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Luxuswohnungen

Zuger Immobilienfirma erleidet Schlappe in Graubünden

Im bündnerischen Celerina wollte die Zuger Immobilienfirma 22 Luxuswohnungen bauen. (Bild: Engadin St. Moritz Tourismus)

In Graubünden wollte eine Zuger Immobilienfirma 22 Luxuswohnungen bauen. Die bisherigen Mieterinnen hätten gehen müssen. Nun hat der Gemeinderat dem Projekt einen Riegel vorgeschoben.

Ferienwohnungen sind beliebt und wurden seit dem Beginn der Pandemie nur noch beliebter. Das geht oft auf die Kosten von Einheimischen, die keinen zahlbaren Wohnraum mehr finden. Ein solcher Fall hat nun im bündnerischen Celerina für viel Aufruhr gesorgt. Denn eine Zuger Immobilienfirma wollte am Ort eines Mehrfamilienhaus 22 Luxus-Ferienwohnungen bauen. Die Gemeinde hat die Firma jetzt gestoppt.

Der Fall «Chesa Faratscha» machte Schlagzeilen in Graubünden und der Ostschweiz. Denn in der Bergregion ist die Wohnungsnot bittere Realität. Recherchen des «Regionaljournal Graubünden» und der «Engadiner Post/Posta Ladina» konnten zeigen, wie so ein Fall ablaufen kann.

Neue Besitzerin aus Zug schleicht sich an

Erschwinglicher Wohnraum ist im Engadin eine Rarität. Aktuell zeigt das sehr anschaulich der Fall von einem Mehrfamilienhaus im bündnerischen Celerina bei St. Moritz. Dieses sollte 22 Luxus-Ferienwohnungen weichen, weil diese lukrativer sind. Das zeigten Recherchen des Regionaljournal Graubünden und der Engadiner Post/Posta Ladina.

Für die Mieter des Mehrfamilienhauses kam diesen Frühling alles sehr überraschend: Sie erhielten im April einen Brief der Zuger Immobilienfirma «Neue Haus AG», worin sie informiert wurden, dass die Firma nun die neue Besitzerin der Liegenschaft sei. Für die Mieterinnen sollte sich zunächst nichts ändern.

Im Juni drehte sich dann der Wind schlagartig: An einem Treffen mit den Mietern verkündete die «Neue Haus AG», dass sie Sanierungen und Umbauten planen, und zwar luxuriöse. Ein Swimmingpool statt eines Kinderspielplatzes, ein Weinkeller, ein Spa, ein Fitnessraum und Wellness-Angebote. Und fast doppelt so viele Wohnungen sollten hinzukommen.

Wer kein Swimmingpool will, soll gehen

Für die «Neue Haus AG» seien die luxuriösen Zweitwohnungen die einzige rentable Nutzung. Der Umbau und die Materialien seien derart teuer geworden, dass die Firma ihre Rechnung anpassen musste, sagte der Geschäftsführer der Firma Simon Vlachos gegenüber SRF Regionaljournal.

Die neuen Wohnungen würden so für die meisten Mieterinnen nicht mehr bezahlbar. Doch diese Situation hatte die Besitzerin schon antizipiert: Sie versprach finanzielle Unterstützung für all jene, die bis am 31. März 2023 ausziehen und die Baubewilligung nicht anfechten würden.

Die Mieter fühlten sich allerdings in die Vereinbarung hineingedrängt. Eine Garantie für eine neue Wohnung gab es auch keine. Die «Neue Haus AG» wies die Vorwürfe zurück.

Der Gemeinderat zieht die Bremse

Die Problematik erreichte rasch auch die Gemeinde. Diese sah zunächst keine Handlungsmöglichkeit. Denn innerhalb des Zweitwohnungsgesetzes ist der Bau der «Neue Haus AG» zulässig. Am Montag hat der Gemeinderat dann aber doch klar die Bremse gezogen. Eine solche Notbremse ist den Gemeinden innerhalb des Zweitwohnungsgesetzes erlaubt.

Der Gemeinderat erliess eine Planungszone über das gesamte Gemeindegebiet, was einem vorübergehenden Baustopp gleichkommt. Konkret heisst das: Es ist für die nächsten zwei Jahre verboten, ältere Häuser in lukrativere Ferienwohnungen umzufunktionieren. Das gilt auch für das betroffene Mehrfamilienhaus.

Die Zuger Immobilienfirma «Neue Haus AG» erleidet mit ihrem Bauvorhaben also eine Schlappe. Die Gemeinde kann mit der Planungszone die Baupläne zumindest verzögern.

Gemeinde muss nochmals über die Bücher

An der Gemeindeversammlung am Montag stand das Thema Wohnbau sowieso auf der Agenda. Man wollte ein Wohnbauförderungsgesetz präsentieren, das mehr Wohnraum für Einheimische schaffen würde.

Das zog der Gemeinderat aber kurzfristig zurück. Denn er müsse nochmals über die Bücher. Da es neue Anträge gegeben habe.

Verwendete Quellen
  • Bericht von SRF Regionaljournal Graubünden
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