:focal(800x600:801x601)/www.zentralplus.ch/wp-content/uploads/2020/03/IMG_6800.jpg)
Am Dienstag richtete die Sendung «Kassensturz» schwere Vorwürfe an den ehemaligen Luzerner SP-Kantonsrat Lathan Suntharalingam. Seine Spitex-Firma soll unter anderem unrechtmässig Geld von Krankenkassen kassiert haben. Nun kritisiert Suntharalingam seine Mitarbeiterinnen und den «Kassensturz».
Die Privat-Spitex Seeblick, dessen Gründer der ehemalige SP-Kantonsrat Lathan Suntharalingam ist, soll in einen «Pflegebschiss» involviert sein (zentralplus berichtete). Laut der SRF-Sendung «Kassensturz» soll seine Privat-Spitex «Seeblick» unter anderem unrechtmässig Geld von Krankenkassen erhalten sowie Urkunden gefälscht haben. In der Sendung wollte Suntharalingam nicht persönlich Stellung nehmen.
Nun meldete er sich aber per Mitteilung bei den Medien. Schuld für die gefälschten Unterschriften sei seine damalige Personalfachfrau, beteuert Suntharalingam. «Die Paritätische Kommission (Tempcontrol) machte am 16. Mai 2019 einen Kontrollbesuch in unserer Filiale in Zürich. Sie ist zusammen mit dem von der Kommission beauftragten Treuhänder die erforderlichen Unterlagen durchgegangen», so der Unternehmer. Über diesen Besuch und dessen Inhalt liege ein offizielles Protokoll vor.
«HR-Fachfrau war überfordert»
«Unsere damalige HR-Fachfrau war zu dieser Zeit hochschwanger und litt unter einer diagnostizierten Schwangerschaftsdepression», führt Suntharalingam aus. Dies habe dazu geführt, dass sie bei der Arbeit überfordert war. «Die Kommission verlangte von ihr, die Arbeitsverträge unserer Mitarbeitenden einzusehen, die sie aber in ihrer Überforderung nicht alle sofort gefunden hat.»
«Als Zeichen unserer Wertschätzung haben wir Frau Urbaniak eine Pflegeausbildung im Wert von 8000 Franken finanziert.»
Lathan Suntharalingam
Darum habe sie eine «Kurzschlusshandlung» begangen, indem sie unerlaubterweise falsche Unterschriften verwendet habe, beziehungsweise die Verträge eigenhändig unterschrieben hätte, erklärt Suntharalingam die Ereignisse.
«Angestellte waren sehr zufrieden»
Auch den Vorwurf, wonach die Mitarbeiterinnen einen sehr tiefen Lohn hatten, über den sie sich im «Kassensturz» beklagten, erachtet Suntharalingam als haltlos: «Die im ‹Kassensturz› auftretende Frau Urbaniak war bei unserem Unternehmen von 2016 bis 2019 angestellt. Sie war eine angenehme Mitarbeiterin und mit ihrer Anstellung äusserst zufrieden.»
Dies habe sich laut Suntharalingam insbesondere dahingehend gezeigt, dass die Pflegerien der Firma «Seeblick» mehr als 20 Betreuungspersonen aus ihrem Freundeskreis vermittelt habe. «Auch hat Frau Urbaniak die Firma Spitex Seeblick gegenüber unseren Klienten gelobt. Davon gibt es mehrere WhatsApp Nachrichten», schreibt Suntharalingam. «Als Zeichen unserer Wertschätzung haben wir Frau Urbaniak eine Pflegeausbildung im Wert von 8000 Franken finanziert.»
Die Redaktion sieht das anders. «Kassensturz ist der Meinung, dass es mehr als selbstverständlich ist, dass die Spitex Seeblick diese Grundausbildung der Betreuerin finanziert, denn ganz offensichtlich wollte die Firma sie ja auch als solche einsetzen», schreibt sie in einer Stellungnahme.
Hat der Kassensturz entlastendes Material weggelassen?
Nach Abschluss ihrer Ausbildung habe sie eine Auszeit nehmen wollen und sei zu ihrer Familie zurück nach Polen gegangen, so Suntharalingam. Wenig später habe die Pflegerin jedoch gekündigt und man habe ihr mitgeteilt, dass sie sich bei der Firma melden solle, falls es noch offene Lohnforderungen gebe. Man habe indes nichts mehr von der Frau gehört, beteuert Suntharalingam.
«Ich übernehme als Inhaber die volle Verantwortung dafür, dass unsere interne Kontrolle die Machenschaften der damaligen Filialleitung nicht frühzeitig erkannt hat.»
«Diesen Briefverkehr stellte unser Rechtsanwalt von der Kanzlei Valentin Landmann dem ‹Kassensturz› zu», schreibt Suntharalingam. Diese und weitere Dokumente habe die Journalistin in ihrem Beitrag allerdings nicht erwähnt, kritisiert er das SRF und spricht von einer «einseitige Berichterstattung» die entlastendes Material nicht habe mit einfliessen lassen.
Ausserdem habe es der «Kassensturz» unterlassen, zu erwähnen, dass es rund 50 positive Videos von Mitarbeiterinnen gegeben habe. Diese seien erstellt worden, nachdem die Frauen erfahren hätten, dass SRF einen kritischen Bericht über die Spitex-Firma senden wird.
Den Vorwurf der einseitigen Berichterstattung bestreitet die Kassensturz-Redaktion entschieden. Sie bestätigt zwar, dass die Redaktion am Freitag vor der Sendung Statements von Mitarbeitenden der Firma Seeblick erhalten habe. «Kassensturz sah keine journalistische Verwendung dafür, da die Tatsache der später bestätigten Unterschriftenfälschung oder der falschen Abrechnungen dadurch in keiner Art und Weise in Frage gestellt wurde», wie die Redaktion in der Stellungnahme erklärt.
Fehler bei Abrechnungen hatten personelle Konsequenzen
Und was sagt Suntharalingam zum Vorwurf, zu Unrecht Geld bei Krankenkassen eingefordert zu haben? «Wir haben Fehler bei den Prozessen in der Administration festgestellt und diese bereits korrigiert. Die personellen Konsequenzen sind vollzogen.» Mit fast allen Versicherern seien Gesprächstermine vereinbart und man werden jeden Fall genau anschauen. Und weiter: «Ich übernehme als Inhaber die volle Verantwortung dafür, dass unsere interne Kontrolle die Machenschaften der damaligen Filialleitung nicht frühzeitig erkannt hat.»