Schweizweit sind dieses Jahr 60 Personen ertrunken

Wo es in den Luzerner Gewässern am gefährlichsten ist

Das Baden in der Reuss ist an schönen Tagen verlockend, birgt jedoch besondere Gefahren. Manuel Ursprung, Leiter der Einsatzkommission der Luzerner SLRG, gibt Einblicke in die Zahlen. (Bild: Lena Berger/zvg)

Durch den schönen Sommer sind dieses Jahr überdurchschnittlich viele Leute in Schweizer Gewässern ertrunken. Es gibt aber laut SLRG keine Anzeichen, dass sich die Situation in Luzern verschlimmert habe.

Nach dem überdurchschnittlich heissen und sonnigen Sommer hat die Schweizerische Lebensrettungs-Gesellschaft (SLRG) eine tragische Bilanz gezogen. Bis nach den Sommerferien sind bereits 60 Menschen in Schweizer Gewässern ertrunken. Dies ist deutlich mehr als der langjährige Durchschnitt von 46 Ertrunkenen.

Dies ist eine hohe Zahl, findet Manuel Ursprung, Leiter der Einsatzkommission der Luzerner SLRG. Vor allem, da es sich beim Baden «nur um eine Freizeitaktivität» handle. Ursprung zieht denn auch den Vergleich zu Unfällen im Strassenverkehr. Mit 65 Todesopfern bei Autounfällen und deren 47 bei Motorradunfällen im Jahr 2021 ist die diesjährige Zahl von tödlichen Ertrinkungsunfällen vergleichbar mit denjenigen des Strassenverkehrs.

Grund für die überdurchschnittlich vielen Ertrinkungstode in diesem Jahr ist laut SLRG – wenig überraschend – der sehr gute Sommer, welcher viele Menschen ans Wasser lockte.

Risikogruppen: Männer, Jugendliche und junge Erwachsene und Betagte

Wie die SLRG mitteilt, sind 80 Prozent der Ertrunkenen Männer. Manuel Ursprung betont, dass die Ursache für die vielen männlichen Ertrinkungsopfer wohl die erhöhte Risikobereitschaft der Männer ist. Vom Alter her sind die meisten Opfer Jugendliche und junge Erwachsenen sowie Betagte.

Während bei der Altersgruppe der jungen Erwachsenen keine Zunahme der Ertrinkungsfälle zu beobachten ist, ist in der diesjährigen Opferstatistik ein markanter Anstieg an älteren Ertrinkungsopfern festzustellen. Wie bei der jungen Altersgruppe ist auch bei den Betagten die falsche Einschätzung der Gefahren ausschlaggebend für die hohen Unfallzahlen. Im Gegensatz zu den Jugendlichen und jungen Erwachsenen ist es jedoch weniger die erhöhte Risikobereitschaft, sondern eine erhöhte Überschätzung der eigenen Wassersicherheit, die zu den vielen Ertrinkungsfällen älterer Personen führt. Laut Ursprung gehen viele ältere Menschen getreu dem Motto «früher habe ich es ja auch gekonnt» ins Wasser.

Immer wieder gefährliche Situationen in der Ufschötti

Die Statistik zu den tödlichen Ertrinkungsunfällen ist nicht nach Kantonen aufgeschlüsselt. Genauere Daten zu den Opfern nach Kantonen erhebt die SLRG nicht. Jedoch hatte die SLRG bei ihren Einsätzen in Luzern keine Unterschiede zu vergangenen Jahren festgestellt.

Immer wieder zu gefährlichen Situationen komme es in der Ufschötti. Dort ist die Luzerner SLRG-Sektion mit einem Sicherungsdienst vor Ort, wo sie viel Präventionsarbeit leiste. Man wolle die Leute «sensibilisieren, bevor etwas passiert», so Ursprung. So könne man beispielsweise immer wieder beobachten, dass die Kinder ungenügend beaufsichtigt werden. Zudem sei bei vielen Badefreudigen Alkohol im Spiel.

Die Reuss ist ein besonders gefährliches Gewässer

Das «gefährlichste Gewässer» sei aber vermutlich die Reuss. «Der Fluss schafft Risiken», so Ursprung. Denn im Fluss gibt es spezifische Risiken, etwa die Strömung oder Wasserwirbel. Zudem könne man irgendwo einhängen oder sich anschlagen. Solche Gefahren treffen Schwimmer meist unerwartet, beispielsweise vor einem Jahr, als aufgrund des Hochwassers nur noch 20 Zentimeter Platz zwischen dem Flusspegel der Reuss und der Eisenbahnbrücke war. Zudem ist die Rettung im Fliessgewässer im Falle eines Unfalles schwieriger, da sich Verunfallte mit der Strömung weiterbewegen.

Seit einigen Jahren gibt es entlang der Reuss «Rettungsboxen» (Bild: zvg)

Laut Ursprung das «A und O» zur Vermeidung von Unfällen sind die Baderegeln der SLRG. Dazu gehören beispielsweise folgende Regeln: «Lange Strecken nie alleine schwimmen» und «Kinder nur begleitet ans Wasser lassen – kleine Kinder in Griffnähe beaufsichtigen».

Als weitere Sicherheitsmassnahme hat die Luzerner SLRG-Sektion vor rund fünf Jahren entlang der Reuss und auf der Seebrücke «Rettungsboxen» aufgestellt (zentralplus berichtete). Diese beinhalten einen Wurfsack mit einem Seil, an dem sich der Verunglückte festhalten und dann an Land gezogen werden kann.

Verwendete Quellen
  • Telefongespräch mit Manuel Ursprung, SLRG Luzern
  • Daten des Bundesamtes für Statistik
  • Medienmitteilung der SLRG
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