Unerwarteter Besuch

30 Geier kreisten über der Rigi

Immer mehr Gänsegeier aus Südfrankreich besuchen inzwischen die Schweiz. Über der Rigi kreisten nun an einem Tag 30 dieser majestätischen Vögel. (Bild: Matthias Kabel, Wikipedia)

Unerwarteten Besuch erhielten 63 Forscherinnen und Forscher im letzten Sommer auf der Rigi. 30 Gänsegeier und ein Mönchsgeier machten ihnen dabei die Aufwartung. Dass gleich zwei Geierarten zusammen und in so grosser Zahl beobachtet werden konnten, gab es bis anhin noch nie in der Zentralschweiz.

Nach dem wieder angesiedelten Bartgeier kreist seit einigen Jahren immer häufiger ein zweiter Aasfresser am Schweizer Himmel: Der Gänsegeier. Mit einer Flügelspannweite von 230 bis 265 Zentimetern handelt es sich um ein imposantes und bis zu elf Kilogramm schweres Tier, das gerne in Gruppen unterwegs ist.

Zwei Geierarten gleichzeitig

Wie imposant ein solcher Geierschwarm am Himmel anzusehen ist, hat letzten Juni eine Gruppe von 63 Forscherinnen und Forschern aus der ganzen Schweiz erlebt, die auf der Rigi unterwegs waren. Dabei wollten sie möglichst viele Tier-, Pflanzen- und Pilzarten nachweisen. Am zweiten Tag kreiste nach dem Mittag eine Gruppe von 30 Gänsegeiern begleitet von einem Mönchsgeier über der Rigi, wie es im eben veröffentlichten Bericht zu den Tagen der Natur heisst. Dass gleich zwei Geierarten zusammen und in so grosser Zahl gesehen werden, hätte es in der Zentralschweiz noch nie gegeben.

Eine noch grössere Gruppe von Gänsegeiern konnte in der Region Kaiseregg in der Nähe des Schwarzsees in den Freiburger Alpen gesehen werden. Dort hat man an einem einzigen Tag 131 Tiere beobachtet, wie Michael Schaad, Biologe bei der Schweizerischen Vogelwarte Sempach, gegenüber der NZZ sagte. Die starke Zunahme sei vermutlich auf ein Wiederansiedlungsprojekt in Frankreich zurückzuführen, wo rund 2000 Paare leben sollen. Im Sommer kommen die Tiere dann auch in die Schweiz.

Als ausgestorben geglaubte Art entdeckt

Die imposanten Aasfresser waren aber nicht die einzige beobachtete Spezies. 1794 verschiedene Tier-, Pflanzen-, Algen-, und Pilzarten konnten die Forscher auf der Rigi ermitteln. Darunter befinden sich mindestens 18, die man noch nie in der Zentralschweiz gesichtet hatte. 26 waren erstmals im Kanton Luzern und 23 neu für den Kanton Schwyz.

Von der grossen Florfliegenart Nineta carinthiaca war vor den Tagen der Natur auf der Rigi ein einziger Schweizer Fund aus Tamins (GR) bekannt.
Von der grossen Florfliegenart Nineta carinthiaca war vor den Tagen der Natur auf der Rigi ein einziger Schweizer Fund aus Tamins (GR) bekannt. (Bild: Peter Duelli)

Als besonderes Highlight bezeichnen die Forscher die Entdeckung der Köcherfliegenart Stactobia eatoniella, die in der Schweiz als ausgestorben gegolten hatte. Ihre Larve lebt nur an von Wasser überrieselten Felsen, wie sie auf der Rigi an vielen Stellen vorkommen. Unter den Kulturlandvögeln werden vor allem ein Wiesenpieper auf der Rotenflue Allmig und drei Sänger des Baumpiepers erwähnt. Aber auch der Rüsselkäfer Pelenomus hygrophilus lebt neu auf der Rigi. Bisher gibt es von ihm europaweit nur etwa ein Dutzend Fundstellen.

Verwendete Quellen
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