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Zuger stellt neues Feindbild der Partei vor

SVP-Aeschi schimpft in 1.-August-Rede über die Städte

Der Zuger SVP-Nationalrat Thomas Aeschi hielt in Flumserberg eine Rede zum 1. August. (Bild: Twitter)

Landauf, landab hielten gestern Bundesrätinnen, Nationalräte oder Lokalpolitiker ihre Reden zum 1. August. Und nutzten die Gelegenheit, um ihre Wähler zu mobilisieren. Dabei stach die SVP heraus, die ein neues Feindbild zeichnet.

Zwar stand die grosse Rütlifeier gestern am 1. August ganz im Zeichen des Schweizer Frauenstimmrechts. Doch ansonsten waren trotz Aufforderungen nur wenig Frauen am Rednerpult anzutreffen (zentralplus berichtete). So auch bei der Schweizerischen Volkspartei SVP: Gemäss Angaben der Partei hielten 31 Personen der Partei eine Rede zum 1. August, lediglich acht davon waren SVP-Politikerinnen.

Unter den männlichen Rednern war unter anderem der Zuger Nationalrat Thomas Aeschi, der auf der Alp Tannenboden im sanktgallischen Flumserberg eine Ansprache schwang. In dieser wurde deutlich, wie die SVP ihre Wähler mobilisieren will.

Der Fraktionspräsident erinnerte unter dem Motto «Arglist unserer Zeit» an die «Bewahrung der Schweizer Unabhängigkeit und Souveränität». Und setzte einen Schwerpunkt beim politischen Graben zwischen «den rot-grün beherrschten Städten und der mehrheitlich bürgerlichen Landschaft mit einer starken SVP». Dieser Graben werde immer grösser.

«Wohlstandsverwöhnte» in Städten hätten nichts für Landbevölkerung übrig

Aeschi stört sich daran, dass neun der zehn grössten Städte linksgrün dominiert seien: Zürich, Genf, Basel, Bern, Lausanne, Winterthur, Luzern, St. Gallen und Biel. Nur die Stadt Lugano habe noch eine mehrheitlich bürgerliche Regierung. Das Programm der Städte ziele auf mehr Staat, mehr sozialistische Umverteilung, mehr EU oder «gehätschelte Illegale und Kriminelle» ab.

«Viele dieser linksgrünen Wohlstandsverwöhnten in den grossen Städten haben wenig für die Landbevölkerung übrig, obwohl sie von Transferzahlungen der Landschaft, zum Beispiel durch den Lastenausgleich, profitieren», schimpfte der Zuger während seiner Rede. Als Beispiel führte er das Jagdgesetz auf, das mit fast 52 Prozent an der Urne abgelehnt wurde. Für Bewohner grosser Städte, die noch nie einen Wolf in freier Wildbahn gesehen hätten, sei es ein leichtes gegen die Lockerung des Wolfsschutzes zu stimmen. Sie seien nicht betroffen, hätten «höchstens eine Plastikkuh im Garten».

Dagegen vorgehen will Thomas Aeschi durch eine bessere Organisation der Landschaft. Auch soll der kantonale und nationale Finanzausgleich NFA angepasst werden, «dass nicht mehr die Landschaft die grossen Städte querfinanziert». Und weibelt sogleich für das Referendum gegen das Mediengesetz, das mehr staatliche Unterstützung für die Medien vorsieht. Die grossen Städte hätten nämlich die grossen Medienhäuser auf ihrer Seite, glaubt der SVP-Mann.

Mit seinem Angriff auf die Städterinnen ist er damit längst nicht alleine. Auch Parteipräsident Marco Chiesa sprach an seiner 1.-August-Rede von einer «Schmarotzer-Politik» der linken Städte, wie der «Blick» berichtet. Diese würden das Geld ausgeben, das andere erarbeitet hätten.

Gemäss der Zeitung soll das neue Feindbild der Städter nun intensiv beackert werden. SVP-Nationalrat Thomas Matter sei gar zum Dossierverantwortlichen ernannt worden. Damit soll die ländliche Bevölkerung im Wahlkampf 2023 mobilisiert werden.

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