14-Jähriger unternahm nächtliche Spritztour

Zuger Jugendlicher in Handschellen aus Unterricht geholt

Die Zuger Polizei holte einen 14-Jährigen 2020 aus dem Unterricht und verhaftete ihn. (Bild: zvg)

Die Zuger Polizei hat 2020 einen 14-Jährigen aus einem Zuger Internat geholt und in Untersuchungshaft gesteckt. Der Jugendliche hatte sich auf Strolchenfahrt begegeben. Nun wurde sein Fall vor Gericht verhandelt.

Vier Tage lang sass der Minderjährige im November 2020 in Untersuchungshaft, wie die «Republik» berichtet. Der Verdacht: Er soll etwas mit dem Brand an der Internatsschule zu tun haben, die er besucht. Nachweisen lässt sich das nicht. Das Verfahren wird eingestellt.

Die Ermittlungen bringen aber andere Vorwürfe zutage. Der Junge, eine Klassenkameradin und ein Klassenkamerad sollen mehrfach «auf Kurve» gegangen sein. Sie schlichen aus dem Internat und machten nächtliche Spritztouren in entwendeten Fahrzeugen. Im Oktober 2020 plante der Jugendliche erneut eine Strolchenfahrt. Die drei klauten Velos am Bahnhof Zug, fuhren damit nach Baar, um von dort aus mit dem Auto des Vaters vom Klassenkameraden nach Zürich zu fahren.

Jugendstrafverfahren sind nicht öffentlich

Dar Vorhaben scheiterte an einem geschlossenen Garagentor. Die drei stiegen daraufhin in einen anderen Wagen, der nicht abgeschlossen war. Der Klassenkamerad würgte jedoch den Motor ab. Gemäss der Jugendstaatsanwaltschaft versuchten die drei danach noch, in einen Kiosk einzubrechen. Weiter soll der 14-Jährige einem Mitschüler an jenem Tag heftig zwischen die Beine getreten und ihn damit verletzt haben.

Davon, was der Junge gemacht und wie die Zuger Justiz mit dem Minderjährigen umgeht, erfährt die Öffentlichkeit nicht. Gerichtsverhandlungen von Erwachsenen sind zwar öffentlich. Im Jugendstrafrecht gilt das jedoch nicht.

Ziel: Das Leben wieder in die richtige Bahn lenken

In diesem Fall machte die Richterin eine Ausnahme und nutzte die rechtliche Möglichkeit einer beschränkten Zulassung der Öffentlichkeit. Sprich: Sie erlaubte es dem Republik-Journalisten an der Verhandlung dabei zu sein.

In seinem Bericht schildert er die Geschichte des mittlerweile 16-Jährigen. Den Verlust des Vaters, die Behandlung der ADHS-Erkrankung, die Verzweiflung der Mutter. Und das rabiate Vorgehen der Polizei, den Bub zu verhaften, ohne vorher die Mutter zu benachrichtigen.

Die Leserin erfährt, wie es mit dem Jungen weiterging. Er ist heute in einem betreuten Jugendheim und macht eine Therapie. Diese Massnahmen werden durch das Gericht bestätigt, um ihn von weiteren Straftaten abzuhalten. Zudem wird er wegen der Entwendungd er Fahrzeuge, einfacher Körperverletzung und versuchter Nötigung zu sieben Tagen gemeinnütziger Arbeit verpflichtet.

Das Ziel der Massnahmen: Das Leben des jungen Mannes wieder auf die richtige Bahn lenken. Das scheint zu fruchten. Die Mutter sagte in der Verhandlung, die sehe «jetzt endlich eine positive Entwicklung».

Vom Vorwurf des Velodiebstahls und des versuchten Einbruchs wird der Jugendliche freigesprochen. Ersteres ist verjährt und bei zweiterem wurde kein Strafantrag gestellt.

Verwendete Quellen
  • Artikel in der «Republik» (Paywall)
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