Journalistisches Grundprinzip verletzt

Presserat rügt Berichterstattung über Jolanda Spiess-Hegglin

Jolanda Spiess-Hegglin kämpft gegen das Buch von Michèle Binswanger, weil sie befürchtet, dass darin ihre Persönlichkeitsrechte verletzt werden. (Bild: Adobe Stock / ber)

Das Medienunternehmen CH Media – zum dem auch die Zuger Zeitung gehört – kassiert einen Rüffel vom Schweizer Presserat. Der Grund: Für einen Artikel hat die Redaktion der Journalistin Michèlle Binswanger vorgeworfen, vor Gericht gelogen zu haben. Ohne sie dazu anzuhören.

Zwischen der ehemaligen Zuger Kantonsrätin Jolanda Spiess-Hegglin und der Journalistin Michèlle Binswanger tobt seit Jahren ein Rechtsstreit (zentralplus berichtete). Letztere plant ein Buch über die Folgen der Landammannfeier 2014. Inhaltlich soll darin die Rolle der Medien und die Sichtweise von Markus Hürlimann thematisiert werden (zentralplus berichtete).

Über den Gerichtsfall hat auch das drittgrösste Medienunternehmen der Schweiz – CH Media – geschrieben. In einem Artikel mit dem Titel «Bundesgericht stoppt umstrittene Passagen in geplantem Buch über Jolanda Spiess-Hegglin» warf unter anderem die «Zuger Zeitung» der Journalistin vor, «den Gerichten als auch der Öffentlichkeit gegenüber unwahre Angaben» gemacht haben.

Das ist ein happiger Vorwurf. «Vor Gericht die Unwahrheit zu sagen, ist im Moral- und Rechtsverständnis einer durchschnittlichen Leserin oder eines Lesers zweifellos ein gravierendes Fehlverhalten», schreibt der Presserat dazu. Konkret wird der Verdacht geäussert, dass das Manuskript der Buches längst vorliege.

Das Problem: Der Journalist konfrontierte Michélle Binswanger nicht vor der Veröffentlichung damit. Ergo hatte sie keine Gelegenheit, dazu Stellung zu nehmen. Dass der Journalist aus den Gerichtakten zitierte, entbinde ihn nicht von der Pflicht zur Anhörung. Damit verstosse der Artikel gegen die Richtlinien des Presserats.

Verwendete Quellen
1 Kommentar
Apple Store IconGoogle Play Store Icon