«Tempo-30-Zonen sind keine praktikable Lösung»

Auf Initiative der Sektion Waldstätte hat der TCS die provisorischen Tempo-30-Zonen in Rothenburg und Adligenswil untersucht. Das Fazit des TCS: Die Beispiele würden zeigen, dass die Gestaltung einer Tempo-30-Zone auf verkehrsorientierten Strassen keine praktikable Lösung sei. Der TCS fordert die Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben und ist gegen weitere Versuche ohne klare Grundlagen.

In den Gemeinden Rothenburg und Adligenswil wurden im Rahmen von Versuchen zwei Tempo-30-Zonen auf verkehrsorientierten Strassen eingeführt. In Rothenburg wurde die Tempo-30-Zone im April 2014 auf einer Hauptstrasse eingerichtet, in Adligenswil im Herbst 2014 auf einer Verbindungsstrasse – beide für die Dauer von einem Jahr. Der TCS hat die Relevanz dieser Versuche bereits bei der Einführung in Frage gestellt.

Im Januar fand in den zwei Gemeinden eine Begehung statt, organisiert von der TCS Sektion Waldstätte. Eine Expertengruppe des TCS unter der Leitung von TCS-Verkehrsingenieur Olivier Caspar wollte sich vor Ort ein Bild der Provisorien machen. Die Situationsanalyse sollte zeigen, wie die Versuchsbetriebe in Bezug auf die Signalisierung mit Eingangstoren, die Gestaltung des Strassenraums, die Vortrittsregelungen und die Fussgängerstreifen umgesetzt sind.

Als Beurteilungsgrundlage diente die schweizweit gültige Verordnung über die Tempo-30-Zonen und die Begegnungszonen des UVEK, in der die Gestaltung solcher Zonen genau geregelt ist. Etwa in Bezug auf Rechtsvortritt oder die Anordnung von Fussgängerstreifen.

Tempo-30-Zone in Rothenburg sinnlos

«Die Analyse in Rothenburg zeigte deutliche Mängel auf», heisst es in einer Mitteilung des TCS. Der Strassenraum innerhalb der Tempo-30-Zone unterscheide sich nicht von jenem ausserhalb der Zone. «Es ist unmöglich zu erkennen, dass es sich um eine Tempo-30-Zone handelt.» Auch nach Einführung der Zone gibt es noch immer drei Fussgängerstreifen. «In einer Tempo-30-Zone sollten die Fussgängerstreifen grundsätzlich entfernt werden, abgesehen von definierten Ausnahmen», meint man beim TCS. Zudem sollten die Kreuzungen in einer Tempo-30- Zone mit Rechtvortritt versehen sein. «Dies ist auf dieser Strecke an keiner Stelle der Fall.»

Weiter seien die Eingangstore unbefriedigend signalisiert. «Das Gefühl eines Tores auf der Seite Luzern wird mit einem Fussgängerstreifen gegeben. Dies erweckt den Eindruck, die Fussgänger würden als lebende Beruhigungsmassnahme eingesetzt.» Die Umwandlung dieser Strecke in eine Tempo-30-Zone sollte mit baulichen Massnahmen vorgenommen werden, meint man beim TCS. Die dazu nötigen Elemente würden aber ohne Bau einer Umfahrungsstrasse zum Chaos führen. «Aufgrund dieser Punkte macht die Tempo-30-Zone in Rothenburg und allgemein auf verkehrsorientierten Strassen keinen Sinn.» Die nötigen Massnahmen, um eine Tempo-30-Zone einzurichten, würden dem Charakter dieser Strassen widersprechen.

Auch Adligenswil bekommt schlechte Noten

Auch das Provisorium in Adligenswil wurde untersucht. Hier wurde der Strassenraum angepasst, so dass sich die Fahrbahn innerhalb der Zone von anderen Strassen unterscheidet. Die installierten Verengungen mittels Poller führten jedoch zu Problemen beim Kreuzen der Busse, weshalb sie wieder entfernt wurden. «Schon diese Handlung zeigt, dass diese Signalisation auf diesem Strassenabschnitt ungeeignet ist.»

Die Einmündung der Obgardistrasse sei nicht mit Rechtsvortritt geregelt, was der Verordnung widerspreche. Und auch in Adligenswil würden Fussgängerstreifen als Verkehrsberuhigungsmassnahme «zweckentfremdet». Zudem sei der Verkehr im Dorf bereits mittels Kreisel beruhigt worden. «Die Einrichtung einer Tempo-30-Zone auf diesem Strassenabschnitt ist deshalb nicht sinnvoll», kommt man beim TCS zum Schluss.

Es braucht begleitende Massnahmen

«Die Beispiele in Rothenburg und Adligenswil zeigen deutlich, dass die Gestaltung einer Tempo-30-Zone auf verkehrsorientierten Strassen keine praktikable Lösung ist oder dann von kostenintensiven Massnahmen wie Umfahrungsstrassen begleitet werden muss», so das Fazit der beiden Untersuchungen. «Der Charakter und die Funktion dieser Strassen widersprechen jenen einer Tempo-30-Zone. Es reicht nicht, nur ein Signal hinzusetzen ohne weitere begleitende Massnahmen.»

Gegen Rechtsunsicherheit und Signalisations-Experimente

Die TCS Sektion Waldstätte verlangt von den zuständigen Behörden, dass sie sich konsequent an die gesetzlichen Vorgaben halten und damit aktiv zu mehr Verkehrs- und Rechtssicherheit im Strassenverkehr beitragen. Die in den zwei Provisorien bestehenden Rechtsunsicherheiten lehnt der TCS ab. Er fordert, dass sich die Behörden bei der Umsetzung der Verordnung über die Tempo-30-Zonen und Begegnungszonen strikt an deren Inhalt halten.

Weiter ist der TCS überzeugt, dass sich Tempo-30-Zonen für Quartierstrassen eignen, nicht aber für Strassen mit starkem Durchgangsverkehr. Daher lehnt der TCS die Einführung von Tempo-30-Zonen auf Hauptstrassen und anderen Strassen mit starkem Durchgangsverkehr ohne entsprechende Umfahrungsmöglichkeiten ab, da eine gesetzeskonforme Umsetzung auf derartigen Strassen zu massi-ven Verkehrsbehinderungen führen würde. «Versuche ohne klare Grundlagen und mit einem zusätzlichen Gefährdungspotenzial wie in Rothenburg sollten aus Sicht TCS nicht bewilligt werden», heisst es. Auf Signalisations-Experimente auf Strassen mit starkem Durchgangsverkehr sei grundsätzlich zu verzichten. 

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