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Schwieriges Jahr für Sexarbeiterinnen-Beratung

Woher die Luzerner Prostituierten stammen

Blick in den Beratungscontainer für Sexarbeiterinnen im Ibach.

(Bild: zVg)

Der Luzerner Verein für die Interessen der Sexarbeitenden (Lisa) hat ein schwieriges Jahr hinter sich. Wegen des Tötungsdelikts im Ibach gingen fast alle ehrenamtliche Mitarbeiterinnen, sie fühlten sich nicht mehr sicher. Über 1’500 Sexarbeiterinnen nutzten die Beratung 2015. Sie kamen vor allem aus zwei Ländern.

Seit Dezember 2013 betreibt Lisa ein Beratungsangebot für Sexarbeiterinnen auf  dem Strassenstrich im Ibach (zentralplus berichtete). Im Beratungscontainer Hotspot finden die Sexarbeiterinnen Rat zu Gesundheitsfragen, ihrer Sicherheit und der rechtlichen Situation. Zudem gibt es ein heisses Getränk und Snacks. Und es stehen eine kleine Anzahl Kondome, Gleitmittel, Intimpflege sowie diverse Informationsbroschüren zur Verfügung.

Krisenjahr 2015

All das liest man im Jahresbericht 2015. Wie aus dem Bericht hervorgeht, wurde das Angebot im letzten Jahr rege genutzt. Doch zugleich war es ein Krisenjahr: Die Ermordung einer bulgarischen Prostituierten im September 2014 beeinflussten das Projekt stark. Bei den Sexarbeiterinnen und auch ihren Kunden sei die Verunsicherung gross gewesen, sie waren plötzlich verschwunden. «Viele hatten Ibach gemieden und wollten nicht mit dem Tötungsfall in Verbindung gebracht werden», heisst es.

Grosse Mehrheit Bulgarinnen

Die Besucherinnen des Containers – es kommen ab und zu auch Transsexuelle – werden jeweils nur einmal pro Abend gezählt. Sie kommen in der Regel drei- bis viermal während des Abends in den Container. Die Nationalitäten verteilen sich wie folgt auf die Sexarbeitenden:

Bulgarien: 1‘150
Ungarn: 264
Polen: 28
Kamerun: 29
Rumänien: 24
Schweiz: 10
Serbien: 1

Die Situation belastete auch die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen. Viele seien kurzfristig aus dem Projekt ausgestiegen. Gleichzeitig war die Zukunft des Projekts nicht mehr gesichert. Das Angebot lief deshalb nur noch «auf Sparflamme». Der Container war nur selten zugänglich.

Geld von Kanton und Stadt

Im Sommer 2015 dann die Erlösung: Kanton und Stadt Luzern sagten Beiträge für den Hotspot bis Ende 2017 zu. Weitere Beiträge in der Höhe von 70’000 Franken muss der Verein bei den Kirchen und mit Spenden auftreiben. Es wurde beschlossen, fortan mit bezahlten Mitarbeiterinnen zu arbeiten. Am 1. Oktober war das Team komplett, alle neuen Mitarbeiterinnen verfügten über Ausbildungen und Erfahrungen im sozialen Bereich.

Im Jahresbericht erfährt man aber auch mehr über die Benutzerinnen des Beratungsangebots. Danach nahmen 1506 Sexarbeitende das Angebot an. Im Durchschnitt arbeiteten 10 bis 25 Frauen und einige Transsexuelle auf dem Ibach-Strassenstrich. «Einige kamen aus anderen Städten, viele wohnen in Luzern», heisst es.

Sexarbeit an sieben Tagen pro Woche

Einige sprechen ein wenig Deutsch, anderen könnten weder lesen noch schreiben, auch nicht in ihrer Muttersprache. «Sie arbeiten sieben Tage die Woche, bei jedem Wetter und jeder Temperatur, ungeachtet ihres Gesundheitzustandes.»

Der Gesundheitszustand der Frauen sei ein grosses Thema. «In den Gesprächen konnte festgestellt werden, dass die wenigsten Frauen sich in der Schweiz oder in ihrem Heimatland auf Geschlechtskrankheiten testen und beraten liessen», heisst es im Bericht. Auch über Verhütung und Zyklus sei das Wissen gering. Und ebenfalls über Safer Sex und den richtigen Kondomgebrauch beständen grosse Wissenslücken. Alle Sexarbeiterinnen hätten zudem grosse Schwierigkeiten, sich bei den Themen Ausländerrecht und Bewilligungen, Steuern, AHV und Krankenversicherung zurechtzufinden.

Vier Ärztinnen beraten die Frauen

Nun gibt es Hilfe: Die Professionalität im Hotspot ist erhöht worden. Nach einem Artikel im Magazin «Luzerner Ärzte» über die problematischen Umstände  meldeten sich vier Ärztinnen beim Verein LISA und boten ihre Mitarbeit im Hotspot an.  Seither ist drei bis vier Mal monatlich eine Ärztin im Container anwesend für einfache kostengünstige Diagnosen und Rat. 

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