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Bakterien in Trinkwasser

Mieterinnen in Honau seit Monaten ohne Frischwasser

Ob es von der Vanoli Immobilien Treuhand AG Entschädigungen für die Mieterinnen der Hirschenmatt-Überbauung gibt, ist unklar. (Bild: Vanoli Immobilien Treuhand AG)

Die Bewohner der Hirschenmatt-Überbauung in Honau haben seit ihrem Einzug kein frisches Trinkwasser. Da im Wasser Bakterien entdeckt worden sind, müssen sie das Wasser seit Monaten abkochen.

In der Schweiz kann man im Unterschied zu vielen europäischen Ländern ohne Bedenken das Wasser aus dem Wasserhahn trinken. Das ist grundsätzlich der Fall. Doch die Mieterinnen der Hirschenmatt-Überbauung im Luzernerischen Honau machten genau mit dieser Faustregel schlechte Erfahrung. Denn seit ihrem Einzug im Dezember schmeckte das Wasser seltsam. Kurz darauf intervenierte die Vermieterin. Seither muss abgekocht werden.

Erst im Dezember letzten Jahres sind die Mieterinnen in die Hirschenmatt-Überbauung eingezogen. Und bereits da fiel ihnen etwas am Trinkwasser auf. «Seit dem Erstbezug Anfang Dezember stimmt mit dem Wasser etwas nicht. Es riecht seltsam und die Kalkablagerungen weisen Verfärbungen auf», erzählt eine Mieterin gegenüber «20minuten».

Daraufhin wurde die Verwaltung informiert. Der Brunnenmeister, der das Wasser anschliessend untersuchte, fand allerdings keinen Grund für die Beschwerden. Erst nachdem sich bei einigen Mietern gesundheitliche Beschwerden gezeigt hatten, gab eine Mieterin einen Wassertest in Auftrag. Und dieser zeigte: Im Wasser befanden sich Bakterien und gesundheitsschädigende Stoffe.

Das Wasser muss noch immer abgekocht werden

Die Vermieterin hat daraufhin reagiert. Nach Erhalt des Berichts des ersten Wassertests, liess sie einen weiteren durchführen und informierte daraufhin die Bewohner. Darin teilte sie mit: Im Wasser wurden Bakterien vom Typ der Enterokokken nachgewiesen. Das Milchsäurebakterium darf im Trinkwasser nicht vorkommen und deutet auf eine fäkale Verunreinigung hin.

Ohne Erstaunen kann das Bakterium auch zu gesundheitlichen Beschwerden und Infektionen führen. Deshalb empfahl die Verwaltung, das Hahnenwasser nicht mehr zu trinken, ohne es vorher abzukochen. Das Gleiche gelte für das Zähneputzen, das Reinigen von offenen Wunden oder für immungeschwächte Personen.

Die Mieterinnen haben noch keine Entschädigung gesehen

Das führt allerdings zu einer Reihe von Folgeproblemen, für welche die Mieterinnen bis anhin keine Art der Entschädigung gesehen haben. Da die Verwaltung behauptet, dass es sich um eine Notlage handle, hätten die Mieter kein Anrecht auf eine Mietzinsreduktion oder eine Schadensersatzzahlung.

Eine Bewohnerin erzählt von ihren gesundheitlichen Folgen: Sie sei bereits mehrere Male aufgrund von bakteriellen Infektionen beim Arzt gewesen. Einige Personen hätten zudem verfärbte Haare bekommen. Bewohner müssten seit Monaten Wasser kaufen. Einige duschten jeweils im Fitnessstudio. Die Betroffenen fordern: «Das ist doch kein Zustand. Seit einem halben Jahr werden wir nicht ernst genommen. Die Wasserversorgung muss endlich in Ordnung gebracht werden.»

Die Ursachen sind noch immer unbekannt

Doch offenbar reichte der Leidensdruck der Bewohnerinnen bisher nicht aus, um die Angelegenheit zu beschleunigen. Denn die Verwaltung kann bis heute keinen Grund für die Verunreinigung nennen. «Die Ursache für die gemessenen Werte kann nicht identifiziert werden und ist Bestandteil der aktuellen Abklärungen», sagt Immobilienbewirtschafter Markus Schilter. Man habe sich in Absprache mit der örtlichen Wasserversorgung zu einer vorsorglichen Warnung mittels Flugblatt entschieden.

In der Hirschenmatt-Überbauung, die aus acht Mehrfamilienhäusern mit rund 60 Wohnungen besteht, betrifft die Verunreinigung ein Gebäude.

Die Verwaltung will nun mit einer weiteren, unabhängigen Wassermessung von einem eidgenössisch anerkannten Labor die Wasserqualität bestätigen. Anschliessend werde man sich mit möglichen Mietzinsreduktionen oder Schadensersatz auseinandersetzen. Auch die Gemeinde Honau wartet auf das Resultat der weiteren Messung. In der Zwischenzeit sei sie für Fragen der Einwohner da.

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