määs ist ein 80 Meter hoher Kettenflieger. Hinter den Kulissen gibt jedoch weiterhin die Standortfrage zu reden. Denn nach dem Nein zur Salle Modulable steht mit der Inseli-Initiative die nächste Bedrohung für die traditionelle Herbstmesse im Raum. Doch alle Beteiligten signalisieren: Ein Kompromiss ist möglich.

Der Aufbau für die «Lozärner Määs» hat begonnen. Ab dem 1. Oktober heisst es auf dem Inseli wieder: Riesenrad, Magenbrot und Tombola. Zu den Highlights der diesjährigen Luzerner Messe gehört die Bahn «Condor» – ein 80 Meter hohes Kettenkarussell, das die Schwindelfreien mit bis zu 70 Stundenkilometern über Luzern kreisen lässt (siehe Box unten).

Zwischen 350’000 und 400’000 Besucher werden erwartet. Die Määs hat eine lange Tradition und ist in der Bevölkerung beliebt. Den Rückhalt spürten die Veranstalter auch bei den Diskussionen rund um die Salle Modulable. Seit das Inseli als Standort bekannt wurde, stellte sich die Frage, ob die Määs wegen des Theaterneubaus umziehen muss. Im Juli gab die Stadt bekannt, dass die Määs auch nach dem Bau der Salle Modulable auf dem Inseli bleiben kann – und rund um den Europa- und Bahnhofplatz zusammenrücken muss (zentralplus berichtete). Doch inzwischen ist das Projekt Salle Modulable gestorben und diese Diskussion damit vom Tisch.

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Bedroht Inseli-Initiative die Määs?

Allerdings nur vermeintlich. Denn mit dem Scheitern der Salle Modulable fiel das Hauptargument gegen die Inseli-Initiative der Juso weg. Diese verlangt, dass die Car-Parkplätze aufgehoben werden und einer Rasenfläche weichen. Der Stadtrat hat die Initiative ursprünglich abgelehnt, weil sie die Salle Modulable gefährdet hätte.

Nach dem Nein des Kantonsrates zur Salle Modulable will er die Forderung der Juso nochmals prüfen und deshalb die Volksabstimmung vom 27. November verschieben. Nicht ausgeschlossen, dass der Stadtrat die Initiative nun doch doch gutheissen könnte (zentralplus berichtete). Wann und ob die Initiative zur Abstimmung kommt, ist noch offen.

Aerny Bucher (links), Präsident der IG Luzerner Herbstmesse und Märkte, und Erich Felber, Projektleiter Veranstaltungen bei der Stadt, informieren über die Messe.

Aerny Bucher (links), Präsident der IG Luzerner Herbstmesse und Märkte, und Erich Felber, Projektleiter Veranstaltungen bei der Stadt, informieren über die Messe.

(Bild: jal)

Was heisst das für die Lozärner Määs? Mario Lütolf, Leiter der Abteilung Stadtraum und Veranstaltungen bei der Stadt Luzern, hält fest: «Im schlechtesten Fall gibt es Probleme für das Konzept der Määs.» Denn die Bahnen und Laufgeschäfte des Lunaparks können auf einer Rasenfläche nicht aufgestellt werden, sie brauchen einen festen Untergrund. Und den ganzen Lunapark auf den Europa- und Bahnhofplatz zu verschieben, ist schlicht nicht möglich.

Alle Seiten sind guten Mutes

Doch so weit muss es gar nicht kommen. Denn alle Seiten signalisieren Kompromissbereitschaft. Für Linus Petermann, Präsident der städtischen Juso, ist klar: «Wir haben nichts gegen die Määs. Sie ist ein wichtiger Teil der Luzerner Kultur und muss in der Innenstadt bleiben – aber vielleicht mit einem neuen Gesicht und nicht mehr im selben Rahmen.» Petermann geht davon aus, dass es möglich ist, die Grünfläche so zu gestalten, dass man gewisse Bahnen darauf stellen kann.

Auch Mario Lütolf äussert sich ähnlich. Man werde mit den Initianten schauen, ob eine Kompromisslösung möglich wäre, die der Määs entgegenkommt. Eine Möglichkeit wäre ein Schotterrasen, ähnlich wie beim Alpenquai, der als befestigter Grund auch eine gewisse Belastung aushalten würde. Denn Lütolf hält fest: «Dass die Määs vom Inseli verschwindet, will niemand. Das hat sich ja bei den Diskussionen um die Salle Modulable gezeigt.»

 

Der 80 Meter hohe Kettenflieger Condor soll bis nächsten Montag stehen. Ob auf dem Inseli weiterhin ein Määs-tauglicher Boden existiert, hängt von der Juso-Initiative ab.

Der 80 Meter hohe Kettenflieger Condor soll bis nächsten Montag stehen. Ob auf dem Inseli weiterhin ein Määs-tauglicher Boden existiert, hängt von der Juso-Initiative ab.

Bei der IG Luzerner Herbstmesse und Märkte will man zurzeit nicht auf die Details einer möglichen Umsetzung der Initiative eingehen. Präsident Aerny Bucher hält nur grundsätzlich fest: «Wir werden immer für den Standort Inseli kämpfen, denn es gibt keine Alternative.»

Konkreter wird diesbezüglich Erich Felber, als Projektleiter Veranstaltungen bei der Stadt für die Lozärner Määs zuständig. Zwar seien noch viele Fragen offen. Er ist aber guten Mutes: «Es gibt keinen Grund, Angst zu haben.» Auch er nennt einen Schotterrasen als Möglichkeit, die Anliegen beider Seiten zu vereinbaren.

Eine Chance für die Määs?

Linus Petermann von der Juso steht dieser Idee nicht ablehnend gegenüber. «Die Juso ist natürlich offen gegenüber Kompromissen, wir nehmen Vorschläge der Stadt gerne auf und diskutieren diese sowie eigene Ideen.» Im Sinne ihrer Initiative müsse aber jede Idee beinhalten, dass die Parkerweiterung als Grünfläche nutzbar sei und das Potenzial der Fläche und des Raumes genutzt werde.

Die Häuschen für die Waren-Määs auf dem Inseli stehen bereits. Knapp 90 Händler bieten hier bald ihre Waren an.

Die Häuschen für die Waren-Määs auf dem Inseli stehen bereits. Knapp 90 Händler bieten hier bald ihre Waren an.

(Bild: jal)

Entsprechend glaubt Petermann: «Vor allem für die grossen Bahnen bräuchte es wohl eine Alternativlösung.» Er erwartet diesbezüglich von der Stadt, dass sie weitere Standorte prüft und die im Zusammenhang mit der Salle Modulable erarbeitete Ideen gegebenenfalls weiterverfolgt. «Für uns ist klar, dass wir wegen der Määs, die nur zwei Wochen dauert, nicht unser Anliegen fallen lassen.»

Petermann versucht, die Sache auch für die Herbstmesse als Gewinn zu sehen. Die Inseli-Initiative könnte für die Määs auch eine Chance sein, sagt er. «Wenn die Rasenfläche vergrössert wird, könnte sich auch die Zahl der Stände am Warenmarkt vergrössern. Und dieser Handel war ja der Ursprung der ‹Lozärner Määs›.»

Letztlich sei es eines der Ziele der Juso-Initiative, dass der öffentliche Platz auf dem Inseli besser genutzt werde. «Es ist in unserem Sinn, dass durch die Aufwertung des Inseli Platz für Anlässe und Kultur geschaffen wird. Platz, den die Bevölkerung mit eigenen Ideen beleben kann.»

 

Uns so sieht der «Condor», das diesjährige Lunapark-Highlight, aus:

 

Mit 70 Stundenkilometern über die Stadt kreisen

Die Määs startet am Samstag, 1. Oktober, traditionell um 10 Uhr mit dem Böllerschuss. Stadtpräsident Beat Züsli (SP) wird die Konfettibombe zünden. Alle Jahre wieder, mögen manche sagen. Doch Aerny Bucher, Präsident der IG Luzerner Herbstmesse und Märkte, hält fest: «Die Lozärner Määs ist nicht einfach jedes Jahr dasselbe.» Dieses Jahr wartet die Herbstmesse mit vier neuen Bahnen auf. Der «Condor» sei das Highlight: Es ist das grösste mobile Kettenkarussell weltweit.

Die Sessel des Condors kreisen mit 70 Stundenkilometern auf 80 Metern Höhe. «Es ist absolut magenverträglich», sagt Erich Felber, Zuständiger bei der Stadt, der den «Condor» bereits getestet hat. Der Eintrittspreis beträgt 8 Franken. Ebenfalls erstmals an der Määs ist das vierstöckige Laufgeschäft Coco Bongo (siehe Bild unten). Bei der Warenmesse gibt es wie gewohnt Kurioses, Nützliches und Feines zu kaufen. Zehn der 84 Stände sind zum ersten Mal dabei. Neu kaufen kann man zum Beispiel Einkaufstrolleys, Kleinmöbel im Vintage-Stil oder 3D-Popup-Karten.

Das Grundkonzept der Määs bleibt dasselbe, sagt Bucher: «Die Määs ist eine Familienveranstaltung, an der mehrere Generationen auf ihre Rechnung kommen.» Entsprechend gibt es wieder einen Familientag, diesmal am Donnerstag, 13. Oktober: Von 10 bis 19 Uhr fahren alle Bahnen zum halben Preis.

Die Määs dauert bis zum 16. Oktober und ist täglich von 10 bis 19 Uhr geöffnet. Der Lunapark schliesst seine Tore jeweils um 22 Uhr, freitags und samstags um 23 Uhr.

 

Die Coco Bongo, das vierstöckige Laufgeschäft, ist erstmals an der Luzerner Herbstmesse zu Gast.

Die Coco Bongo, das vierstöckige Laufgeschäft, ist erstmals an der Luzerner Herbstmesse zu Gast.

(Bild: Facebook-Seite Luzerner Määs)

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