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Auszug aus dem «verbotenen Buch»
Landammannfeier 2014: Markus Hürlimann wehrt sich

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Mit zwei Artikeln erzählt Michèle Binswanger die Landammansfeier-Geschichte aus Sicht von Markus Hürlimann. (Bild: Archiv/zvg)

An diesem Wochenende spielt sich ein neues Kapitel in der Geschichte Buchverbot von Michèle Binswanger ab. Quasi als Teaser veröffentlicht sie Teile ihrer Recherche zur Zuger Landammannfeier 2014 als Artikel. Und lässt dabei den ehemaligen SVP Zug Präsidenten Markus Hürlimann zu Wort kommen.

Im neuen Jahr zieht sich der Streit zwischen der Zuger Netzaktivistin Jolanda Spiess-Hegglin und Michèle Binswanger in die nächste Runde. Zur Erinnerung: Das Buchprojekt Binswangers ist derzeit vom Bundesgericht vorsorglich auf Eis gelegt worden (zentralplus berichtete). Der definitive Entscheid dazu steht jedoch noch aus.

Die Tagesanzeiger-Journalistin lässt sich davon jedoch nicht beirren. Am Wochenende veröffentlicht sie gleich zwei Geschichten auf Basis ihrer Recherche zum Buch. Dabei schildert sie die Geschehnisse aus Sicht des Ex-SVP Zug Präsidenten Markus Hürlimann, dem nicht ganz so ins mediale Licht gerückten zweiten Protagonisten der Geschichte. Wobei sie in den Artikeln bewusst die Teile auslässt, über welche die Journalistin gemäss einem richterlichen Entscheid nicht schreiben darf. Die Veröffentlichung soll aber bewusst als Teaser gelten, denn sie schreibt: «Der ganze Text wird, sollte das Urteil revidiert werden, als Buch erscheinen.»

Markus Hürlimann erlebt Kater mit Filmriss

An der besagten Landammannfeier 2014 gab es für die SVP einiges zu feiern, war doch Heinz Tännler nun an die Spitze der Zuger Regierung gewählt. Entsprechend habe Markus Hürlimann ordentlich zum Alkohol gegriffen. «Auf dem Landsgemeindeplatz zwei Baarer-Bier, dann zwei, drei Gläser Prosecco zum Anstossen, zum Essen Wein, reichlich. Die Kellner hätten immer wieder nachgeschenkt», zählt er im Artikel des «Tagesanzeiger» auf.

Am nächsten Morgen kann er sich kaum an etwas erinnern und hat Prellungen am Körper. Drei Tage später steht die Polizei mit einem Durchsuchungsbefehl vor der Tür. Was danach folgt, ist eine hohe mediale Welle, in der viel interpretiert und gemutmasst wird. Mittendrin der SVP-Mann, der zwar selbst nicht mehr genau weiss, was passiert ist, aber sich sicher ist, dass er nichts Falsches getan hat. Im Sommer 2015 wird das Verfahren gegen Markus Hürlimann eingestellt, er gilt offiziell als unschuldig. Der Schaden an seinem Ruf und seiner politischen Karriere ist aber längst geschehen, wie im Artikel der Zeitung geschrieben wird.

Medienanfragen blieben unbeantwortet

Zweiter Teil des Teasers ist ein Interview, in dem Markus Hürlimann selbst zu Wort kommt. Darin betont er unter anderem, dass er damals zwar bewusst nicht die Öffentlichkeit gesucht hätte. «Aber mich hat auch nie jemand nach meiner Sicht gefragt.» Was nicht ganz stimmt, er hat beispielsweise auf mehrere Anfragen von zentralplus nicht reagiert.

Weiter beteuert er, dass an besagtem Abend keine fremden Substanzen im Spiel waren, wie beispielsweise die viel zitierten K.O-Tropfen.

Sein Unmut gegenüber den Medien wird auch in weiteren Teilen des Interviews deutlich. So beispielsweise beschreibt er, wie er sich als Betroffener gegenüber dem «Blick» machtlos fühlte: «Die Medien wollen Schlagzeilen produzieren – die Menschen dahinter sind egal. Der ‹Blick› konnte damals im Dezember 2014 schreiben, was er wollte, als Einzelner hat man da keine Chance.»

Damalige Berichterstattung wird gerichtlich beurteilt

Anders als Markus Hürlimann wehrt sich Jolanda Spiess-Hegglin bis heute gegen die damalige Berichterstattung. Nächsten Mittwoch findet ein Prozess zwischen Spiess-Hegglin und Ringier statt. Sie fordert, dass der «Blick» das Geld, das er an ihr verdient hat, herausrückt (zentralplus berichtete).

In einer Stellungnahme zu Binswangers Artikel über Facebook wertet die Netzaktivistin den Zeitpunkt der Veröffentlichung als «Störmanöver» für den Prozess am Mittwoch. Weiter hält sie fest, dass sie beide Opfer der Medien seien. Und sie Hürlimann zu keinem Zeitpunkt öffentlich als Täter dargestellt habe.

Hürlimann selber hat gemäss dem Interview mit der Politik abgeschlossen: «Schon vor der Landammannfeier hatte ich einen desillusionierten Blick auf die Politik. Ich sah ja, wie der Hase läuft, wie sehr sich die politische Basisarbeit vom Haifischbecken schon der kantonalen Politik unterscheidet», wird er im Interview Binswangers zitiert.

Dieser Artikel wurde am 17. Januar mit einer Stellungnahme von Jolanda Spiess-Hegglin ergänzt.

Verwendete Quellen
  • Artikel «Tagesanzeiger» vom 15. Januar 2022
  • Artikel «Tagesanzeiger» vom 16. Januar 2022
  • Facebook-Post von Jolanda Spiess-Hegglin am 16. Januar 2022
  • Medienberichte von zentralplus im Dossier
Weitere Quellen
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7 Kommentare
  1. Rössli Hü, 17.01.2022, 08:50 Uhr

    Jede(r) Zuger(in), welche die zwei Protagonisten dieses Theaters kennen, die können sich den Ablauf der Geschichte zur Landammannfeier 2014 sehr gut vorstellen. Jeder Mensch hat so seinen Ruf…… und bei manchen eilt er voraus. Bei den Einen etwas weiter, bei den Anderen etwas weniger. Und da sich keiner eine(n) juristische(n) Terrier(in) an die Waden heften möchte (ob zu recht oder unrecht), schweigt man in Zug lieber. Aber es ist, wie schon von einem anderen Schreiber erwähnt, schon sehr augenfällig, welche(r) Protagonist(in) die Geschichte nicht endlich ruhen lassen möchte.

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  2. Hans Peter Roth, 17.01.2022, 00:33 Uhr

    Patriarchale Querdenker-Logik besagt, dass Frauen an allem schuld sind: Eva stahl den Apfel vom Baum des Herrn; Frauen vergewaltigen Männer, falls es ausnahmsweise anders läuft, ist auch Eva schuld, weil sie einen Minijupe trug oder zuviel getrunken hatte, usw. Wenn mich an dieser unendlichen Geschichte noch etwas interessiert, dann dies: Was hat Herr Hürlimann mit dem Spiess gemacht, der ihm bei seinem Rücktritt von der SVP als höchst symbolisches Geschenk überreicht wurde? Hängt der jetzt prominent über dem Cheminée oder wurde er klammheimlich darin entsorgt? Er hätte ihn auch zurückgeben können, weil er sich an seine Rolle nicht mehr erinnern kann. Frau Binswanger empfehle ich, wieder mal «Die verlorene Ehre der Katharina Blum» zu lesen. Da finden sich ein paar bedenkenswerte Parallelen zum heutigen Boulevard Journalismus.

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    1. Rashid Dostum, 17.01.2022, 10:17 Uhr

      Die einfach gestrickte Welt und Täter-Opfer-Dichotomie des Hans Peter Roth:

      Nie schuldig (wegen Ideologie, Dogma und moralischer Integrität): Rote und Grüne
      Immer schuldig (aus Prinzip und moralischen Defiziten): Die SVP

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  3. ... bis der Doktor kommt, 16.01.2022, 14:20 Uhr

    Essen und v.a. Saufen auf Steuerzahlers Kosten, da besteht zweifellos parteiübergreifende Einigkeit in der Zuger Politik.

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  4. Familie Fasel, 16.01.2022, 14:03 Uhr

    Bisher hat Markus Hürlimann mein Respekt gehört, weil er klug genug war, sich ganz zurückzuhalten und Gras über die Sache wachsen zu lassen. Dass er sich nun aber nach sieben Jahren, in denen er seine Würde wahren konnte, doch noch für den persönlichen Rachefeldzug von der Tamedia-Journalistin instrumentalisieren lässt, ist für mich absolut unverständlich und revidiert meine Achtung für den ehem. Politiker. Nur Verlierer auf der ganzen Linie, Frau Binswanger eingeschlossen.

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    1. M. Moser, 16.01.2022, 16:43 Uhr

      Wieso verliert er? Weil er eventuell Licht in eine bis heute nicht abgeschlossene Sache bringen könnte? Klar ist, in diesem Falle gibt es zwei Seiten, die Seite Spiess-Hegglin und die Seite Markus Hürlimann. Wer den Fall bis jetzt am Kochen hielt von diesen Beiden muss ich nicht betonen. Das sich Hürlimann jetzt nach 7 Jahren dazu äussert ist wohl angebracht. Wir dürfen gespannt sein was Hürlimann zu diesem Fall als zweiter Betroffener meint.

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      1. SORSK, 18.01.2022, 11:04 Uhr

        «selbst nicht mehr genau weiss, was passiert ist, aber sich sicher ist, dass er nichts Falsches getan hat.» sagt ja schon alles.

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