Nachwuchs kann Lücken nicht füllen

Luzerner Lehrermangel spitzt sich zu

Lehrerinnen werden immer rarer, vor allem, wenn die Baby-Boom-Generation pensioniert wird. (Bild: Unsplash)

Eine freie Lehrerinnenstelle zu besetzen, wird zunehmend schwieriger. Das Problem wird sich in Zukunft gar verschärfen, weshalb man auch auf Quereinsteiger zurückgreifen muss.

Die Baby-Boomer sind bald im Pensionsalter. Das betrifft auch viele Lehrer, die dann wegfallen. Sie zu ersetzen, wird schwierig. Denn mittlerweile liessen sich kaum Bewerber finden, sagt Charles Vincent, Leiter der Dienststelle Volksschulbildung, zu SRF. «Vor fünf oder sechs Jahren hatten wir auf eine offene Stelle als Primarlehrperson noch bis zu fünfzig Bewerbungen. Heute kommen vielleicht noch drei oder vier Bewerbungen rein – und wenn von diesen dann jemand abspringt, weil er woanders eine Stelle angenommen hat, und eine zweite Person nicht alle Anforderungen erfüllt, wird’s schon eng.»

Mit den Baby-Boomern würden dann auch in kurzer Zeit viele langjährige Lehrerinnen verschwinden, erklärt Christine Huber von der Pädagogischen Hochschule Luzern, gegenüber dem Portal. Jene, die dann ihre Ausbildung abschliessen, könnten diese Lücke gar nicht ausfüllen. Denn bis 2025 rechnet der Bund mit neuen Höchstzahlen von Schülern.

Viele Interessenten – und Aussteiger

Huber findet deshalb deutliche Worte: «Mit dem Nachwuchs allein geht es nicht. Wir müssen versuchen, mit einer attraktiven Ausbildung zusätzliche Leute für den Lehrerberuf zu gewinnen.» Damit meint sie Quereinsteiger.

Ob das gelingt, wird sich zeigen. Fakt ist, dass es durchaus viele Interessenten gäbe: In Luzern wollen laut SRF über 600 Studierende im Herbst an die PH, in Zug sind es rund 150 Neueinsteiger. Und doch scheint der Beruf derzeit nicht unbedingt attraktiv zu sein. Das zeigt belegt die Ausstiegsquote: Jede fünfte Lehrperson hängt den Beruf in den ersten fünf Jahren an den Nagel.

Würden höhere Pensen nutzen oder schaden?

Was also ist zu tun? Charles Vincent schlägt vor, den Lehrermangel durch höhere Arbeitspensen zu entschärfen. Nur eine oder zwei Lektionen mehr pro Lehrperson würden genügen, um die Lücke etwas zu schliessen.

Damit schneide man sich ins eigene Fleisch, findet hingegen Huber: «Gerade unsere Studenten wollen vielfach in den Beruf, weil er Teilzeitpensen ermöglicht. Würden die Pensen erhöht, könnte dies dazu führen, dass der Lehrerberuf unattraktiver würde und sich die heutige Situation weiter zuspitzt.» Eine schnelle Lösung ist also kurzfristig nicht in Sicht.

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1 Kommentar
  • Profilfoto von igarulo
    igarulo, 15.07.2020, 18:36 Uhr

    Man müsste halt die Lehrer+innen so bezahlen, dass der Lohn dem gerecht wird, was sie für die Gesellschaft leisten. Ungefähr so wie was ein erfolgreicher Börsenhändler verdient. Aber die Rendite getriebenen bürgerlichen Politiker stecken das Geld lieber den Immobilienmogulen in den Sack.

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