Wegen Maskenpflicht an Schulen

Luzerner Schulleiter erhält eingeschriebenen Drohbrief

Dem Schulleiter aus Dagmersellen werden per Post juristische Schritte angedroht. (Bild: Adobe Stock)

Die Corona-Massnahmen an Primarschulen sorgen bei massnahmenkritischen Eltern für viel Kritik. Wie ein Schulleiter aus Dagmersellen erzählt, haben Druckversuche extrem zugenommen. Er erhielt auch schon Post, die ihn des «Verbrechens gegen die Menschlichkeit» bezichtigen.

Der Job als Schulleiter ist derzeit alles andere als ein Zuckerschlecken. Momentan stecken sich besonders viele Luzerner mit dem Corona-Virus an (zentralplus berichtete). Innerhalb kürzester Zeit müssen deshalb Vertretungen organisiert werden, was mal mehr, mal weniger gut gelingt (zentralplus berichtete). Hinzu kommt, dass seit wenigen Wochen die Corona-Massnahmen auch an den Primarschulen verschärft wurden (zentralplus berichtete). Neben weiteren organisatorischen Schwierigkeiten sorgt dies teilweise auch für erboste Eltern. Und vereinzelt greifen diese auch zu extremen Methoden, wie das Beispiel von Thomas Graber im «Tagesanzeiger» zeigt.

«Diplomatenpost» gekennzeichnete Einschüchterung

Thomas Graber ist Gesamtschulleiter im luzernischen Dagmersellen. Kürzlich erhielt er ein Schreiben per Post, dass ihn «fassungslos» machte, wie er gegenüber der Zeitung erzählt. Das Institut Trivium United schreibt ihm einen eingeschriebenen Brief, auf Hochglanzpapier, mit dem Stempel «Diplomatenpost» obendrauf. Ganz oben ist er mit «Verbrechen gegen die Menschlichkeit tituliert». Der Verein hat Vertreter in der Schweiz, in Österreich, Deutschland und der Tschechischen Republik. Und setzt sich stark gegen die Corona-Massnahmen in Schulen ein.

Der Verfasser des Briefes nennt sich «High Commissioner» des «Office-Human-Rights» und kommt aus dem Kanton Bern. Inhalt des Schreibens: Die Corona-Massnahmen wie die Maskenpflicht oder Reihentests werden mit «Misshandlungen von Schutzbefohlenen» gleichgesetzt. Weiter wirft man Graber die Missachtung von Attesten und die Diskriminierung durch Ausschluss aus der Klasse vor. Sehr fatalistisch steht im Schreiben, dies entspräche «dem Tatbestand der Folter».

Die Forderung des Vereins: Der Schulleiter soll alle Beteiligten – also die Lehrerinnen – mit vollem Namen, Adresse und Geburtsdatum preisgeben. Ansonsten drohe eine Strafverfolgung. «Dahinter stehen massnahmenkritische Eltern», so Graber gegenüber der Zeitung. «Man will sich gegen die Obrigkeit auflehnen und zeigen, dass man selber entscheiden kann. Seit Corona haben diese Druckversuche extrem zugenommen.» So erhalten sie beispielsweise immer wieder Maskenatteste, die von pensionierten Rechtsanwälten ausgestellt werden – also Personen ohne medizinischem Fachwissen.

Graber kein Einzelfall

Die Nachfrage der Zeitung beim Verein zeigt: Der Schulleiter aus Dagmersellen ist kein Einzelfall. Auch Thomas Minder, Präsident des Schweizer Verbands der Schulleiterinnen und Schulleiter, erzählt, dass Schulleiter schweizweit massiv Kritik ernten. «Vorlagen für Briefe an Schulen mit der Androhung von juristischen Schritten gehen von Elternchat zu Elternchat», sagt er gegenüber der Zeitung.

Verwendete Quellen
  • Artikel im «Tagesanzeiger» vom 15. Januar 2022
  • Medienberichte von zentralplus
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6 Kommentare
  • Profilfoto von David L
    David L, 19.01.2022, 22:45 Uhr

    Bedauerlicherweise hat unser ehemaliger Rechtsstaat für diese Covid-Querulanten seit bald zwei Jahren ja nur eine einzige Botschaft:
    Ihr könnt den ganzen Tag delinquieren wie ihr wollt. Es wird keine Strafverfolgung stattfinden.
    Entsprechend verwundert es nicht, dass es keine Hemmungen mehr gibt bei den Schwurblern.

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  • Profilfoto von Remo
    Remo, 17.01.2022, 13:02 Uhr

    Diesem komischen Drohverein würde ich ein schönes Paket mit Naturdünger aus dem Prager Zoo schicken lassen.

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  • Profilfoto von George
    George, 16.01.2022, 12:24 Uhr

    Da wären die möglichen rechtlichen Schritte des Schulleiters interessant. Eine Androhung unberechtigter Strafverfolgung klingt für mich doch sehr nach einer Nötigung.

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    • Profilfoto von Daniel
      Daniel, 16.01.2022, 22:43 Uhr

      Nur blöd, dass die Androhung der Strafverfolgung nicht unberechtigt ist…

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      • Profilfoto von Remo
        Remo, 17.01.2022, 13:04 Uhr

        @Daniel Schwachsinn. Sie sind wohl auch einer der vielen heutigen Wohlstandsverwahrlosten?

        Eltern die Lehrer oder Schulleiter bedrohen würde ich grad die KESB auf den Hals hetzen.
        Geht gar nicht. Aber leider brauchts keinen Intelligenztest zum Kinder machen.

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    • Profilfoto von Michel von der Schwand
      Michel von der Schwand, 19.01.2022, 08:53 Uhr

      @Remo: beste Antwort ever! In der Tat kann jeder Depp Kinder zeugen und danach „helikoptern“ bis der Arzt kommt.

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