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St. Galler wollen am Sonntag in den Familiensektor

Luzern erwartet nächsten Fanprotest

Die FCZ-Fans marschierten am Sonntagabend beim Match gegen den FCL in den Sektor D, wo sich auch der Familiensektor befindet.

 

(Bild: giw)

Die St. Galler Fanorganisation weigert sich, am Spiel nächsten Sonntag den Gästesektor in der Swissporarena zu nutzen. Damit protestieren die Anhänger gegen die Einlasskontrollen und die Luzerner Polizei. Der FCL weist die Vorwürfe zurück – und fordert die Liga auf, zu handeln.

Nächste Fan-Aktion in Luzern geplant: Nur ein Tag nach dem Protest der FCL-Anhänger gegen die Anspielzeit im Cup-Viertelfinal (zentralplus berichtete) wird bekannt, dass am Wochenende bereits wieder eine Aktion ansteht. Wie der FC Luzern mitteilt, wird die St. Galler Fanorganisation «Dachverband 1879» am Sonntag nicht wie jeweils üblich im Gästesektor das Spiel verfolgen, sondern im Sektor D1, in dem sich auch der Familiensektor befindet. Zudem werden die Fans individuell ans Spiel anreisen.

«Der FC Luzern verurteilt dieses Vorgehen aufs schärfste», teilt der Verein mit. Man werde trotz dieser «Aktion» alles dafür tun, dass das Spiel in einem möglichst sicheren Rahmen für alle Fussballfans ausgetragen werden kann. Bereits letzte Saison besetzten auswärtige Fans des FC Zürich Plätze im Sektor D (zentralplus berichtete).

Verärgert über Polizei und Einlasskontrolle

Hintergrund der Protestaktion ist die Unzufriedenheit der St. Galler Fans mit den Bedingungen in Luzern. Die Dachorganisation hält in einem Schreiben auf ihrer Webseite fest, dass es in Luzern in den letzten Jahren vermehrt zu negativen Vorkommnissen gekommen sei. Kritisiert wird unter anderem das Einlassprozedere im Gästesektor, wo es laut dem Schreiben zu wenige Eingänge habe, übertriebene Kontrollen gemacht und den Fans unverhältnismässige Kollektivstrafen angedroht würden.

Weiter monieren die St. Galler, dass Abmachungen zwischen Fans, Verein und Behörden nicht eingehalten worden seien. «So wurden beispielsweise trotz gegenseitigen Kompromissen und anderslautenden Versprechen gegen mehrere Fans nachträglich mehrjährige Stadion- und Rayonverbote ausgesprochen», heisst es im Schreiben. Zudem habe man mehrmals Spruchbänder und Choreografien unter «fadenscheinigen Begründungen» nicht ins Stadion mitnehmen dürfen.

Und auch die Luzerner Polizei gerät ins Visier der Fans. Diese sprechen von einem «offensiven Auftreten» der Polizisten auf dem Hin- und Rückweg zum Stadion. Das lasse nur den Schluss zu, «dass in der Innerschweiz nach wie vor eine Strategie der Konfrontation statt der Deeskalation verfolgt wird», so die Fanorganisation.

FCL weist Vorwürfe zurück

«Diese Vorwürfe sind aus Sicht des FC Luzern haltlos und verkennen die Situation in einer einseitigen Sichtweise», entgegnet der FC Luzern. Er seinerseits kritisiert, dass die Dachorganisation 1879 nicht auf ein Gesprächsangebot eingegangen sei.

«Der FCL kann weder den Ticketkauf noch das Betreten des Sektors D1 durch diese Fans verhindern.»

Philipp Studhalter, Präsident FCL

Für den FC Luzern sei die Situation nicht haltbar. Er zeigt sich enttäuscht darüber, dass trotz eines intensiven Austauschs mit den Verantwortlichen des FC St.Gallen 1879, insbesondere deren Präsident Matthias Hüppi, sowie mit den verantwortlichen Personen der Swiss Football League während den letzten Tagen keine Lösung gefunden werden konnte.

FCL-Fans können Ticket umtauschen

FCL-Präsident Philipp Studhalter bedauert die Situation. «Leider können wir als austragender Club eine solche Aktion nicht verhindern», wird er in einer Mitteilung zitiert. Die Fans hätten regulär ein Ticket gekauft, was der FCL nicht verbieten könne. Studhalter betont die Wichtigkeit eines guten Austausches zwischen Vereinen, ihren Fanorganisationen und der Swiss Football League. Die Verantwortlichen des FC Luzern weisen gleichzeitig darauf hin, dass es keine andere Lösung gibt, als solche Aktionen zu dulden, so lange es keine Möglichkeit der Personenkontrolle gebe.

«Ich entschuldige mich im Namen des FCL und aller Angestellten aufrichtig dafür, dass wir es erneut nicht schaffen, unseren Fans im Sektor D die von ihnen zu Recht erwartete einwandfreie Dienstleistung zu erbringen», sagt FCL-Präsident Philipp Studhalter. Der FCL bietet den eigenen Fans mit einer Saisonkarte oder einem Einzelticket im Sektor D daher einen Umtausch an. Wer wechseln will, kann am Sonntag vor dem Stadion an einem «Help-Desk» ein Ticket für den Sektor C erhalten.

FCL nimmt Liga und Vereine in die Pflicht

Aufgrund der geplanten Aktion der «Dachorganisation 1879» hat der FCL Luzern entschieden, am Sonntag ein erweitertes Sicherheitsdispositiv einzusetzen. Man erwarte zudem, dass sich die Dachorganisation friedlich und fair verhalte.

Die «Dachorganisation 1879» ihrerseits hält fest, dass sie ihre Mannschaft lautstark und friedlich unterstützen will. «Wir sind uns bewusst, dass wir einen Teil zur aktuellen Situation beigetragen haben», schreiben sie weiter. Mit der getroffenen Entscheidung möchte man den Raum öffnen für eine konstruktive und lösungsorientierte Diskussion. Dies mit der Hoffnung, dass zukünftig wieder der sportliche Wettkampf im Zentrum steht.

Dass der Sport in den Fokus rückt, dürfte auch im Interesse der Vereine sein. Der FCL ist nicht der einzige Verein, der von Protesten betroffen ist. Es ist in der laufenden Rückrunde bereits das dritte Mal, dass sich Gästefans nicht im vorgesehenen Sektor aufhalten. An Heimspielen des FC Thun sowie der Grasshoppers kam dies bereits vor.

Der FC Luzern fordert zukünftig ein schnelles Handeln sowie Unterstützung seitens der Swiss Football League, sowie das Bekenntis der Liga und der Vereine für sicheren und fairen Spielen. Eine Häufung solcher Vorfälle schade dem Image des Schweizer Fussballs und habe entsprechende negative Konsequenzen für die Clubs und die Liga zur Folge.

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