Luzerner Stahlhersteller in der Kritik

Swiss Steel: Verwaltungsrat kassiert trotz Verlusten Millionen

Im Verwaltungsrat von Swiss Steel sollen Mitglieder grosszügig kassiert haben, trotz Millionenverlusten. (Bild: Emanuel Ammon/AURA)

Die Zahlen für das Jahr 2021 sehen zwar gut aus. Das Unternehmen konnte einen schönen Gewinn einfahren. Allerdings ist dies auch bitter nötig, denn in den Jahren zuvor war das Unternehmen in den tiefroten Zahlen. Trotz Millionenverlusten streicht der Verwaltungsrat ein stattliches Sümmchen ein.

Auf den ersten Blick sehen die Zahlen gut aus, welche uns am 08. März erreichen. Die Luzerner Swiss Steel Group hat ihren Umsatz letztes Jahr um 40 Prozent gesteigert – auf 3’192,8 Millionen Euro. Die Absatzmenge stieg um 20 Prozent.

Das bereinigte EBITDA – also der Gewinn vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen – belief sich alles in allem 2021 auf 191,6 Millionen Euro gegenüber 68,9 Millionen Euro im Jahr davor (zentralplus berichtete).

Gute Zahlen, nach miserablen Zahlen

Weiten wir den Blick nun ein bisschen in die Vergangenheit aus. Das Unternehmen hat diesen Gewinn dringen nötig. In den vergangenen vier Jahren hat sich bei Swiss Steel einen Verlust von rund fast 800 Millionen Euro angehäuft.

Die Nettoverschuldung steigt nun von 639,9 auf 720,5 Millionen Euro. Dies sei hauptsächlich auf höhere Rohstoffpreise und den starken Anstieg der Energiepreise zurückzuführen, heisst es in der aktuellen Mitteilung.

Diese Zahlen sorgen auch in den sozialen Netzwerken für Gesprächsstoff.

Trotz der hohen Nettoverschuldung, hat sich der Verwaltungsrat in den letzten Jahren grosszügig Geld ausbezahlt. Wie die NZZ schreibt, haben sich die rund zehn Mitglieder des Verwaltungsrates in den letzten zwei Jahren zusammen je 1,7 Millionen Franken an Honoraren ausbezahlt.

Auch existiert im Verwaltungsrat nicht wirklich Sitzleder. Die, welche am längsten im Amt sind, wurden erst vor drei Jahren zum ersten Mal gewählt.

Viel kassiert, wenig geleistet

Laut Recherchen haben einige Mitglieder sich auch konkrete Vorwürfe anhören müssen. Sie hätten nur Geld kassiert, dafür allerdings kaum etwas geleistet. Peter Spuhler will dies nun richten. Der Unternehmer soll neu zwei Vertreter in das Aufsichtsgremium senden dürfen.

Jens Alder, Verwaltungsratspräsident von Swiss Steel sagt gegenüber der NZZ, dass es Bewegungen geben wird. Auf die kommende Generalversammlung demissionieren zwei Verwaltungsräte freiwillig. Dies ermögliche eine sinnvolle Reorganisation.

In Zukunft soll der Verwaltungstag nur noch aus acht Mitglieder bestehen. Jens Alder ist optimistisch, dass er nun mit diesem Team zusammen hat, um Swiss Steel «auf eine stabile Grundlage» zu stellen.

Verwendete Quellen
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