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Andreas Tunger-Zanetti

Luzerner Religionsforscher mischt mit Burka-Studie die Politik auf

Nur wenige Frauen in der Schweiz tragen laut dem Luzerner Religionsforscher Andreas Tunger-Zanetti einen Nikab. (Symbolbild: Unsplash/Elin Tabitha) (Bild: )

Der Religionsforscher Andreas Tunger-Zanetti hat eine Studie über Burkaträgerinnen in der Schweiz publiziert. Politisch erntet der Luzerner Zuspruch und Kritik gleichermassen.

In seiner Studie kommt Tunger-Zanetti unter anderem zum Schluss, dass die Verhüllung des Gesichts mit einer Burka bei den meisten Frauen islamischen Glaubens meist freiwillig passiere. Zudem bestehe die Gefahr, dass bei einem Burka-Verbot viele Frauen nicht mehr trauten, sich in der Öffentlichkeit zu zeigen (zentralplus berichtete). Laut Schätzungen der Studie ist die Anzahl voll verschleierter Musliminnen in der Schweiz lediglich auf 20 bis 30 Personen zu beziffern.

Der Zeitpunkt für die Publikation von «Verhüllung – Die Burka-Debatte in der Schweiz» im Vorfeld der Burka-Initiative war offensichtlich gut gewählt. Denn zitiert wird die Studie nicht nur im wissenschaftlichen Bereich, sondern auch politisch: So beruft sich etwa der Bundesrat bei seiner Argumentation gegen die Burka-Initiative darauf, über die am 7. März das Stimmvolk befindet. Auch das überparteiliche Komitee gegen die Initiative bedient sich gerne seiner Argumente.

Burka-Initiant auf die Palme gebracht

Laut dem «Tages Anzeiger» eckt der Lehrbeauftragte an der Universität Luzern und Geschäftsführer des Zentrums Religionsforschung damit bei Politikern aber auch an. Vor allem mit der Schlussfolgerung, dass «Frauen mit Gesichtsverhüllungen sich grossmehrheitlich aus eigener Überzeugung dafür entschieden» hätten. So liess ich etwa der Solothurner SVP-Nationalrat Walter Wobmann, einer der Befürworter der Burka-Initiative, zu folgender Aussage verleiten: «Dass sich dieser Mensch als Fachperson ausgibt, ist fahrlässig, eine Katastrophe», wird Wobmann zitiert.

In dieselbe Kerbe mit etwas sorgfältiger gewählten Worten hatte zuvor auch die «Weltwoche» geschlagen, welche die Studie als «Voodoo» betitelte, weil sich Tunger-Zanetti nur einer einzigen Zeugin bedienen würde. Tatsächlich konnte der Forscher nur mit einer Nikab-Trägerin aus der Schweiz sprechen.

Der Autor kontert die Kritik – und nimmt sie gelassen

Der Forscher weist in seinem Buch und gegenüber Zentralplus allerdings darauf hin, dass sich die Aussagen der Interviewten «und weitere verstreute Informationen über einzelne Schweizer Nikabträgerinnen nahtlos in das Bild einfügen, das breit abgestützte sozialwissenschaftliche Forschung in mehreren westeuropäischen Ländern gezeichnet hat».

Der Autor selbst nimmt die Aufmerksamkeit der Politik insgesamt gelassen:  «Es war durchaus ein Ziel des Buches, die aktuellen Diskussionen zu beleben», sagt Tunger-Zanetti gegenüber dem «Tages Anzeiger».

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